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Klaviermusik

14.10.2013

Klangzauber im Zehntstadel

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Pianist Florian Uhlig und sein junger Fan Theo Winckel.

Pianist Florian Uhlig verzückt bei der Eröffnung der 9. Tastentage in Leipheim sein Publikum. Er spielt Brahms, Schumann und Ravel – und dies mit unglaublicher Virtuosität

Leipheim Als Florian Uhlig die Hörer bei der Eröffnung der 9. Leipheimer Tastentage mit Robert Schumanns Träumerei aus dem Zehntstadel entlässt, schwebt auch der neunjährige Theo Winckel in anderen Sphären. Der junge Rettenbacher spielt selbst Klavier, kauft mit seinen Eltern eine Uhlig-CD und lässt sie von seinem Vorbild signieren. „Ich will einmal so gut spielen können wie er“, sagt Theo. Da hat sich der Bub aber einiges vorgenommen. Denn Florian Uhlig zeigt im Zehntstadel, dass er sich auf dem Pianisten-Olymp bewegt.

Der Wahl-Londoner ist in den großen Konzertsälen der Welt zu Hause. Der 40-Jährige musiziert mit großen Orchestern – vom BBC Symphony Orchestra über die Dresdner Philharmonie bis zum Beijing Symphony Orchestra. Am Donnerstag noch in Wien, setzt Uhlig am Freitag einen grandiosen Höhepunkt bei der Eröffnung der Leipheimer Tastentage. „Ich genieße diese wunderbare Atmosphäre im Zehntstadel mit diesem besonderen Publikum“, sagt er nach seiner gut zweistündigen Klangzauberei unserer Zeitung.

Mit „Kompositionen des Augenblicks“ hat Fotograf Udo Eberl (siehe weiteren Bericht) den Auftritt des Starpianisten vorbereitet. Florian Uhlig bietet etwa 130 Hörern im Zehntstadel eine Sternstunde mit romantischer und impressionistischer Klaviermusik. Die Einmaligkeit des Augenblicks wird bereits vor dem ersten Ton greifbar. Denn der hoch konzentrierte Pianist lässt sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit, ehe er mit den „Variationen über ein Thema von Schumann op. 9“ von Johannes Brahms beginnt. Es folgt der Romantiker Robert Schumann selbst, und zwar dessen Werk „Carneval op. 9“. Mal streichelt Uhlig die Tasten bei perlend weichem Pianissimo, mal stößt er heftig den Yamaha-Flügel. Mal scheint der Pianist bei den einfühlsamen Melodien zu träumen, ein andermal haut er wie von der Tarantel gestochen in die Tasten. Und von der größten Wallung geht’s gleich unvermittelt in die leisen Töne. Das alles ist verträumt, aber immer klar – und bei jedem Anschlag virtuos. Schon zur Pause feiern die Hörer den Künstler. Die Günzburgerin Waltraud Bucher sagt: „Mir geht das Herz auf, wenn ich das höre.“ Der Höchstädter Hartmut Pfeuffer hat sein Kommen ebenfalls nicht bereut: „Das ist ein klasse Abend mit einem Pianisten von Weltrang.“

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Der Vortrag gleicht einer Andacht

Nach der Pause steigert Uhlig den Klangzauber. Er spielt „Mirroirs“ und „Gaspard de la nuit“ von Maurice Ravel (1875 bis 1937) – die anspruchsvollsten Klavierwerke des impressionistischen Komponisten. In einer vermeintlich mühelosen Leichtigkeit baut Uhlig diese Klangkathedralen auf, die keine Grenzen zu haben scheinen. Der Vortrag gleicht einer Andacht, einer Meditation. Alles perlt, alles fließt. Und das Ende bei „Gaspard de la nuit“ ist wiederum atemberaubend virtuos. Die Gestik zieht das Publikum in Bann. Die Leipheimerin Anneliese Kreibich sagt: „Mir kommt er vor Beethoven.“

Florian Uhlig verabschiedet sich mit Schumann – er hat dessen gesamtes Klavierwerk eingespielt. Auf die „Arabeske“ folgt die „Träumerei“. Der Zauber ist so groß, dass er die Hörer noch lange gefangen hält. Florian Uhlig gefällt die Stimmung: „Ich bin sehr gerne hier und komme auch gerne wieder.“

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