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Fahruntüchtigkeit

25.04.2015

Krankheiten sind nicht nur bei älteren Autofahrern eine Gefahr

Jetzt nur nicht am Lenkrad einschlafen: Das Phänomen Sekundenschlaf sehen Experten als große Gefahr im Straßenverkehr.
Bild: Weizenegger

Krankheit bedeutet nicht nur für ältere Autofahrer eine Einschränkung. Besonders der Sekundenschlaf ist eine große Gefahr. Therapeuten und Ärzte sind manchmal in der Zwickmühle.

„Vielleicht ist es manchmal ganz gut, wenn man nicht weiß, wer alles auf unseren Straßen unterwegs ist.“ Aber Thomas Hertkorn weiß durchaus, welches Risiko Kraftfahrer mit schlecht eingestelltem Diabetes, psychischen Störungen oder mit Herz- und Gefäßkrankheiten auf die Straßen bringen.

Krankheiten können auch jüngere Menschen einschränken

Deshalb steht für den Psychologen und Leiter der Abteilung für Neuropsychologie an der Fachklinik Ichenhausen, fest: Eine standardmäßige Überprüfung der Fahrtüchtigkeit ab einem gewissen Alter „wäre nicht verkehrt“.

Hertkorn sprach bei der Kreisverkehrswacht anstelle des kurzfristig verhinderten Ärztlichen Direktors Dr. Joachim Durner darüber, wie sich neurologische Krankheiten auf die Fahreignung auswirken. Dabei ist es, das zeigte Hertkorn anschaulich, nicht allein eine Frage der Lebensjahre, ob ein Autofahrer noch gut und sicher im Straßenverkehr mithalten kann.

Schließlich gibt es viele Krankheiten, die die Fahrtüchtigkeit auch in jungen Jahren gehörig einschränken können. Ein überstandener Herzinfarkt oder epileptische Anfälle gehören beispielsweise dazu, Bewegungsbehinderungen, Hirnverletzungen, auch Alkoholsucht oder der Missbrauch von Medikamenten oder Betäubungsmitteln.

Therapeuten und Ärzte in schwieriger Doppelrolle

Dann haben Autofahrer möglicherweise kein Gefühl mehr für Geschwindigkeiten oder Abstände, sie verlieren den Orientierungssinn und finden nicht einmal mehr den Weg nach Hause, sie sind leicht ablenkbar und mit komplexen Situationen überfordert. Das kann schon eine größere Kreuzung sein oder ein Kreisverkehr.

Oft ist auch, berichtete Hertkorn, das Urteilsvermögen massiv eingeschränkt, so dass die Autofahrer zu fataler Risikobereitschaft neigen. Nur „ein kleinerer Prozentsatz“ solcher gravierender Einschränkungen sei durch Medikamente bedingt. Dafür gelte der Sekundenschlaf bei Berufskraftfahrern bei jedem dritten Unfall als Ursache, sagte Hertkorn, die Dunkelziffer liege aber deutlich höher.

Wie es um Risikobereitschaft, Bedachtsamkeit und Rücksichtnahme bestellt ist, dabei spielt die Persönlichkeit oft „eine ganz zentrale Rolle“, sagt Hertkorn, der in der Fachklinik Patienten nach schweren Erkrankungen auf Belastbarkeit, Orientierungsleistung, Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit testet.

Dabei komme er als Therapeut, wie auch die Ärzte, oft in eine schwierige Doppelrolle: Einerseits sollen sie die Patienten wieder aufbauen, auf der anderen Seite müssen sie die Patienten aber manchmal eben auch mit gravierenden Einschränkungen konfrontieren. Allerdings gleichen manche Patienten ihre Handicaps teilweise aus, in dem sie nur kurze, vertraute Strecken fahren, schwierige Situationen wie Autobahnfahrten meiden und bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit daheim bleiben.

Keine Meldepflicht für neurologische Erkrankungen

Eine Meldepflicht für neurologische Erkrankungen gibt es aber nicht, „wir dürfen nur beraten“, sagt Hertkorn, und – Stichwort Schweigepflicht – die Behörden nicht informieren. Eine Ausnahme könne lediglich „im rechtfertigenden Notstand“ liegen, jedoch sei das in der Fachklinik in 20 Jahren „nur ein paarmal“ vorgekommen.

Gelegentlich aber werden die Behörden durch besorgte Angehörige und Betreuer informiert, oder auch durch Passanten, denen vielleicht der eigenartige Gang eines Parkinson-Kranken auffällt. „Wenn wir Kenntnis haben, müssen wir tätig werden“, sagte Anita Müller, die den Fachbereich Verkehrswesen am Landratsamt leitet. Es gebe aber kein vorgeschriebenes Verfahren, jeder Einzelfall werde von der Behörde beurteilt und gegebenenfalls eine Fahreignungsprüfung angeordnet. Deren Ergebnis kann den Entzug der Fahrerlaubnis bedeuten.

In einer Gesellschaft, in der Autofahren „ein sehr zentraler Punkt ist“, sei das oft ein Dilemma für den Betroffenen. Wenn hingegen besorgte Familien einem Angehörigen den Führerschein „abnehmen“, hat das keine rechtliche Konsequenz: Die Fahrerlaubnis ist ja nicht erloschen.

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