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Burgau

27.06.2019

Keine Zukunft für Burgaus Jugendblasorchester 

Das städtische Jugendblasorchester Burgau ist Geschichte. Auftritte wie diesen beim Frühjahrskonzert am 16. April 2016 in der Aula der Mittelschule Burgau wird es nicht mehr geben, zuletzt hatte es zu wenig aktive Musiker gegeben.
Bild: Peter Wieser

Der Dirigent hat gekündigt, die Zahl der Musiker ist eingebrochen: Es muss eine Lösung für die Musikausbildung in Burgau her. Der Stadtrat hat sie gefunden.

Die Burgauer Musikschule ist längst Geschichte, und nun hat auch das städtische Jugendblasorchester keine Zukunft mehr. Weil Dirigent und Leiter Oliver Doneck gekündigt hat – die Tatsache an sich bestätigt er, zu den Gründen möchte er sich auf Anfrage unserer Zeitung aber nicht äußern, das habe er intern geklärt – und nach Auskunft von Kulturamtsleiter Stefan Siemons zuletzt nur noch zwischen sieben und zehn Kinder dort aktiv gewesen seien, hat man sich um eine Alternative bemühen müssen. Wie die aussehen soll, ist jetzt im Stadtrat besprochen worden. Übrigens auf Antrag von Manfred Kramer (SPD) im öffentlichen Teil der Sitzung und nicht hinter verschlossenen Türen, wie eigentlich geplant. Eine Mehrheit des Rates stimmte dafür, dieses Thema öffentlich zu machen.

Bürgermeister Konrad Barm (Freie Wähler) erläuterte, dass es mit den Vorständen der beiden Blasmusikvereine in der Stadt Gespräche gegeben habe. Ebenso war demnach überlegt worden, mit der Musikschule der Verwaltungsgemeinschaft Offingen zu kooperieren. Warum das nicht zustande kommt, will Siemons auf Anfrage nicht sagen. Deren Leiter Klaus Schlander erklärt, dass es dazu keine Gespräche gegeben habe. Bislang unterrichte die Musikschule bereits Schüler aus Burgau, für die die Stadt eine Art Subvention zahlt. Die bisherigen sollen auch weiter dort bleiben dürfen, aber ansonsten sei diese Zusammenarbeit erloschen.

Anschluss an das Musikzentrum Mindeltal

Denn nun soll es nach dem Willen des Rats zum Anschluss Burgaus an das Musikzentrum Mindeltal kommen, dem die Märkte Jettingen-Scheppach und Burtenbach angehören. So soll die musikalische Weiterbildung gewährleistet bleiben. Kalkuliert wird mit einem jährlichen Kostenrahmen zwischen 30.000 und 40.000 Euro für die Stadt.

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Leiter Christian Weng stellte die Einrichtung im Rat vor und betonte, die Interessen der Kinder und Jugendlichen sollten mit denen der Kommunen vereinbart werden. Wie erfolgreich das Musikzentrum ist, zeige sich nicht nur an diversen Auszeichnungen, sondern auch an steigenden Schülerzahlen – entgegen dem allgemeinen Trend. Außerdem unternehme man auch einiges zusammen. Da der Unterricht subventioniert wird, könne er günstiger angeboten werden als anderswo. Weil das Musikzentrum durch Musikvereine gefördert wird, gilt bislang allerdings die Regel, dass nur Schüler aufgenommen werden, die Mitglied in solchen sind.

Stadtratsmitglied stellt ein "Armutszeugnis" aus

Sollte das künftig auch für Burgau gelten, würde das Manfred Kramer nicht gefallen, schließlich gebe es bislang keinen solchen Zwang. Bürgermeister Barm aber erläuterte, dass es früher in der eigenen Musikschule auch einen verpflichtenden Beitritt gegeben habe. Kramer wiederum zeigte kein Verständnis, dass Burgau es als Stadt mit bekannten Musikern und Instrumentenbauern „nicht auf die Reihe bekommt, eine musikalische Ausbildung zu leisten“.

Er bedaure sehr den Beschluss von einst, die Musikschule aus Kostengründen aufzugeben, das müsse er auch sich selbst ankreiden. Er halte eine individuelle Förderung ohne einen Vereinsbeitritt für wichtig. „Wir sollten einen eigenen Weg suchen, auch wenn er etwas kostet, vielleicht finden wir ja wieder einen engagierten Leiter.“ Es sei ein „Armutszeugnis“, dass die Zahl der Aktiven im Orchester von einst gut 60 auf knapp zehn zurückgegangen sei.

