Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder will Corona-Regeln in Kommunen an Grenzwerte koppeln
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Kernkraftwerk: Rätselraten um Brennelemente-Defekt

Gundremmingen

11.11.2011

Kernkraftwerk: Rätselraten um Brennelemente-Defekt

Die Strahlungskontrolle zum Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle in Gundremmingen in einer Szene des Films «Unter Kontrolle». dpa
2 Bilder
Die Strahlungskontrolle zum Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle in Gundremmingen in einer Szene des Films «Unter Kontrolle». dpa

Atomkraftgegner kritisieren einen hohen Austritt von Radioaktivität am AKW Gundremmingen. Abgeordnete im Umweltausschuss des Landtags fordern eine Aufklärung der Ursache.

Die vier defekten Mischoxid-Brennelemente, die jüngst bei der Revision von Block C im Gundremminger Kernkraftwerk entdeckt wurden, haben gestern die Abgeordneten im Umweltausschuss des Bayerischen Landtags beschäftigt. Die Parlamentarier stimmten geschlossen dafür, dass alle Ursachenberichte zu den Defekten beim bisherigen Einsatz von MOX-Brennelementen in Gundremmingen veröffentlicht werden. Zudem soll über die Initiativen berichtet werden, wie solche Mängel in Zukunft vermieden werden können.

Der Vorsitzende des „Forum – gemeinsam gegen das Zwischenlager“, Raimund Kamm, vermutet einen Serienfehler. Ebenso die Grünen. Sie hatten deshalb einen Antrag im Ausschuss eingebracht, den Einsatz von MOX-Brennelementen im Kernkraftwerk Gundremmingen bis zur Ermittlung der Ursache zu stoppen. Dies sei an der Mehrheit von CSU und FDP gescheitert, sagte Grünen-Landtagsabgeordnete Christine Kamm unserer Zeitung. Mit der Forderung, alle Ursachenberichte zu Defekten beim bisherigen Einsatz der MOX-Elemente zu veröffentlichen, hatten die Grünen indes Erfolg. Dem hätten alle Landtagsabgeordneten in der gestrigen Sitzung zugestimmt. „Das war erfreulich“, so Christine Kamm. Es sei „ein völlig anderes Klima in der Diskussion“ zu bemerken gewesen.

„In Gundremmingen häufen sich die Schäden"

„In Gundremmingen häufen sich die Schäden an MOX-Brennelementen“, behauptet Christine Kamm. Gundremmingen sei das erste Atomkraftwerk mit Siedewasserreaktoren, das seit 1996 in großem Umfang die brisanten MOX-Brennelemente eingesetzt habe. RWE und EON als Betreiber hätten in den vergangenen Jahren den Anteil des spaltbaren Materials in den Brennelementen mehrfach erhöht. Bereits im Herbst 2010 hatten vier Brennelemente, davon drei MOX-Brennelemente, im Kernkraftwerk Gundremmingen Mängel. Bei der jüngsten Revision des Blocks C wurden vier defekte Mischoxid-Brennelemente entdeckt. Abgeordnete aller Parteien seien der Ansicht gewesen, dass man der „erhöhten Anzahl von Defekten an MOX-Brennelementen nachgehen muss“, sagte Christine Kamm.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Erhöhte radioaktive Emissionen an die Umwelt befürchtet

Interessant seien die Ausführungen eines Vertreters des Umweltministeriums gewesen, nach denen die Hüllrohrdefekte nicht erst nach vielen Einsatzjahren, sondern eher von Beginn an festzustellen seien. Die Folge sei ein verstärkter Austritt von Edelgasen in den Siedewasserkreislauf. Christine Kamm befürchtet daher erhöhte radioaktive Emissionen an die Umwelt. Besonders ärgerlich sei es, dass die ihr bereits am 25. Oktober zugesagten Daten über die im Abluftkamin gemessenen Emissionswerte der Atomkraftwerke immer noch nicht übermittelt worden seien.

Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt hatte die Kritik zurückgewiesen, dass Untersuchungsergebnisse zurückgehalten würden. Brennelemente müssten vor einer Untersuchung erst mehrere Monate abklingen. Auch die Untersuchung der defekten Brennelemente, die im Herbst 2010 entdeckt wurden, laufe noch. „Hierzu liegen noch keine Ursachenberichte vor“, so Schmidt. Für Diskussionen sorgt nach wie vor ein Bericht in der ARD-Sendung Plusminus, wonach die Strahlenbelastung während einer Revision viel höher sei als im Normalbetrieb. Die genehmigten Grenzwerte für die Ableitung radioaktiver Stoffe seien vor und während der Revision jederzeit deutlich unterschritten worden, betonte Schmidt. Dem entgegnete gestern Forum-Sprecher Raimund Kamm: „Die Grenzwerte sind nicht so bemessen, dass sie gesundheitsschützend sind.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren