1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Kleine lernen von den Großen

Synagoge

12.03.2016

Kleine lernen von den Großen

Copy%20of%20IMG_7114.tif
3 Bilder
Die Schüler können jüdische Spezialitäten probieren. Foto: Maria Gruber

Zum 17. Mal fand die Woche der Brüderlichkeit in Ichenhausen statt. Schüler unterrichten Viertklässler über Judentum

Am Tor der Ichenhauser Synagoge hängt ein Schild auf dem steht: „Willkommen zur Woche der Brüderlichkeit“. Beim Näherkommen sind bereits laute Kinderstimmen hören. Tatsächlich befinden sich in der Synagoge circa 200 Viertklässler aus Grundschulen des gesamten Landkreises. Am Freitag ist zum 17. Mal die Woche der Brüderlichkeit zu Ende gegangen. Jedes Jahr unterrichten Neuntklässler des Dossenberger Gymnasiums in Günzburg Grundschüler der vierten Klasse über das Judentum, jüdische Bräuche und Feste sowie jüdische Persönlichkeiten.

Janina Maidorn, 15, und Frieder Bandlow, 14, sind zwei dieser Gymnasiasten. Seit 8.30 Uhr kümmern sie sich an ihrer Station zusammen mit ihren Klassenkameraden um die Grundschüler. Ihr Lernzirkel ist einer von insgesamt sechs. Sie erklären den Kindern jüdische Feste und Feiern wie Chanukka, Pessach oder die Bar Mizwa. Neben ihrem Lernzirkel gibt es noch einen über die jüdische Schrift und Schriften, die Synagoge, jüdische Bekanntheiten, Juden in Ichenhausen und eine Lerngruppe auf dem jüdischen Friedhof. „Bei uns können die Kinder verschiedene Spezialitäten probieren die es während der unterschiedlichen Feste gibt, wie zum Beispiel Sabbat Brot oder Mazze“, sagt die 15-jährige Janina. Für ihre Station haben die Gymnasiasten ein Arbeitsblatt selber gestaltet, aber nicht nur das: „Wir haben eine Drehscheibe gebastelt. Die Kinder können den Zeiger drehen und landen dann auf vier unterschiedlichen Feldern mit verschiedenen Festen“, erklärt Frieder. Am Anfang der Woche sei es Janina noch schwer gefallen in den Arbeitsrhythmus hinein zu kommen, doch das habe sich gelegt. Eigentlich, sagt sie, spielen sie eine Woche lang Lehrer. „Viele Gruppen haben sehr gut mitgearbeitet und waren sehr aufmerksam, manche waren eher unruhig und unkonzentriert“, zieht sie Bilanz. Janina und Frieder können sich nun etwas besser in die Rolle ihrer Lehrer hineinversetzen.

Frieder hat es sehr gefreut, dass die Kinder auch Interesse am Thema hatten und kann über einen schönen Moment berichten: „Mitte der Woche war eine Grundschülerin mit Krücken zu Besuch. Wir haben uns alle um sie gekümmert, das war für uns selbstverständlich.“ Michael Salbaum, Lehrer am Dossenberger Gymnasium und Mitbegründer der Woche der Brüderlichkeit, fügt hinzu, dass die Mutter des Kindes extra frei genommen habe, um bei ihrer Tochter zu sein. Die Mutter sei von ihm weggeschickt worden. „Ein Schüler hat das Mädchen sogar die Treppen hinaufgetragen“, sagt er.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Diese Art von Hilfe mache für ihn auch Brüderlichkeit aus. Außerdem war an einem Tag ein kleiner syrischer Flüchtlingsjunge dabei, der noch kein Deutsch konnte. Eine Neuntklässlerin, die arabisch spricht, hat sich sofort gemeldet und dem Jungen begleitet. „Sie hat für ihn alles übersetzt. So hat er verstehen können, was an den verschiedenen Stationen erklärt wurde“, sagt Lehrer Michael Salbaum.

Janina Maidorn und Frieder Bandlow hatten viel Spaß im Laufe der Woche. Gebe es die Möglichkeit auch in der zehnten Klasse Kinder in der Ichenhauser Synagoge zu unterrichten, wäre die 15-Jährige sofort dabei. „Ich würde es auf jeden Fall nochmal machen“, sagt sie.

Michael Salbaum berichtet, dass in diesem Jahr insgesamt 1025 Grundschüler zu Besuch in der Synagoge waren. Seit Weihnachten seien die Vorbereitungen dafür gelaufen. „Die Schüler haben sich selbst Gedanken über die Arbeitsmaterialien gemacht und haben diese dann auch eigenständig gestaltet“, sagt er. Neben Michael Salbaum sind auch Landrat Hubert Hafner, Ichenhausens Bürgermeister Robert Strobel und der Direktor der Dossenberger Gymnasiums Peter Lang am letzten Tag der Woche der Brüderlichkeit dabei. Landrat Hubert Hafner freut sich darüber, dass die älteren Schüler jedes Jahr aufs neue die Jüngeren unterrichten. „Das Gebäude ist ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte. Es ist aber nicht nur ein Gebäude, die Synagoge soll ja auch mit Leben gefüllt werden“, sagt er. Bürgermeister Strobel findet besonders den Einsatz der Neuntklässler bemerkenswert.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren