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Landkreis Günzburg

31.01.2021

Kinder und Corona: Kinderärzte aus dem Kreis Günzburg beantworten Fragen

Für Erwachsene sind inzwischen in vielen Bereichen FFP2-Masken Pflicht, für Kinder gibt es solche nicht. Sie können weiter Stoffmasken nutzen. Gerade darum drehen sich viele Fragen.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Viele Gerüchte sind im Umlauf. Bekommen die Kleinen beim Tragen einer Maske Kopfschmerzen? Entstehen durch die Mund-Nase-Bedeckung gesundheitliche Schäden? Experten klären auf.

Zu einer Onlineveranstaltung zum Thema Coronavirus und Kinder hat die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) beim Landratsamt Günzburg eingeladen. Gut 60 Interessierte waren im technisch störungsfreien und gut organisierten virtuellen Sitzungsraum dabei. Die Fragen von Moderatorin Marina Neugebauer (KoKi) und den Teilnehmern beantworteten die Kinderärzte Dr. Simone Kastner aus Burgau sowie Dr. Florian Kropp und Dr. Stephan Schwarz aus Günzburg. Sie gaben ihre persönlichen Einschätzungen an die Zuhörer weiter, versuchten Gerüchte und Unwahrheiten auszuräumen und gaben Tipps aus der Praxis.

Wie erklärt man Kindern das Coronavirus?

Dr. Florian Kropp: Das würde ich abhängig vom Alter machen und kindgerecht wie alle anderen Sachen, auf jeden Fall ohne dem Kind Angst zu machen. Husten und Fieber kennen die meisten Kinder aus eigener Erfahrung.

Ist Corona nicht doch nur eine Grippe?

Dr. Simone Kastner: Beide Erkrankungen können sehr unterschiedlich verlaufen. Und doch kann Covid-19 schwerwiegender und vor allem viel langwieriger sein. Das Postcovidsyndrom mit Müdigkeit zum Beispiel gibt es nur bei Covid, bei Grippe gibt es nichts Vergleichbares. Grippe und Covid können nicht auf eine Stufe gestellt werden.

Ist Covid für Kinder weniger gefährlich?

Dr. Stephan Schwarz: Wir machen viel Diagnostik und haben gar nicht mal so wenig Covid identifiziert. Doch kein Kind in unseren Praxen musste stationär behandelt werden. Das heißt aber nicht, dass es auch anders laufen kann.

Wie groß ist die Schutzwirkung eines Mund-Nasen-Schutzes?

Dr. Florian Kropp: Das hängt vom Modell ab. Eine Stoffmaske schützt die anderen, der OP-Mundschutz hat einen kleinen Eigenschutz, abhängig wie gut er anliegt, die FFP2-Maske hat besten Fremd- und Eigenschutz.

Bekommen Kinder beim Tragen einer Maske Kopfschmerzen?

Dr. Stephan Schwarz: Es gab nur wenige Fälle in der Praxis, zwei bis drei. Manchmal ziehen die Gummis so, dass es an den Schläfen schmerzt und das als Kopfschmerz interpretiert wird.

Atmen Maskenträger das ausgeatmete Kohlendioxid wieder direkt ein?

Dr. Stephan Schwarz: Das ist so eine Falschmeldung, die durch das Internet geistert. Das Kohlendioxid-Molekül so klein, dass es sogar durch die FFP2-Maske durchgeht und man es nicht wieder einatmet.

Was ist besser – Stoffmaske oder medizinische OP-Maske?

Dr. Simone Kastner: Da gibt es ein tolles Video von der „Sendung mit der Maus“. Stoffe sind gewebt und haben zwischen Kett- und Schussfaden kleine Löchlein. Die chirurgischen und die FFP2-Masken sind aus einem Vlies, das entsteht, wenn geschmolzener Kunststoff aus hunderten Düsen als Faden herauskommt und dann mittels Luftstroms zu einem hochfeinen Gebilde wird. Da ist kein Löchlein mehr für ein Tröpfchen.

Ist eine Kinder-OP-Maske wirklich nötig oder geht das Erwachsenen-Modell?

