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Neueröffnung in Günzburg

09.01.2020

Krasse Sachen selber machen in der Innenstadt

Sibylle Benkißer betreibt die Kreativstube in der Hofgasse in Günzburg. Dort verkauft sie in Kommission künstlerisch gestaltete Werke – wie dieses Bild, das zu ihren Lieblingen gehört. Es ist mit einer speziellen Acryl-Fließtechnik, dem sogenannten Acrylic Pouring, entstanden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Häkeln, Malen, Basteln: In der Kreativstube von Sibylle Benkißer kann jeder selbst kreativ werden und Kunst machen - oder einfach stöbern und Kunst kaufen.

Nur ein kleines Schaufenster und ein schmaler Eingang deuten auf das hin, was sich im Erdgeschoss der Hofgasse 24a in Günzburg seit Anfang Dezember befindet. Wer aber die Eingangstür der ehemaligen Mälzerei der Münz-Brauerei öffnet, den erwartet im Gegensatz zum fast unscheinbaren Äußeren eine bunte und vielfältige Welt: die Kreativstube von Sibylle Benkißer.

In der Luft liegt der Duft von Räucherwerk. Auf alten Ästen in einer Vitrine liegen aufwendig gearbeitete Ketten aus Glasperlen in jeder Form und Farbe, daneben reihen sich auf einer Holzkommode bunte, runde Häkelkissen.

Bunte, runde Häkelkissen befinden sich im vorderen Teil der Verkaufsfläche der Kreativstube.
Bild: Bernhard Weizenegger

Engel, Fische und Nikoläuse aus Keramik stehen auf einem Fensterbrett im vorderen Teil des Ladens. Diese Kunstgegenstände und noch viele mehr verkauft Benkißer in ihrer Kreativstube in Kommission von derzeit etwa 25 Künstlern und Privatpersonen aus der Region. „Alles hier wurde von Hand von jemandem gemacht oder zusammengesetzt. Aus Materialien wurde etwas kreiert“, erklärt Benkißer. Das sei die Voraussetzung dafür, dass sie das Stück verkaufe. Einiges ist auch von ihr selbst gefertigt, wie eine Keramikschale in Blätterform, die auf einem großen Holztisch steht.

Krasse Sachen selber machen in der Innenstadt

Eine Werkstatt ermöglicht Kunst zum Selbermachen

Die Preisspanne der Kunstgegenstände ist enorm. Sie reicht von vier bis knapp 1000 Euro. Am teuersten sind nicht etwa die Bilder oder Skulpturen – wie man vielleicht annehmen könnte. Diese finden im hinteren Ladenteil in einem fünf Meter hohen Gewölbe ausreichend Platz. Das Teuerste sind die Ketten aus Glasperlen, die eine Frau aus Niederstotzingen herstellt. Der zeitliche Aufwand für die Fertigung sei der Grund für den hohen Preis, erklärt Benkißer.

Die teuersten Gegenstände sind diese Ketten aus Glasperlen, die fast 1000 Euro kosten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Doch der Kunstverkauf ist nicht der einzige Zweck der Kreativstube. Der Name ist Programm: Hier soll und darf jeder kreativ werden, zusammensitzen und ratschen. Das ermöglicht eine kleine Werkstatt im ersten Stock. Alt und Jung können dort in Kursen zum Beispiel basteln, Aquarelle malen, Flaschen bekleben oder stricken. Auch Geburtstagsfeiern sind möglich – alles gegen eine Nutzungs- oder Kursgebühr.

Mit der Kreativstube hat sich Benkißer einen Jugendtraum erfüllt

Mit der Kreativstube hat sich Benkißer, die ursprünglich aus Sontheim an der Brenz stammt, einen Jugendtraum erfüllt. Kreativ sei sie schon immer gewesen: Seidenmalerei, Drechseln, Schweißen oder Kleider im Stil der Kaiserin Elisabeth von Österreich – besser bekannt als Sisi – schneidern, gehörten dazu. Doch beruflich war die gelernte Industriekauffrau lange Zeit als selbstständige Fotografin für Schulfotos und Porträts von Hamburg über Wien bis Meran tätig.

In der Werkstatt im ersten Stock können Jung und Alt selbst kreativ werden und ihre Kunstwerke, wie diese Acryl-Bilder hier, selbst gestalten.
Bild: Bernhard Weizenegger

15 Jahre lang lebte sie in Österreich, bis sie Ende 2012 wegen der schlechten Gesundheit ihres Vaters nach Sontheim an der Brenz zurückkehrte. 2017 dann zog sie nach Günzburg. Sesshaft habe sie werden wollen. Nach mehreren Tätigkeiten (Büro, Fotografie, Designs am Computer), die ihr nicht zusagten, ging sie einige Tage ins Kloster Wettenhausen und überlegte, was sie machen wolle. „Seit ich 18 Jahre alt bin, wollte ich einen Laden, wo man immer nur basteln und etwas schaffen kann“, erinnert sich die 58-Jährige. So kam die Idee zur Kreativstube.

Ladengründung innerhalb von drei Wochen

Und die Umsetzung erfolgte rasch. Nur drei Wochen nachdem Benkißer den Mietvertrag unterschrieben hatte, öffnete sie den Laden. Die Möbel habe sie größtenteils auf Ebay-Kleinanzeigen gefunden, die sie mit Freunden und einem Lieferwagen bis aus Sonthofen nach Günzburg gefahren habe. Handwerker seien nur für zwei Heizkörper, die Beleuchtung und wegen eines Wasserrohrs gekommen. Ansonsten machte Benkißer alles von der Planung bis zur Umsetzung selbst. Auch den Laden führt sie allein.

Die Herausforderung momentan sei es, mehr Bekanntheit zu erlangen. Die ersten 20 Künstler habe sie im Sommer einfach angerufen. Deren Kontaktdaten hatte sie von Kunsthandwerkermärkten, die sie schon immer gerne besucht habe. Gerade laufe alles über Mundpropaganda: „Einer hört es vom anderen oder verbreitet es über Social Media.“

Diverse Keramikgegenstände wie Engel, Fische oder Männlein verkauft Benkißer in Kommission in ihrem Laden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Den Mietvertrag hat Benkißer erst einmal für ein Jahr unterschrieben. „Wenn es läuft, mache ich weiter und wenn nicht, dann eben nicht. Zumindest habe ich es dann probiert.“ Ein paar Gegenstände habe sie schon verkauft. „Einen Tag Strom kann ich schon zahlen“, sagt sie und lacht.

Benkißer ist stolz auf ihren Laden. Es sei genau das, was sie machen wolle, auch im Alter: „Hier kann ich schaffen, das ist die größte Freude. Hier kann ich machen, was und wann ich es will.“ Im Frühjahr soll noch ein Vorgarten entstehen, um an schönen Tagen auch draußen arbeiten und basteln zu können.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 13 Uhr. Kursangebote und weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.kreativ-stube-kunstverkauf.de

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