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Burgau

22.01.2019

Kleine Messe im Großformat

Alles, was Stimme hat, singe: Ein 300-köpfiger Chor, gebildet aus Sängern aus dem ganzen Dekanat Günzburg, brachte in Burgau die Kempter-Messe zu Gehör. Anlass war der 200. Geburtstag des Komponisten, der aus Limbach stammt.
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Alles, was Stimme hat, singe: Ein 300-köpfiger Chor, gebildet aus Sängern aus dem ganzen Dekanat Günzburg, brachte in Burgau die Kempter-Messe zu Gehör. Anlass war der 200. Geburtstag des Komponisten, der aus Limbach stammt.
Bild: Helmut Kircher

Heimspiel zum 200. Geburtstag des Limbacher Komponisten Karl Kempter: 300 Stimmen aus dem Dekanat Günzburg finden sich zu einem XXL-Chor zusammen.

Eigentlich gehört sie zu den Messen bescheidener Kürze. Allein auf die Musik bezogen dauert Kempters Pastoralmesse kaum 30 Minuten. Denn keines der sechs Teile aus Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei dauert länger als vier Minuten. Doch der Gottesdienst in Burgau zum 200. Geburtstag des aus dem Stadtteil Limbach stammenden Komponisten sprengte die Dimensionen gewöhnlicher Liturgie.

Orgel, Orchester und vier Gesangssolisten sahen sich konfrontiert mit einem fünfköpfigen Dirigententeam und einem Massenchor, zusammengesetzt aus gut 300 „der Gnadengabe des Singens mächtigen“ Stimmen aus dem gesamten Günzburg-Krumbach-Dekanat, eng aneinandergedrängt im Gestühl der Burgauer Mariä Himmelfahrts-Kirche und eingebunden in einen festlichen Gottesdienst mit Stadtpfarrer Simon Stegmüller und als Co-Zelebranten Dekan Klaus Bucher und Diözesanmusikdirektor Pater Stefan Ulrich Kling. Kleine Messe im Großformat. Ein seliger Karl Kempter wird wohl mit erstauntem Lächeln aus Himmelshöhen auf seine und seiner Pastoralmesse angedienten Ehrung geblickt haben.

Nun ja, zu den Großmeistern kirchenmusikalischer Kapazität hat er es zwar nicht gebracht, der am 17. Januar 1819 geborene Dorfschullehrersbub aus dem beschaulichen Schwabenidyll Limbach bei Burgau. Aber aus der sakral-regionalen Musikszene ist er sicherlich nicht mehr wegzudenken. Zumindest nicht an Weihnachten. Denn seine Pastoralmesse in G war, ist und wird es auch bleiben: ein Weihnachtshit, der Gradmesser Heiligen-Nacht-Geschehens. Wenn die warmkolorierten Glücksgefühle des Kyrie, nostalgisch verklärt, in die Seele dringen, dann, ja dann ist es so weit, Weihnachten ist wieder ins Land gezogen.

Der Kirchenmusiker kletterte die Karriereleiter empor

Schon in frühen Kindheitsjahren wurde sein musikalisches Talent erkannt, wurde in der Obhut des Organisten bei St. Ulrich und Afra in Augsburg sorgsam ausgebildet. „Auf der Brennsuppe kam er nicht dahergeschwommen“, drückte es Pater Ulrich Kling in seinem Kurzrückblick aus. Über Domorganist und Domkapellmeister kletterte Kempter die Karriereleiter hoch bis zum Ehrenmitglied des kirchenmusikalischen Zirkels der römischen Academia Caecilia.

Kempters kompositorisches Schaffen umfasst, seiner beruflichen Tätigkeit entsprechend, fast ausschließlich kirchenmusikalische Werke. Wobei er stets die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der damaligen Kirchenchöre berücksichtigte. Sein bekanntestes Werk, eben jene Pastoralmesse in G op. 24, kam in der Christmette am Heiligen Abend 1851 im Augsburger Dom zur Uraufführung. Es ist seitdem ein „musikalischer Eckstein“ und gehöre, meint Ulrich Kling, „zur Weihnacht wie ,Stille Nacht, heilige Nacht‘“. Er habe sozusagen „dem Volk aufs Maul geschaut“, habe „seinen Glauben in Musik gesetzt“, mit gefälliger, eingängiger Melodik, mit volkstümlichen Weisen, die „an Schubert’sche Melodien heranreichen“.

Dem XXL-Chor reichte eine einzige gemeinsame Probe

Zielsicher dirigiert (mit nur einer einzigen Probe direkt vor der Aufführung) von Claudia Smalko (Burgau), Michael Dolp (Krumbach), Wolfgang Härtl (Neuburg), Andreas Latzko (Offingen) und Robert Sittny (Thannhausen) hörte man den religiös gerundeten Anspruch des Komponisten klanglich bestätigt. Orchestral bläsersatt aufpoliert, mit dem Gefühlswärmestrom gesangssolistisch kollektiver Gestaltung durch Susanne Rieger (Sopran), Sabine Fackler (Alt), Matthias Heimbach (Tenor) und Michael Stark (Bass) im pastoral weichgezeichneten Kyrie, dem Frohe-Botschaft-Jubel des Gloria, der melancholischen Tiefe des „incarnatus est“ im Credo, dem herzbewegend berührenden „Osanna in excelsis“ im Sanctus und Benedictus und dem mit Honig versüßten Klangkolorit im abschließenden Agnus Dei. Nachweihnachtlich zwar, aber nicht minder emotionssatt in hochromantisch sakralen Glaubensreichtum gebettet. Klanglich und traditionsbewusst in Größe XXL. Das mehrheitlich sängerisch besetzte Auditorium applaudierte, lang anhaltend und durchaus berechtigt.

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