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Rettenbach

27.11.2020

Jugendlicher aus Rettenbach nimmt an internationalem Kunstwettbewerb teil

Der 17-jährige Diego fertigt Kunstwerke aus Holz, insbesondere Löffel haben es ihm angetan. Jeder ist ein Einzelstück und aus einem einzigen Keil herausgearbeitet.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Der 17-jährige Diego aus Rettenbach fertigt kunstvolle Löffel. Damit ist er für einen Talentwettbewerb ausgewählt worden. Was die Arbeit mit Holz für ihn bedeutet.

Diego Schmid wirkt ungewöhnlich reif für seine 17 Jahre. Er ist ruhig und zurückhaltend, drängt sich nicht auf. Bevor er auf Fragen antwortet, nimmt er sich die Zeit, über seine Antwort nachzudenken. Und er ist feinfühlig – das zeigt sich nicht nur in seiner überlegten Ausdrucksweise, sondern auch in seinem Handwerk. Denn Diego hat auch ein außergewöhnliches Hobby: Er schnitzt kunstvolle Holzlöffel, die im März sogar im Rahmen eines Wettbewerbs bei der Internationalen Handwerksmesse in München ausgestellt werden.

Jedes Jahr findet der internationale Wettbewerb der Handwerkskammer statt

Der Wettbewerb „Talente“ wird jedes Jahr von der Handwerkskammer organisiert und soll Nachwuchskräfte unter 30 Jahren fördern. Aus 500 Bewerbungen, die aus aller Welt eintrudeln, werden etwa 90 Stück ausgewählt und bei der nächsten Messe ausgestellt. Aus diesen 90 wählt wiederum eine Jury fünf Sieger aus. Unter die ersten 90 hat es Diego schon einmal geschafft. Richtig fassen habe er das nicht können, erzählt er. „Ich habe einige Tage gebraucht, bis das wirklich zu mir durchgedrungen ist.“

Die Idee für die Teilnahme kam von Diegos Vater Bernhard Schmid. Der gelernte Schreiner ist selbst Künstler und Holzgestalter, seine Werkstatt ist im Keller des Wohnhauses in Rettenbach. Sein Sohn ist mit Holz aufgewachsen. „Ich arbeite sehr gerne damit – es ist nicht zu leicht und nicht zu schwer, es ist warm und es ist vor allem lebendig.“

Bereits mit 13 Jahren gewann Diego aus Rettenbach einen Malwettbewerb

Bereits als kleiner Junge war Diego sehr feinfühlig. Nach der Trennung seiner Eltern, als er in der fünften Klasse war, wohnte er zunächst bei seiner Mutter in einem Steinhaus. „Ich habe mich da einfach nicht wohlgefühlt“, sagt er. Er brauche die Wärme und Geborgenheit, die er in dem Holzhaus seines Vaters habe. Auch heute wohnt er noch bei ihm und verbringt seine Freizeit gerne bei seinem Vater in der Werkstatt.

Sein künstlerisches Talent zeigte sich früh. Mit 13 Jahren gewann er dann einen Malwettbewerb in der Schule und bei einem Porträt-Zeichenkurs, den er mit seinen beiden Geschwistern absolvierte, hatte er so großen Spaß, dass er von da an regelmäßig Einzelkurse nahm.

Diese drei Löffel werden im März 2021 im Rahmen eines Talent-Wettbewerbs auf der Internationalen Handwerksmesse in München ausgestellt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Holz ist Diegos liebstes Arbeitsmaterial

Doch obwohl Diego ein herausragender Zeichner ist, widmet er sich lieber dem Holz. Darum hat er sich auch nach seinem Realschulabschluss für eine Ausbildung entschieden, in der er mit seinem Lieblingsmaterial arbeiten kann. Nicht Schreiner, „das wäre zu nah an meinem Vater dran“, sondern als Zimmerer bei der Zimmerei Oberlander in Aislingen. Bei seiner Suche nach der passenden Ausbildung haben sich Diego und sein Vater auch Holzschnitzschulen angeschaut, doch der 17-Jährige entschied sich dagegen. Sein Vater unterstützte diese Entscheidung: „In so einer Umgebung wird aus der Kunst eine Produktion. Da verlieren die Stücke ihr Leben. Kunst ist Emotion.“

Aktuell ist Diego in seinem zweiten Ausbildungsjahr. Er sieht seinen gewählten Beruf als ein Fundament, auf dem er aufbauen kann. Und nebenbei entstehen in der Werkstatt seines Vaters kleine Kunstwerke aus Holz. Er hat schon verschiedenste Dinge gefertigt, unter anderem zwei Didgeridoos, traditionelle Instrumente der Ureinwohner Australiens.

Der Löffel symbolisiert für Diego das, was im Leben wirklich zählt

Doch am liebsten schnitzt der 17-Jährige Löffel. Wieso eigentlich? „Der Löffel symbolisiert für mich das, was wir wirklich brauchen in unserem Leben. Wir haben so viele Dinge, aber was davon benötigen wir tatsächlich, außer Luft zum Atmen und Nahrung? Im Moment merken wir auch, dass uns die Kontakte zu anderen Menschen fehlen, auch sie sind notwendig. Für all das stehen meine Löffel“, erklärt er. Häufig sitze er stundenlang in der Werkstatt und versinke völlig in seiner Arbeit. „Ich merke gar nicht, wie die Zeit vergeht – wenn ich mit Holz arbeite, spielt alles andere keine Rolle mehr.“

Insgesamt neun Löffel hat Diego bereits gefertigt, jeder ist ein Einzelstück. Manche hat er verschenkt, andere nicht. Doch wenn er ein Kunstwerk verschenke, dann nur, wenn er dieses von Anfang an für diese Person kreiert habe, betont er. So habe er für seinen Vater einen kleinen Löffel in der Form der Ziffer Acht gefertigt, da diese eine große Bedeutung für ihn habe. Denn durch ihre Form erinnert die Acht an die Jahresringe zweier miteinander verwachsener Bäume. Dieses Muster ist zu so etwas wie Bernhard Schmids Markenzeichen geworden.

Diegos Vater ist sehr stolz auf seinen talentierten Sohn

Diego würde seine Stücke aber auch verkaufen. Wichtig sei nur, dass er den Käufer kennenlerne. „Ich möchte sehen, wo meine Sachen landen, das Anonyme beim Online-Verkauf liegt mir nicht.“

Besonders gespannt ist Diego auf die anderen Arbeiten, die bei dem Wettbewerb in der Kategorie Holz angenommen worden sind. Und natürlich auf die anderen Künstler. „Ich glaube, dass ich da nicht so ganz reinpasse, weil ich einen anderen Ursprung habe als die anderen“, vermutet er. Viele Teilnehmer brächten durch eine Ausbildung oder ein Studium einen theoretischen Hintergrund mit. Auch sein Vater ist sich sicher: „Diego ist sicherlich einer der jüngsten Teilnehmer.“ Und er lächelt stolz.

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