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Jettingen-Scheppach

11.09.2018

Keine Veranstaltung: Burkhardia legt Fasnacht auf Eis

Die Fähnrichspaare, Hanswurst und der Trommler eröffnen den Jettinger Fasnachtsumzug. In der kommenden Saison wird es ihn wohl nicht geben.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Alle Veranstaltungen für die kommende Saison in Jettingen-Scheppach sind abgesagt. Wie der Verein das begründet und warum der Bürgermeister „niemals nie“ sagt.

Immer komplexere Vorschriften werden für kleine Läden zum Problem, Vereine laden wegen kaum noch zu erfüllender Auflagen häufig nicht mehr zu öffentlichen Festen, und Narren sehen sich mittlerweile auch wegen fehlender Mitstreiter zunehmend außerstande, Veranstaltungen zu organisieren. So haben dieser Tage die Genderkinger Faschingsfreunde aus dem Kreis Donauwörth ihre Entscheidung verkündet, den Gaudiwurm abzusagen, weil er sich wegen zu weniger Organisatoren und der strengeren Sicherheitsvorschriften einfach nicht mehr realisieren lasse. Nun zieht auch der Jettinger Fasnachtsverein Burkhardia die Reißleine.

In einer Mitteilung an unsere Zeitung erklären der Vorstand und das Komitee: „Die Würfel für die kommende Saison sind gefallen“ – nach einem einstimmigen Beschluss in der Vorstandssitzung werde es keine Veranstaltungen geben.

Es fehlen Mitstreiter für die Jettinger Fasnacht

Auch an der Burkhardia seien die aktuellen Probleme der einheimischen Vereine nicht vorbeigegangen. „Trotz einer erfolgreichen Saison ist es immer schwerer geworden, interessierte, aktive und hilfsbereite Mitstreiter für die Jettinger Fasnacht zu finden. Obwohl sich der eine oder andere sehr gerne mit der langen Tradition der Fasnacht in Jettingen rühmt, ist diese aber ausschließlich durch das Engagement und den finanziellen Background der Burkhardia möglich.“

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Es wird ein Dank an alle Unterstützer ausgesprochen; „auch diverse Vorschriften, Sicherheitskonzepte, Regelungen, Genehmigungen usw. konnten uns bis jetzt nicht abhalten, den Fasching für Jung und Alt zu organisieren. Gestartet haben wir mit unserem Kinderball, dann ging es weiter mit dem Fähnrichsball und den Abschluss bildeten der Fasnachtsumzug mit vorherigem Rumäckra und dem Kehraus.“ Dazu seien die Wagen von „Goforaegsthase“, „RCK“ und „Hubbe & Co.“ unterstützt worden. Das alles und noch mehr war auch für die kommende Saison geplant, „doch nach allem Abwägen ist es uns nicht möglich, dies zu stemmen. Unsere personellen Mittel sind beschränkt und wir sehen uns aktuell nicht in der Lage, die Jettinger Fasnacht mit allem Drum und Dran zu organisieren.“

Der Bürgermeister will mit den Verantwortlichen sprechen

Das solle nicht bedeuten, dass sie für immer und ewig begraben wird – wenn denn das Aufrechterhalten der Tradition auf mehr Schultern verteilt werden könne. Dazu seien aber alle Bürger, Vereine, Firmen, die Gemeinde und auch die eigenen Mitglieder gefordert. Nach der Saison 2018/19 solle es eine Generalversammlung geben inklusive Neuwahlen von Vorstand und Komitee, sodass genug Zeit bleibe, „sich auf neue Herausforderungen vorzubereiten“, heißt es abschließend.

Hans Reichhart, Bürgermeister von Jettingen-Scheppach, macht diese Nachricht „fast sprachlos“, wie er auf Anfrage unserer Zeitung sagt, durch die er erst von dem Entschluss erfahren habe. „Das trifft mich hart.“ Schon in der vergangenen Saison hätten die Veranstaltungen auf der Kippe gestanden, aber er habe den Eindruck gehabt, „dass es wieder läuft“. Er sei der Burkhardia sehr dankbar für alles, was sie getan habe, „Großartiges“ habe sie geleistet. Er wolle jetzt noch mal das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen. Schließlich habe es in der Jettinger Fasnacht immer wieder auch teils längere Unterbrechungen gegeben.

