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Leipheim

08.10.2016

Kommt die „Netzfeuerwehr“ nach Leipheim?

Diese Illustration zeigt, wie das Gaskraftwerk auf dem Areal-Pro-Gelände in Leipheim aussehen könnte.
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Diese Illustration zeigt, wie das Gaskraftwerk auf dem Areal-Pro-Gelände in Leipheim aussehen könnte.
Foto: Gaskraftwerk Leipheim

Die Planungen für das Gaskraftwerk auf dem Areal-Pro-Gelände laufen weiter. Doch ob das Projekt tatsächlich realisiert wird, steht noch nicht einmal fest.

Eine Frage hat die Bürger rund um Leipheim am Freitag besonders interessiert: Kommt das geplante Gaskraftwerk auf dem Areal-Pro-Gelände oder nicht? Bei der Informationsveranstaltung der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) und Siemens, die das 400-Millionen-Euro-Projekt zusammen planen, gab es grundlegende Informationen über das vorgesehene Kraftwerk. Und das Interesse aus der Bevölkerung war groß. Zahlreich waren sie zum Waldvogel nach Leipheim gekommen, um sich über den aktuellen Sachstand zu informieren.

Eines wurde schnell klar: Auf Eis liegt das geplante Projekt nicht. Im Gegenteil. Die beiden Unternehmen sind sich relativ sicher, dass sie das Projekt verwirklichen können. Auf dem Areal-Pro-Gelände soll ein Gasturbinenkraftwerk mit zwei Kraftwerksblöcken entstehen. Die Anlage ist allerdings nur als Reserve im Rahmen der Energiewende geplant. Das heißt: Wenn regenerative Energien aus Sonne und Wind nicht zur Stromerzeugung ausreichen, springt das Reservekraftwerk ein. 2019 könnte der Bau der Anlage in Leipheim losgehen, 2021 könnte sie dann in Betrieb genommen werden.

Nur wenige Stunden im Jahr im Betrieb 

Klaus Eder, Geschäftsführer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, wollte die Besucher gleich zu Beginn in einem Punkt beruhigen: So groß wie ursprünglich geplant wird das Gaskraftwerk nicht mehr. 2010 wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Damals sollte das Kraftwerk noch mit Dampfturbine im Vollbetrieb laufen. Doch in den vergangenen Jahren stellte sich heraus, dass sich dies bei den aktuellen Strompreisen wirtschaftlich nicht rechnet. Die Planungen wurden vorerst gestoppt. Doch jetzt gibt es eine neue Gesetzeslage. Als Reservekraftwerk ist die Anlage nun wieder rentabel. Eder bezeichnete das Kraftwerk als „Netzfeuerwehr“. Sie wird nur im Notfall in Betrieb genommen. „Das Gaskraftwerk kann schnell hoch und runter gefahren werden. Damit kann man schnell auf Engpässe reagieren.“ Der SWU-Geschäftsführer geht davon aus, dass die Anlage wenige Stunden im Jahr in Betrieb ist. Warum sich das dennoch lohnt? „Wirtschaftlich trägt es sich, da es durch den Strompreis solidarisiert wird“, gibt Eder offen zu.

Ulrike Wolf-Prexler vom Bayerischen Staatsministerium bezeichnete das Gelände auf dem Areal Pro als „sehr sehr guten Standort“ für ein Gaskraftwerk. „Leipheim hat an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg eine sehr gute Lage.“ Es müsse im Zuge der Energiewende sicher gestellt werden, dass auch dann Strom aus der Steckdose kommt, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint. Deshalb sollen sogenannte Netzstabilitätsanlagen entstehen. „Wir brauchen weiterhin konventionelle Kraftwerke, mit denen wir auf Engpässe bei der Stromversorgung reagieren können“, betonte Ulrike Wolf-Prexler. Dafür müssen aber auch die finanziellen Rahmenbedigungen geschaffen werden. Netzstabilitätsanlagen – so steht es in einem im Juli verabschiedeten Gesetz – werden anders vergütet. Derzeit wird nach Angaben der Ministerialdirigentin berechnet, wie viele solcher Anlagen in Süddeutschland benötigt werden und welche Standorte dafür geeignet sind. Das Ergebnis wird Ende März 2017 feststehen. In Bayern gebe es einige interessante Standorte. Ulrike Wolf-Prexler betonte aber: „Wir unterstützen das Kraftwerksprojekt in Leipheim.“

Konkurrenz in der Nachbarschaft

Doch gleich in der Nachbarschaft gibt es in Gundremmingen einen weiteren möglichen Standort für solch ein Reservekraftwerk. „Es wird sicherlich nur ein Gaskraftwerk in der Region entstehen“, war sich SWU-Geschäftsführer Eder sicher. „Aber wir haben hier in Leipheim die besten Voraussetzungen. Der Standort ist ideal, die Chancen sind sehr groß.“ Auch in Grundremmingen, so verriet ein RWE-Sprecher auf Nachfrage unserer Zeitung, laufen derzeit Gespräche mit möglichen Partner. Doch auch hier gibt es noch keine Entscheidung.

In einer 3D-Animation konnten sich die Besucher der Informationsveranstaltung in Leipheim schon einmal eine Animation des Kraftwerks auf dem Areal-Pro-Gelände ansehen. Projektleiter Thomas Schneider erklärte, dass zwei Kraftwerksblöcke entstehen sollen, die zusammen eine Leistung von etwa 660 Megawatt erzeugen können. Er sieht den besonderen Vorteil eines Gaskraftwerks in den kurzen An- und Abfahrzeiten. „In 45 Minuten kann die Anlage hoch gefahren werden“, erklärte er. Viele dauerhafte Arbeitsplätze würden durch den Bau des Kraftwerks allerdings nicht entstehen. Schneider schätzte, dass zehn bis maximal 20 Mitarbeiter am Kraftwerk tätig sein werden.

Der Geoökologe Michael Kortner informierte, welche Auswirkungen das Kraftwerk auf die Nachbarschaft und die Umwelt haben könnte. Obwohl sich das Projekt noch in der Planungsphase befindet, wurden bereits zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Kortner erklärte, dass die ausgestoßenen Schadstoffe laut Berechnungen nicht nur weit unter dem erlaubten Wert liegen würden. „Sie sind quasi so gering, dass sie gar nicht messbar sind.“

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