Newsticker

Corona-Zahlen in Deutschland: Rund 11.000 Neuinfektionen gemeldet
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Kein fairer Kaffee in den Kreistagssitzungen

Antrag

24.03.2015

Kein fairer Kaffee in den Kreistagssitzungen

Räte erteilen der von der SPD gewünschten Teilnahme an der Fairtrade-Town-Kampagne eine Abfuhr

In den Kreistagssitzungen muss auch in Zukunft kein fair gehandelter Kaffee gereicht werden. Die Räte des Landkreises Günzburg sprachen sich in ihrer Sitzung am gestrigen Montagnachmittag in Breitenthal gegen die Teilnahme an der von der SPD-Fraktion beantragten Fairtrade-Town-Kampagne aus. Um dieses Zertifikat zu erhalten, hätte aber ein Beschluss des Kreistages gefasst werden müssen, dass künftig bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Kreistages sowie im Büro des Landrates Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus fairem Handel auf dem Tisch steht. Außerdem müssten in 23 Einzelhandelsgeschäften und wenigstens zwölf Gastronomiebetrieben mindestens zwei Fairtrade-Produkte angeboten werden. Auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen oder Kirchen sollte der Genuss fair gehandelter Produkte gefördert werden. Darüber hinaus verlangt der Verein Trans-Fair, der die Zertifizierung vornimmt, entsprechende Bildungsaktionen und dass die lokalen Zeitungen den Weg zur Fairtrade-Town medial begleiten.

„Fairtrade ist eine tolle Sache“, erklärte CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Hans Reichhardt, „jeder sollte aber für sich selbst entscheiden. Wir sollten keinen Zwang ausüben.“ Grünen-Kreisrätin Dr. Angelika Fischer entgegnete, die meisten Bedingungen für die Zertifizierung seien bereits erfüllt. „Sie würden sich wundern, wie viele Schulen und kirchliche Einrichtungen sich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben.“ Es gehe bei der Kampagne mitnichten darum, die Verbraucher zu bevormunden, sondern sie zu sensibilisieren. „Der Landkreis soll ein Zeichen setzen“, forderte Fischer.

Wenig beeindruckt von dem leidenschaftlichen Engagement für die Fairtrade-Kampagne zeigte sich Josef Brandner, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Es gibt derzeit etwas mehr als 1000 Gütesiegel in Deutschland.“ Jeder Verbraucher soll selbst entscheiden, an welchem dieser Siegel er sich orientieren wolle. Brandner stellte das Fairtrade-System insgesamt infrage. Um sich mit dem Fairtrade-Siegel schmücken zu können und als Handelspartner akzeptiert zu werden, müssten Kleinbauern in den Drittwelt-Ländern zunächst 2500 Euro an die Fair-Handelsorganisation bezahlen. „Es kommt leider nichts an bei den Kaffeebauern“, so Brandner.

Vonseiten des Landratsamtes wird der Werbeeffekt und die öffentliche Aufmerksamkeit für den Landkreis durch dieses Gütesiegel eher als gering eingeschätzt. Dem schloss sich die Mehrheit des Kreistages in ihrem Votum an. Das soll die Schulen jedoch nicht daran hindern, weiterhin fair gehandelte Produkte auszuschenken und das Thema im Unterricht zu behandeln, sagte Landrat Hubert Hafner. Immerhin, im Büro des Landrats steht bereits jeden Tag eine Kanne fair gehandelter Kaffee auf dem Tisch.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren