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21.02.2015

Kommentar: So könnte auch in der Region der Faschingszug aussehen

Ein Motivwagen, der sich mit dem russischen Präsidenten Putin beschäftigt, am Rosenmontag in Köln.
Bild: Oliver Berg/dpa

In Köln, Düsseldorf oder Mainz sind am Rosenmontag Wagen mit bissiger Satire durch die Stadt gefahren. Im Kreis Günzburg war davon nur wenig zu sehen. Doch Themen gibt es genug.

Werfen wir mal einen Blick ins Lexikon, gerne auch ins Internet. Suchen wir nach Fasching, Karneval oder wie man das auch sonst nennen mag, was vom 11. November bis Aschermittwoch veranstaltet wird. Stichwort: Bedeutung. Und siehe da: Es gab mal eine. Die Kölner wollten sich über die preußischen Herrscher lustig machen, die nicht begeistert über die ausschweifenden Feiern des Volks waren und Ordnung schaffen wollten. Also hielten die Jecken selbst Paraden ab und erfanden dazu eigene Orden und Uniformen – eine einzige Persiflage auf den Militarismus und die Obrigkeit. Auch wenn im Rheinland heute das Feiern im Vordergrund steht, so ist die Kritik an „denen da oben“ lebendig, was sich auch dieses Jahr gerade bei Motivwagen mit aktuellen Themen zeigte. Und bei uns im Landkreis? Da musste man den kritischen Fasching suchen – und fand wenig.

Dabei ist es ja nicht so, dass es keinen Anlass gegeben hätte, Politikern oder Verwaltungsleuten den Spiegel vorzuhalten. Da wird die Öffentlichkeit in Burgau nebenbei und nur durch die Nachfrage eines Ratsmitglieds darüber informiert, dass noch mehr Geld im Stadtsäckel fehlt. Die Rechtsaufsicht am Landratsamt aber lässt es sich bieten, dass ihr nicht einmal alle Unterlagen geschickt werden. Ebenfalls in Burgau würde eine Reihe von Ratsmitgliedern dem Jugendtreff keine Zukunft geben, ohne zu berücksichtigen, dass Jugendarbeit Vertrauensarbeit ist – und sich Erfolg eben nicht verordnen lässt.

Weitere Beispiele gefällig? Da wären etwa das Gerangel um das Leipheimer Gartenhallenbad, die verkorksten Verhandlungen um die Zukunft des alten Fliegerhorsts, der Hickhack um den Burgauer Hochwasserschutz, die scheinbar überall möglichen Gaskraftwerke oder der ständige Ärger mit Dreck und Lärm beim Autobahnbau.

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Zumindest ein paar Gruppen haben sich Gedanken über solche Themen gemacht und die Windräder oder den Ausbau der B16 dargestellt. Andere nahmen mit der „Kinder-Kaserne“ immerhin die familienfreundliche Bundeswehr oder als Piloten das „Streikland Deutschland“ auf die Schippe. Doch bei den meisten Umzügen gab es eben hauptsächlich die üblichen Cowboys und Piraten zu sehen.

Keine Frage: Die Gruppen haben sich sehr viel Arbeit mit ihren Wagen und Kostümen gemacht und waren so kreativ, dass beispielsweise Flugzeuge durch die Luft „flogen“. Doch die viele Arbeit ist auch verschenkt, wenn kaum einer die Gelegenheit nutzt, kritisch zu sein – und den Fasching mehr sein zu lassen als eine einzige Party.

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