Für Hans Reichhart ist die neue Saison „noch nicht gestorben“

Er selbst habe die Veranstaltungen in den 70ern mitorganisiert. Erst mit der Gründung der Burkhardia Ende der 80er Jahre sei die Fasnacht im Ort in Vereinsform gegossen worden. Was die Gemeinde tun konnte, habe sie auch in den vergangenen Jahren getan, doch ihm sei bewusst, dass es schwieriger werde, engagierte Mitstreiter zu finden. Vielleicht helfe die Entscheidung, die Leute aufzurütteln, auch wenn ein Neuanfang immer schwer sei. Für den Bürgermeister ist die nächste Saison jedenfalls „noch nicht gestorben; sag niemals nie“.

Burkhardia-Präsident Peter Potsch aber sagt, dass es jedes Jahr aufs Neue ein Kampf gewesen sei. Oft habe es Abgänge in Vorstand und Komitee gegeben, „wir wollen jetzt nicht wieder betteln, weil jemand das Interesse verliert“. Es gebe zwar genug Helfer, aber eben zu wenige, die Verantwortung tragen und organisieren wollten. „Wir machen uns jedes Jahr aufs Neue kaputt.“ Durch viele Wechsel fehle es an Kontinuität. Spaß haben bei der Fasnacht wolle jeder, doch etwas dafür tun wolle kaum noch jemand.

Der Präsident ist für die Zukunft nicht gerade zuversichtlich

Und was die Unterstützung durch die Gemeinde angehe, gebe es viele Kleinigkeiten, die sich summierten und einen zweifeln ließen. Potsch nennt etwa die Turn- und Festhalle. Nicht nur, dass die Burkhardia quasi um die Nutzung dort betteln müsse, während das bei anderen Vereinen kein Problem sei. Man solle Miete und Grundreinigung zahlen, letztere falle für andere aber nicht an.

Und in der Küche fehle es an vielem, zuständig fühle sich jedoch keiner. Auch Tische und Stühle würden verschwinden, was sich keiner erklären könne, doch dann tauchten sie in anderen Einrichtungen auf. „Da fühlt man sich nicht ernstgenommen“, sagt Potsch im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 51-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren im Verein, doch wie bislang könne es nicht weitergehen. Die Generalversammlung mit Wahlen solle nicht das Ende des Vereins bedeuten, aber zuversichtlich, dass jemand Verantwortung übernimmt, ist er nicht gerade.

Bei der Burgavia gibt es noch genug Aktive, die sich einbringen

Die Nachricht kommt auch für die Faschingsgesellschaft Burgavia aus Burgau überraschend, sagt der kommisarische Präsident Ludwig Strehle. Bei seinem Verein gebe es aber noch genug, die sich einbringen wollten, auch wenn die Auflagen für Veranstaltungen – den Umzug in der Stadt organisiert nicht die Burgavia, sondern ein eigenständiges Komitee – immer härter würden. „Wir können sie noch stemmen“, auch wenn man natürlich nie genug Ehrenamtliche haben könne. In der vergangenen Saison sei sogar noch die Kinderprunksitzung dazu gekommen, die es in der neuen wieder geben soll. Bloß einen Männermangel gebe es im Verein, was damit zu tun habe, dass dort das Tanzen im Vordergrund stehe und sich dafür vor allem die Mädchen beziehungsweise Frauen begeisterten.

Ob auch andere Vereine einen solchen Schnitt wie die Burkhardia planen, können weder Strehle noch Potsch sagen. Ihnen sei da nichts zu Ohren gekommen. Und der Vizepräsident des Regionalverbands Bayerisch-Schwäbischer-Fastnachtsvereine wollte sich gestern jedenfalls nicht auf die Anfrage äußern, das tue er telefonisch nie.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar.

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