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Kreis Günzburg

29.03.2018

Klingende Kostbarkeiten im Kirchturm

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7 Bilder
Eine der Glocken in Hochwang ist um 1300 entstanden, eine weitere ist fast 600 Jahre alt. Die kleinste kam nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bild: Christian Kirstges

Glocken gehören zu einer Kirche wie der Altar und das Kreuz. In der Region gibt es viele historisch wertvolle. Eine Auswahl zu Ostern.

Von Gründonnerstag bis zur Osternacht schweigen in den Kirchen die Glocken. In dieser Zeit fehlt auch dem Ichenhauser Stadtpfarrer Pater Jonas Schreyer etwas, was sonst zum Alltag gehört – und umso schöner ist es für ihn, wenn die Glocken wieder geläutet werden. In seiner Pfarreiengemeinschaft hängt eines der ältesten Exemplare in der Region. Aber auch in anderen Orten gibt es besondere historische Glocken, für einen genaueren Blick empfohlen von den Sachverständigen des Bistums Augsburg (Pater Stefan Kling) und des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Weilheim (Walter Erdt).

Hochwang: In der Hochwanger Katholischen Kirche gibt es drei Glocken. Nummer zwei ist eine der ältesten im weiten Umkreis, sie wurde um das Jahr 1300 gegossen. Glocke Nummer eins ist auch fast 600 Jahre alt, die kleinste Glocke kam nach dem Zweiten Weltkrieg.

Oxenbronn: Hier ist in der Katholischen Kirche ein komplettes Dreiergeläut aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Zwei der Glocken wurden während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt, eingelagert im Hamburger Hafen (wohl wegen des Alters) entgingen sie aber dem Einschmelzen. Nach dem Krieg kamen sie schließlich wieder in die Pfarrei zurück. Besonders an ihnen ist auch, dass sie nicht etwa in einer Werkstatt in Ulm, Memmingen oder Augsburg entstanden, sondern von lothringischen Wandergießern erstellt wurden.

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Ichenhausen: Im kleinen Glockentürmchen der Evangelischen Kirche Ichenhausen hat nur eine Glocke Platz. Gegossen wurde sie 1731, hing aber lange in Bullenheim und kam erst 1921 nach Ichenhausen. Der Stundenschlag ist elektronisch gesteuert – auch wenn er momentan nicht richtig funktioniert –, zum Gottesdienst muss die Organistin die Glocke aber mit einer Kordel bedienen. Dabei den richtigen Klang zu erreichen sei nicht einfach, sagt Pfarrerin Christa Auernhammer. Bei der anstehenden Kirchensanierung soll auch die Glocke, die nur mit einer kleinen Kletterei zu erreichen ist, wieder gerichtet werden.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete auch für die Kirchen einen Einschnitt

Riedheim: Erwähnt wird die Evangelische Kirche des heutigen Stadtteils von Leipheim bereits 1225. Die älteste Glocke stammt aus dem Jahr 1445, und nur wegen ihres Alters und des damit verbundenen Wertes wurde sie während des Zweiten Weltkriegs nicht beschlagnahmt. Zwei weitere datierten auf das Jahr 1871. „Zum Dank für den Sieg der deutschen Heere“ wurden sie ge- beziehungsweise umgegossen, heißt es in der Ortschronik. Denn es war das Gelübde abgelegt worden, eine Glocke zu stiften, wenn der Ort vom Krieg mit Frankreich verschont bleibt. Und damit alles melodisch klingt, wurde die zweite Glocke angepasst. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Läuten dann eingeschränkt, 1940 wurden die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Glocken beschlagnahmt. Die größte und älteste wurde aber wegen ihres historischen Werts verschont. Zwei Jahre später wurden die beschlagnahmten Exemplare ausgebaut und eingeschmolzen, 1950 wurden dann schließlich zwei neu gegossene Glocken für die Kirche geweiht.

Günzburg: Dem Stadtbrand von 1703 fiel auch das Schloss zum Opfer. Neue Glocken für die Hofkirche wurden 1711 und 1733 in Ulm gegossen. Eine der drei Exemplare ist die Kaiserglocke, weiß Karsten Schultz-Ninow von den Freunden der Hofkirche, gestiftet wurde sie vom österreichischen Kaiserhaus. Auf ihr findet sich ein Hinweis auf die Markgrafschaft Burgau. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie abgehängt und sollten eingeschmolzen werden, was nicht geschah. Anfang der 50er kamen sie zurück.

Die Glocke muss mit einem Seil zum Schwingen gebracht werden

Edelstetten: In der katholischen Michaelskapelle hängt eine Glocke, die aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammt. Geläutet wird sie heute jedoch kaum noch. Es finden nur sehr selten Gottesdienste in der Kapelle statt. Und zum anderen ist das Läuten recht mühsam. Denn in der alten Kapelle ist von Technik nichts zu sehen. Soll die Glocke zum Klingen gebracht werden, so muss man sie, wie im 13. Jahrhundert, mit einem Seil zum Schwingen bringen.

Unterwiesenbach: Im 12. Jahrhundert wurde die kleine Kapelle in Unterwiesenbach erbaut. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen ist sie nicht nur einem Heiligen geweiht, sondern sogar Dreien: den Heiligen Vitus, Stephanus und Laurentius. Die älteste Glocke der Kapelle stammt aus dem Jahr 1799. Doch die Aufschrift lässt nicht nur auf das Fertigungsjahr schließen, auf ihr ist auch der Name des Gießers zu lesen: „Georg Ernst gos in Memmingen“. Alle Viertelstunde wird die Glocke durch einen Hammer zum Klingen gebracht. Hierbei wird Altes und Neues verbunden. Denn mit Hilfe einer modernen elektrischen Anlage kann die über 300 Jahre alte Glocke mehrmals täglich im ganzen Ort gehört werden.

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