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Günzburg

21.07.2015

Johanna tanzt nach Afrika

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2 Bilder
Werbung in eigener Sache: Johanna Mühlfriedel erklärt auf einem Plakat ihr Tanzprojekt in Afrika.
Bild: Helmut Kircher

Die Abiturientin beteiligt sich in Kapstadt am Projekt „weltwärts“ und unterrichtet dort Kinder aus den Townships. Sie selbst will aber auch etwas lernen.

Von Helmut Kircher

Günzburg Da hat sie also ein 1,0-Abitur in der Tasche und studiert nicht Medizin! Ja ist denn so was überhaupt erlaubt? Johanna Mühlfriedel quittiert die Frage mit einem ansteckenden Lächeln – und präzisiert das Ganze: „Na ja, irgendwas zwischen Lehrerin und Medizin werde ich schon studieren“, sagt die 18-jährige Günzburgerin. Aber halt nicht jetzt und nicht sofort. In wenigen Wochen nämlich geht es für sie auf eine 14 000 Kilometerreise nach Südafrika, zu einem einjährigen „entwicklungspolitischen Freiwilligendienst“ nach Kapstadt.

Das allein schon lässt staunen, doch was dann folgt, ist mehr als überraschend, ist absolut ungewöhnlich. Johanna Mühlfriedel erzählt es mit hörbarer Begeisterung: Sie wird dort an dem Projekt „weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) teilnehmen.

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Ein Vorhaben, das das Programm „Dance for All“, Tanz für alle, einer Kapstadter Tanzschule unterstützt, in dem mittellosen Kindern und Jugendlichen aus den Townships kostenlos Tanzunterricht angeboten wird. Und das, erläutert die Absolventin des Günzburger Dossenberger-Gymnasiums, bedeute eine einzigartige Möglichkeit: In einem strukturell geschützten Umfeld nicht nur Spaß an verschiedensten Bewegungsformen zu haben, sondern darüber hinaus ein eigenes Selbstwertgefühl zu entwickeln und zu stärken, seiner Persönlichkeit Gewicht zu verleihen, und im Tanz ein Ausdrucksmittel zu finden, das Intensionen weckt und Wege zur Selbstverwirklichung aufzeigt. Schon für manche der Tanzeleven führte dieses Konzept zu einer professionellen Tanzkarriere und damit einer Lebensperspektive mit Einkommensgrundlage.

Sie selbst sei eine leidenschaftliche Balletttänzerin, erklärt die frisch gebackene Abiturientin, habe sich mit zwölf Jahren Unterricht in Anja Kircher-Wagners Ballettschule, in Modern Dance Workshops und Lehrgängen in Ulm, Augsburg und Nürnberg ihr tanztechnisches Rüstzeug erarbeitet, erschwitzt und erweitert.

Sie sieht ihre Aufgabe innerhalb dieses Tanzprojektes, für das sie als einzige Deutsche ausgewählt wurde, in erster Linie aber nicht als Mitarbeiterin im aktiven Schulungsbereich, sondern mehr als Lernende. Als große Chance, einem fremden Land mit aller Offenheit und Unvoreingenommenheit zu begegnen, seine Menschen und seine Kultur kennenzulernen. Nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis. „Sehen, wie es wirklich ist“, vor Ort und von Mensch zu Mensch.

Ein zehntägiges Vorbereitungsseminar in Berlin hat die Günzburgerin zusammen mit anderen Freiwilligendienstlern bereits hinter sich. Sie wurde also in Themen wie Apartheid, Südafrika heute, die Rolle als Freiwilligendienstleistende, kulturelle Hintergründe und Unterschiede eingeführt. Ein Schwerpunkt ist natürlich auch die heikle Angelegenheit der Sicherheit in diesem unruhigen Land – aber eigentlich weniger für Johanna, mehr für die besorgte Mama.

Finanziert wird die Freiwilligenaktion zu 75 Prozent von der BMZ, den verbleibenden Rest, immerhin noch 2400 Euro, übernimmt die Entsendeorganisation SAGE Net (South African German Network), eine rein auf Spenden basierende südafrikanisch-deutsche Organisation für die soziale Entwicklungszusammenarbeit beider Länder. Diese ist auf „Fundraising“, also das Spendensammeln ihrer Mitarbeiter bezüglich ihres Kostenanteils angewiesen. Ein paar Euro auf dem Konto Mühlfriedel fehlten schon noch, gibt Johanna zu. „Aber das wird noch“, lässt sie ihrem Optimismus freien Lauf.

Okay. Aber wie steht’s mit Heimweh im fernen Afrika? „Für das werde ich wahrscheinlich gar keine Zeit haben“ meint sie im Modus aktivierter Zuversicht. Außerdem: Erst einmal steht der familiär gemeinsame Abschiedsurlaub bevor. Und der – wer weiß – hält ja vielleicht für ein ganzes Jahr vor.

 Unterstützenkann man das Projekt mit Spenden auf das Konto: SAGE Net e.V. bei der Sparkasse Köln-Bonn IBAN DE90 3705 0198 0007 5254 13 BIC C0LSDE33. Betreff (wichtig): „Spenderkreis Johanna Mühlfriedel“. Für weitere Information und Fragen: johanna.muelfriedel@yahoo.de oder Telefon 0175/ 6063633.

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