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Konzert

07.02.2017

Jungen Talenten auf die Finger geschaut

Das Orchester der Gymnasien Schwabens brachte im Günzburger Forum das Zweite Klavierkonzert von Rachmaninov zu Gehör. Solistin war die gebürtige Memmingerin Julia Rinderle.
Bild: Gah

Die begabtesten Musiker aus den Gymnasien Schwabens präsentieren sich glänzend im Günzburger Forum. Solistin Julia Rinderle begeistert mit akrobatisch anmutender Technik

Das Publikum ist begeistert von den jungen Talenten im Günzburger Forum. So begeistert, dass das Orchester der Gymnasien Schwabens erst nach drei Zugaben von der Bühne kommt. Dieser Klangkörper formiert sich jedes Jahr neu. Darin versammeln sich musikalisch begabte Schüler aus allen Gymnasien des Bezirks. Während einer Probenwoche an der Musikakademie Marktoberdorf erarbeiten sie Werke der Romantik und der Moderne. Die Dozenten stammen von Gymnasien aus Lauingen, Augsburg, Neusäß, Krumbach, Buchloe, Kaufbeuren und von der Universität Augsburg. Die Gesamtleitung liegt bei Stephan Dollansky aus Marktoberdorf, der den Abend in Günzburg dirigierte.

Das Hauptwerk des Programms war das Zweite Klavierkonzert in c-Moll von Sergej Rachmaninov (1873-1943). Dafür wurde eine Solistin gewonnen, die selbst noch sehr jung ist, aber trotzdem bereits über große internationale Erfahrung verfügt. Die 27-jährige Julia Rinderle – gebürtig aus Memmingen – konzertierte bereits in zahlreichen europäischen Ländern, Israel, Südafrika und den USA. Außerdem gewann sie mehrere internationale Wettbewerbe.

Das Werk Rachmaninovs präsentierte sie in Günzburg mit ganz eigenen Nuancen. So beginnt das Konzert solistisch mit acht Akkorden, die wie Glockenschläge aus der Ferne tönen und sich in der Lautstärke allmählich steigern. In einer Aufnahme von 1929 spielt der Komponist ab dem zweiten Akkord das große F wie einen Vorschlag. Diese Vorschläge lässt Rinderle einen kurzen Moment im Raum verschweben, bevor die übrigen Töne der Akkorde erklingen.

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Im weiteren Verlauf ist es faszinierend, der Solistin auf die Finger zu schauen. Mal liegen die linke und die rechte Hand weit auseinander, mal nah beisammen. Manchmal übergreift sogar die linke Hand die rechte. Das Orchester braucht sich hinter der Solistin nicht zu verstecken.

Im ersten Satz wird ein Thema bis nach Gis-Dur moduliert. Im zweiten und dritten Satz tritt das Piano zunächst in Dialog mit zwei Solo-Instrumenten (Klarinette und Querflöte), dann mit den Streichern und schließlich mit dem gesamten Orchester.

Den zweiten Teil des Konzerts eröffnete ein Stück des Norwegers Johan Halvarson (1864-1935), nämlich der „Einzugsmarsch der Bojaren“ (russische Adelige), der durch verschiedene Soli geprägt ist, zwischen welche triumphale Tutti montiert sind. Das Stück beginnt mit Pizzicati der Celli, danach setzen fröhlich hüpfend die Klarinetten ein, die Oboen jauchzen dazu. Die Flöten präsentieren sich mit chromatischen Wellen, die Blechbläser mit Signalen. Zwei kurze, zackige Soli hat die Marschtrommel.

Von zahlreichen Schlachten geprägt ist das keltische Epos Ossian, dem der Däne Niels Gade (1817-1890) seine Ouvertüre „Nachklänge von Ossian“ widmete. Bei diesem Werk zeigt das Orchester zahlreiche Klangfarben: mal getragen und elegisch, mal düster grollend, mal dramatisch wirbelnd, mal heldenhaft-pompös.

Beim Gopak (ukrainischer Volkstanz) aus der Oper „Der Jahrmarkt von Sorotschinzy“ von Modest Mussorgsky (1839-1881) klingen die hohen Streicher und die Celli wie Balalaikas. Die Kontrabässe haben einen jazzigen Klang. Die Bläser antworten auf die Melodie der Streicher mit kraftvollen Signalen.

Auch die Pause zwischen den beiden Teilen des Konzerts wird im Foyer musikalisch gestaltet, – kleinere Besetzungen der Schlagwerker und der Bläser lassen auch hier die Musik nie ganz verstummen.

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