Handschuhmacher und Unterknöringer Musikanten auch dafür

Barm sagte, dass der Gründer – 1998 war das Orchester von Michael Brenner aufgebaut worden, im Januar 2013 übernahm dann Oliver Doneck die Leitung – nun einmal ein hervorragender Pädagoge gewesen sei, und es unter seiner Führung bekannt wurde. Jürgen Pauer (Freie Wähler) jedenfalls fand die Pläne positiv, auch da die Musikvereinigung der Handschuhmacher und die Musikanten aus Unterknöringen sie unterstützten – dazu erklärte Christian Weng, dass beteiligte Vereine auch eng in der Arbeit des Musikzentrums eingebunden seien.

Tobias Auinger (SPD) schloss sich seinem Fraktionskollegen an und nannte es „sehr kurzsichtig“, die Musikschule „aus rein monetären Gründen“ geschlossen zu haben. Jetzt dem Musikzentrum Mindeltal beizutreten wäre aber ein „Beitritt auf Augenhöhe“. Burgau wäre kein Anhängsel und das Ganze eine große Chance, etwas für junge Leute in der Stadt zu tun – gerade nach der Schließung des Jugendtreffs. (Lesen Sie dazu auch: Die letzten Stunden im Burgauer Jugendtreff )

"Hauptsache die jungen Leute sind verräumt"

Auch Frank Rupprecht (CWG) steht dem positiv gegenüber, „da ist Burgau in guten Händen“ und ein „Irrweg“ würde enden. Eine offenere Gestaltung wäre auch ihm lieber, denn nicht jeder wolle sich an einen Verein binden, zumal man mitunter nicht direkt wisse, wo man später spielen will. Auch sein eigener Sohn habe sich für eine auswärtige Kapelle entschieden, was ihm, so Rupprecht über sich selbst, schwergefallen sei. Einen Zuschuss könne sich die Stadt leisten, „Hauptsache die jungen Leute sind verräumt und weg von der Straße“.

Jugendreferent Harald Stöckle (Freie Wähler) befürwortete den Plan ebenfalls: So schön es wäre, eine eigene Musikschule zu haben – aber es gehe hier nicht nur darum, dass irgendwo Burgau draufsteht. Martin Brenner (CSU) resümierte, dass man einiges versucht, aber keinen Erfolg gehabt habe. Mit einem Musikzentrum als größerer Einheit gebe es nun aber mehr Möglichkeiten. Ihm sei es jedoch wichtig, die eigenen Vereine zu fördern. Es bringe nichts, wenn die Burgauer Kinder künftig in Jettingen-Scheppach spielen.

Musikschule und Orchester "lagen im Sterben"

Ebenfalls sah Hermann Mühlbauer (ABB) „keine Alternative“, es sei das Vernünftigste – aber nur, wenn es keinen Vereinszwang gebe. Ein städtischer Zuschuss werde sicher auch nicht so teuer sein „wie beim Gartenhallenbad“, merkte er süffisant an und erntete dafür Gelächter. Eine interkommunale Zusammenarbeit, so meldete sich Rupprecht noch mal zu Wort, sei wichtiger denn je, zumal Musikschule und Orchester „im Sterben lagen“. Er wolle die Vereine nicht schwächen, die freie Wahl für Eltern und Kinder sei aber wichtig. Auch sein Fraktionskollege Wilhelm Frielinghaus war für den Anschluss.

Letztlich beschloss der Stadtrat einstimmig, dass sich Burgau dem Musikzentrum anschließt und ein Drittel der Kosten trägt. Der Musikunterricht soll aber, so erklärte Kulturamtsleiter Stefan Siemons später gegenüber unserer Zeitung, in Burgau stattfinden, geeignete Räume würden noch gesucht. Für eine Übergangszeit von acht Jahren sollen Schüler, die jetzt bereits andernorts ein Instrument lernen, das auch vom Musikzentrum angeboten wird, weiter bei ihrem jeweiligen Lehrer bleiben dürfen und das weiter subventioniert bekommen. Das gebe allen Seiten Sicherheit.

Vielleicht könnte es auch Gespräche über eine Kooperation dieser Kräfte mit dem Musikzentrum geben. Und es soll geprüft werden, ob die Einrichtung mehr als die bisherigen Instrumente unterrichten kann, ebenso soll möglichst auch für Nicht-Vereinsmitglieder der Unterricht ermöglicht werden.

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