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Wettenhausen

05.01.2019

Krippengeschichten: Manchmal muss man einen Fuß wieder leimen

Die Wettenhauser Krippe ist etwas Besonderes.
Bild: Wolfgang Kahler

Wie sich ein Team um Nikolaus Schwarz um die Klosterkrippe in Wettenhausen kümmert, die von vielen tausend Menschen besucht wird – sogar aus Großbritannien.

Hermann Poppe lag im ehemaligen Pferdestall vor Weihnachten noch auf dem Boden. Der 78-Jährige schraubte eine Fußbank zusammen. Es waren die letzten Vorbereitungen für die Klosterkrippe Wettenhausen. Ein Team mit sechs Ehrenamtlichen sorgte in den Tagen vor dem Fest für den Aufbau der außergewöhnlichen Miniaturdarstellung von der Geburt Jesu. Senior der Truppe ist Nikolaus Schwarz mit 82 Jahren. Von ihm stammt in Handarbeit ein Diorama des Wettenhauser Kreuzwegs, das neben der Krippe zu sehen ist.

Am Zweiten Weihnachtstag wurde die Krippe wieder geöffnet, die bis zum 2. Februar (Lichtmess) fürs Publikum gezeigt wird. Sie gilt laut einer Informationsbroschüre als größte und meistbesuchte Krippe im gesamten Landkreis Günzburg und sogar als eine der größten und schönsten in Schwaben. Das schlägt sich auch im Gästebuch nieder. Dort haben Besucher aus dem gesamten bayerischen Raum, aber sogar Gäste bis aus Tschechien und Großbritannien ihre Eindrücke über dieses sakrale Kunstwerk hinterlassen.

Früher war der Aufwand noch viel größer

Zwei Tage schufteten die Helfer, um die Ausstellung im früheren Pferdestall des Klosters nach der elfmonatigen Pause wieder auf Vordermann zu bringen. Die Scheiben der Schauvitrinen wurden geputzt, der Staub und Spinnweben entfernt und die Funktion der Anlagen geprüft. Früher war der Aufwand noch viel größer, wissen Poppe und Schwarz: „Da wurden alle Figuren entnommen und in Kartons verpackt.“ Und das sind immerhin mehr als 350 Personen und viele Tiere vom Lamm bis zum Kamel. Irgendwann kam jemand auf die Idee, erinnert sich Poppe, die Figuren während der Ruhephase nur auf die Seite zu legen, was die Arbeit natürlich wesentlich erleichterte.

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Ein besonderes Schaustück der Krippen-Ausstellung im Kloster ist dieses Diorama vom Wettenhauser Kreuzweg.
Bild: Wolfgang Kahler

Trotz aller Vorsicht im Umgang mit den in feinen Details geschaffenen Gestalten kann schon mal ein Malheur passieren. Alles kein wirkliches Drama: „Wenn mal ein Fuß abbricht, muss man ihn halt wieder anleimen“, bemerkt Schwarz trocken. An den Vorbereitungen waren außer Poppe und Schwarz noch Ulla Breitruck, Michael Hornung sowie Monika Huttner, ihres Zeichens Chefin der Klosterküche, beteiligt. In den vergangenen Jahren haben auch Albert Fendt und Albert Kleinwächter kräftig mitgeholfen, doch Fendt ist erst kürzlich gestorben und Kleinwächter ernster erkrankt.

Das Wichtigste an der ganzen sehenswerten Anlage mit einer Vitrinenlänge von gut 18 Metern ist, „dass alles sauber dasteht“, sagt Schwarz schmunzelnd. Der Zimmermann ist nicht nur an Pflege und Erhalt der Großkrippe beteiligt, sondern hat selbst ein besonderes Schauexemplar angefertigt. Ein maßstabsgetreues Modell des Wettenhauser Kalvarienberges.

Für einen Euro gibt es die Geschichte auch zum Hören

Wer einen Euro einwirft, erlebt die Geschichte der Miniatur mit dem Kreuzweg auch akustisch, gesprochen von Michael Hornung. Schwarz hat das Kalvarienberg-Modell einschließlich der Häuser selbst gebaut. Der besondere Clou: Es gibt einen Brunnen mit echtem Wasser. Reales Nass, gefördert durch eine Minipumpe, fließt auch in der Krippe im Fluss Jordan, an dem die Taufe Jesu gezeigt wird. Aber was haben mehrere glänzende Muttern im Flussbett verloren? „Daran sind mit kleinen Fäden die Fische befestigt“, informiert Poppe, die würden sonst weggeschwemmt. Eine weitere Besonderheit: Im Pferdestall wird während der Krippenausstellung ständig ein Luftbefeuchter betrieben, um die wertvollen Miniaturen vor dem Austrocknen zu schützen.

Zum ehrenamtlichen Team, das sich im früheren Pferdestall des Klosters um das Herrichten der sehenswerten Krippe kümmert, gehören (von links) Monika Huttner, Michael Hornung, Nikolaus Schwarz und Hermann Poppe.
Bild: Wolfgang Kahler

Während der Öffnungszeiten, täglich von 13.30 bis 17 Uhr, zeitgleich mit dem Krippen-Café, betreuen ehrenamtliche Kräfte die Ausstellung und haben dabei ganz schön zu tun. Vor allem, wenn in den nächsten Wochen wieder zahlreiche Busse das Wettenhauser Kloster anfahren und dann einige tausend Besucher natürlich auch die Krippenschau besichtigen.

Der 82-Jährige denkt ans Aufhören

Sie werden dabei auch über den geschichtlichen Hintergrund informiert. Die Entstehung der Krippe geht auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Josef Sommer, Altbürgermeister von Wettenhausen, und Anton Mettenleitner (Ichenhausen) übernahmen schließlich 1996 die Neugestaltung der Krippe am jetzigen Platz. Seit etwa 15 Jahren kümmert sich Nikolaus Schwarz nun schon um die prächtige Anlage. Aber vielleicht nicht mehr lange, denn der 82-Jährige denkt ans Aufhören: „Es ist wohl das letzte Jahr“ sagt er leise.

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