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Leipheim

28.10.2018

Konzert in Leipheim: Vier Gitarren und ein kluger Kopf

Vier Gitarren hatte Michael Fitz bei seinem Auftritt im Zehntstadel Leipheim dabei. Er begeisterte das Publikum mit seinen nachdenklichen Liedern und hintersinnigen bayerischen Zwischenmoderationen.
Bild: Sandra Kraus

Michael Fitz findet zwar die Bestuhlung im Zehntstadel nicht gut – das Publikum gefällt ihm aber. Das beruht auf Gegenseitigkeit.

Mit rhythmischem Klatschen versucht das Publikum im Zehnstadel den Schauspieler und Musiker Michael Fitz auf die Bühne zu locken. Es ist wenige Minuten nach acht Uhr und Leipheim ist bereit für das neueste Soloprogramm des Künstlers, dessen vier Gitarren auf der Bühne bereitstehen. Als Fitz dann tatsächlich auf der Bühne steht, brandet Applaus auf. „Schön habt’s es hier“, befindet Fitz.

Doch er bevorzuge ein Publikum, das dicht und nah in Reih und Glied, also einer Theaterbestuhlung, vor ihm sitze. Das Zehntstadel-Publikum muss den Beweis antreten, dass „sie des gwohnt sind“, an Tischchen zu sitzen, vor sich ein Glas Wein und eine Butterbreze. Es geht um Konzentration und Aufmerksamkeit, die für die flott und bayerisch gesungenen Lieder und Texte tatsächlich dringend nötig ist.

Den Auftakt macht „Der Bsuach“, ein Lied über die Vorbereitungen für einen Gast im Rahmen einer gelebten Willkommenskultur und, das was im Kopf da so alles bedacht werden muss, vom Aufräumen bis zum Kaffeemachen.

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Die Texte zwischen den Liedern sind ebenfalls hintersinnig

Es geht an diesem Abend überhaupt viel um den Kopf, um die Gedanken, die darin herumschwirren, um die Fragen, die man sich stellt, um Entscheidungen, die abgewogen und schließlich getroffen werden. Sphärische Gitarrenklänge begleiten die Frage „Was i bin?“, harte Akkorde den Zauderer, der in dem Lied „Hinterm Zaun“ einfach wartet und allenfalls ein „des muas i net ham“ hinausbrüllt.

Ebenfalls bayerisch und nicht weniger hintersinnig sind die Texte zwischen den Liedern, die Michael Fitz zwischen dem Stimmen der nächsten Gitarre so ganz nebenbei erzählt. Da geht es um Wahrheiten, also die gelogenen, die alternativen und die wahren, und den klaren Kopf, den man haben müsse, um sie richtig einzuordnen. Es geht um die Wahl, die der Mensch immer hat. „I geh net aufs Eis“ handelt von der Entscheidung, eben kein Risiko einzugehen.

Viel Düsteres ist in seinen Liedern

Dem verstorbenen Vater widmet Fitz sein Lied „Du sigst mi ned“. Trotz Handstand und Purzelbaum kann man übersehen werden. Von der Liebe, die sich davonschleicht, handelt der „Schleudersitz“, für den die Geliebte den Fallschirm im Refrain bereithält, nur im letzten Refrain hat sie „g´stohln“. Es sei schon viel Melancholisches und Düsteres in seinen Liedern, gibt Fitz, den viele auf den Münchner Tatort-Kommissar reduzieren, offen zu, um dann ein Liebeslied seiner Machart zu singen. Fitz konfrontiert sein Publikum mit der Zeit, die im virtuellen Starterpaket jedes Menschen bei der Geburt enthalten sei, und unerbittlich eines Tages ablaufe. Ob all die Hetze und das ständige „I hab koi Zeit“ daran etwas ändern?

Wirklich philosophisch wird Fitz bei seiner Frage, ob man gleichzeitig Beobachter und Beobachteter sein kann. Seine gesungene Antwort in „Jetz auf gestern“ lässt Entscheidungsspielraum.

Ein „Aufräumstück“ für den Kopf als Zugabe

Als Zugabe gibt es ein „Aufräumstück“ für den Kopf, quasi zum Auslüften dieser kleinen dicken Hausverwalter, die sich hinter der Stirn streiten und von denen jeder die Richtung bestimmen will. Auslüften sei wichtig, sonst drohe totale Überhitzung und anschließende Verwirrung, die allzu oft in der Welt anzutreffen sei.

Zum Konzertende möchte Fitz musikalisch die losen Gedankenfäden, die im Zehntstadel hängen, aufsammeln und als kompaktes Paket zum Mitnehmen verschnüren. Fitz sucht die Nähe zum Publikum, verkauft in der Pause CDs, signiert und redet mit Fans. Er ist Gitarrist, Sänger und Erzähler und packt seine Sicht auf die Welt in seine Lieder und Texte. Dem Publikum hat es gefallen und am Ende war auch Fitz mit der Zehntstadel-Sitzordnung versöhnt.

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