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Landkreis Günzburg

18.04.2020

Kliniken wollen Schritt für Schritt zurück zur Normalität

Die Kreiskliniken wollen ab Anfang Mai schrittweise in den Regelbetrieb zurückkehren. Das hat auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für die Krankenhäuser in Deutschland im Sinn.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivbild)

Wie der Spagat zwischen der Behandlung von Corona-Patienten und einem Regelbetrieb aussieht. Und wie der Klinikchef Aussagen von Minister Spahn beurteilt.

Die Kreiskliniken in Günzburg und Krumbach wollen wieder ein Stück weit zur Normalität zurückkehren. Klinikvorstand Dr. Volker Rehbein begrüßte auf Nachfrage unserer Zeitung die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ( CDU) am Freitag im ARD-Morgenmagazin. Spahn hatte von einer schrittweisen Rückkehr der Krankenhäuser in Deutschland ab Anfang Mai „in einen Regelbetrieb“ gesprochen.

„Wir haben vor vier Wochen Menschen, die auf eine Rücken-, auf eine Hüftoperation gewartet haben, die einen Termin hatten, gesagt, das wird verschoben“, führte Spahn aus. Da sei auch Druck und „durchaus seelisches und körperliches Leid“ mit verbunden. Deshalb lautet sein Vorschlag, zwischen 25 und 30 Prozent der Intensivbeatmungsbetten für schwerkranke Corona-Patienten freizuhalten. Aber: Natürlich brauche jeder mit einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder einer Knieoperation auch seine Behandlung.

Eine realistische Zahl von reservierten Intensivbetten

Rehbein hält diesen Spagat – der Bundesgesundheitsminister sprach von einer „neuen Balance“ – in diesem Verhältnis für richtig und erstrebenswert. „Das ist eine realistische Zahl von Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit, die reserviert bleiben sollen“, sagte der Mediziner. Die erwartete große Welle an schwer erkrankten Covid-19-Patienten (so wird die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit bezeichnet) sei bislang glücklicherweise ausgeblieben, sagte Rehbein, der zugleich das Wort „bislang“ betonte. „Wir können nicht sagen, was morgen und übermorgen ist.“ Aber die gegenwärtige Lage rechtfertigt in seinen Augen die Vorbereitung zurück in eine neue Normalität.

Die sieht so aus, dass die Kliniken die Versorgung von Corona-Patienten mit entsprechenden Schutzvorkehrungen und den Regelbetrieb parallel gewährleisten. Einige der Puzzleteile dabei sind die Bereitstellung der Intensivbetten, eine nötige Isolierstation mit Isolierbetten. Diese Zimmer könnten freilich nicht doppelt belegt werden.

Und gleichzeitig müsse der Ambulanzbetrieb wieder „hochgefahren“ werden.

Mancher ist zu lange dem Krankenhaus fern geblieben

Rehbein hat die Erkenntnis gewonnen, dass einige Menschen mit ihren Krankheitsbildern zu Hause geblieben seien, obwohl sie dringend im Krankenhaus behandelt gehörten. Beispielhaft nannte er einen Patienten mit einer schwerwiegenden Erkrankung im Magen-Darm-Trakt. Er liege jetzt in Krumbach auf der Intensivstation und werde beatmet. Warum die Menschen fern geblieben seien – weil sie eine erhöhte Ansteckungsgefahr mit dem Virus in der Klinik sahen oder weil sie verinnerlicht haben, dass aufschiebbare Eingriffe vorerst ausgesetzt sind – vermochte der oberste Klinikmanager für die Häuser in Günzburg und Krumbach nicht zu sagen.

Nun müssten Pläne entwickelt werden, eine Ausgewogenheit zwischen den dringenden Fällen und den rein elektiven Fällen hinzubekommen. Mit der Parallelität – hier an Covid-19-Erkrankte, dort der Regelbetrieb – muss man Volker Rehbein zufolge leben lernen. „Ich gehe davon aus, dass wir diese Phase noch ein Jahr lang haben werden“, sagte er – bis ein Impfstoff gegen das Virus verfügbar ist und die Menschen sich dann entsprechend schützen. Schutz der Mitarbeiter und der anvertrauten Patienten ist dann auch das zentrale Stichwort in den Kliniken selbst. „Wir können uns auch in Zukunft nicht leisten, dass Corona reingetragen wird“, so der Klinikvorstand.

Abgerechnet wird später

In Zusammenarbeit mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt und dem Krankenhaus-Hygieniker würden für die Kreiskrankenhäuser entsprechende Konzepte erarbeitet, wie die schrittweise Rückkehr in die Normalität konkret aussehen werde.

Langwierig dürfte auch ein anderes Kapitel werden: die Finanzierung der durch Corona entstandenen Belastungen. Bislang gibt es Rehbein zufolge beispielsweise eine Abschlagszahlung für jeden Tag, an dem ein potenzieller Regelbetriebs-Patient wegen Corona nicht behandelt worden ist. Aber wie ist das beispielsweise mit den deutlich gestiegenen Anschaffungskosten für Schutzkleidung? Und mit den Räumlichkeiten, die wegen vorgehaltener Isoliermaßnahmen nicht so viele Patienten wie noch vor einigen Wochen belegen können? „Das Thema hat zurzeit keinen Vorrang“, sagt der Klinikvorstand – wohl wissend, dass auch die Finanzierungsfragen beantwortet werden müssen.

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