Dr. Stephan Schwarz: Wenn die Maske an der Seite undicht ist, bringt sie nichts. Sie muss schon relativ eng anliegen und an der Nase mit dem Draht geformt werden. Ein Zeichen einer Prüfstelle und vielleicht nicht gerade ein Versand aus China wäre mir persönlich wichtig. So geschickt wie Eltern passende Stoffmasken genäht haben, könnte man vielleicht auch aus einer Vliesmaske ein Kindermodell nähen. FFP2-Masken gibt es übrigens für Kinder nicht.

Wie lange am Stück können Kinder eine Maske tragen?

Dr. Simone Kastner: „Dazu gibt es keine Vorgaben. Kinder auf Krebsstationen tragen Masken immer, wenn sie Kontakt haben, das können acht Stunden sein. Auch die anstrengendere Atemarbeit mit Maske ist kein Problem. So lange tragen wie nötig, wenn die Maske nass ist, austauschen! Wichtig ist, dass die Maske nur am Ohrbügel angefasst wird, und nach dem Tragen nicht wie ein Taschentuch in die Tasche kommt oder in eine Plastiktüte. Ich lege meine in einen Waschlappen, trocken und luftdurchlässig.

Hat das Tragen der Maske Auswirkungen auf die Gesundheit?

Dr. Stephan Schwarz: Weltweit tragen Kinder Masken, in Asien schon seit langem, da wären eventuelle Schäden schon längst bekannt. Kinder mit Ausnahme von Säuglingen im ersten Lebensjahr können bedenkenlos Masken tragen.

Erhöht ein Vitamin-D-Mangel die Gefahr für einen schweren Verlauf?

Dr. Stephan Schwarz: Es gibt Studien in diese Richtung. Aber sie beweisen nicht, dass ein Vitamin-D-Mangel wirklich die Ursache für schwere Verläufe ist. Vielleicht sind Menschen mit Vitamin-D-Mangel mehr auf der Couch und essen Chips, leben ungesünder. Anstatt Vitamin D einzunehmen, empfehle ich gesunde Ernährung und viel rausgehen in den Schnee, Schneemannbauen, gerne rein in den Dreck.

Sind Kinder Superspreader?

Dr. Stephan Schwarz: Nein, das sind sie nicht. Wer hier mit dem Finger auf Kinder zeigt, tut ihnen unrecht. Ich mag das Wort Superspreader überhaupt nicht.

Unser Kind ist Kontaktperson oder positiv getestet. Was tun?

Dr. Simone Kastner: Kinder gehen nie allein in Quarantäne oder Isolation, da geht immer ein Erwachsener mit. Man ist dann zusammen in einem Zimmer. Gemeinsam die Küche benutzen empfehle ich nicht, die Gesunden kochen und bringen das Essen. Das Bad wird auf jeden Fall nacheinander benutzt, anschließend lüften und die Flächen, die berührt wurden, desinfizieren oder mit Spüli abwischen. Balkon und Garten darf die Quarantäne- oder Isolationsgruppe der Familie nicht mit den Gesunden betreten. Die Dauer bestimmt auf jeden Fall das Gesundheitsamt.

Wer schreibt mein Kind krank, damit ich die Kinder-Krankentage bekomme?

Dr. Stephan Schwarz: Ist das Kind krank, gibt es das Attest vom Kinderarzt. Ist das Kind als Kontaktperson 1 in Quarantäne, stellt das Gesundheitsamt eine Bescheinigung aus. Ist die Kita zu, wendet man sich an den Träger. Pro Elternteil und Kind unter zwölf Jahren stehen Eltern wegen der Pandemie 20 dieser Tage zu, Alleinerziehenden 40 Tage.

Wie können Großeltern geschützt werden?

Dr. Florian Kropp: Kinder haben aktuell wenig Kontakt. Da tut Kontakt zu den Großeltern beiden Seiten gut. Gemeinsame Spaziergänge, Fotos, Briefe, Videotelefonie oder Winken am Fenster sind möglich.

Können Kinder geimpft werden?

Dr. Simone Kastner: Alle Impfstoffe sind im Moment ab 16 Jahren zugelassen. Ein Impfstoff für Kinder ist noch Zukunftsmusik. Kinder werden vom Herdenschutz profitieren, der durch die Impfung der Erwachsenen entsteht. Lassen sich Eltern impfen, ist das eine gute Entscheidung für das Kind. Bitte wegen Corona nicht die normalen Schutzimpfungen und Vorsorgeuntersuchungen vergessen.

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