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Ichenhausen

03.08.2020

Kritik an Neubau der B16 bei Ichenhausen: Projekt zerstört Natur

Der Protest gegen den Neubau der B16 bei Ichenhausen wächst. Im Rohrer Wald haben Kritiker Plakate aufgehängt.
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Der Protest gegen den Neubau der B16 bei Ichenhausen wächst. Im Rohrer Wald haben Kritiker Plakate aufgehängt.
Bild: Ingeborg Farion

Das Thema wird am Montagabend im Stadtrat Ichenhausen behandelt. Der Verein Bündnis Mensch und Natur hat sich im Vorfeld an Minister Gerd Müller gewandt.

Der Widerstand gegen die neu geplante B16 Ost zwischen Ichenhausen und Kötz wächst. Im Rohrer Wald, dem östlich von Ichenhausen gelegenen Naherholungsgebiet, haben Kritiker Plakate aufgehängt, die auf die starke Beeinträchtigung des Erholungsgebietes im Falle eines Neubaus hinweisen. Dieses Thema ist jetzt wieder besonders brisant, da es am heutigen Montag in der Stadtratssitzung Ichenhausen behandelt wird und einen Tag später in der Gemeinderatssitzung in Kötz. Der Verein Bündnis Mensch und Natur ist deshalb auch schon aktiv geworden.

Deren Vorsitzender Jürgen Langbauer und seine Stellvertreterin Ingeborg Farion haben einen offenen Brief an Entwicklungsminister Gerd Müller geschrieben, der aus Krumbach stammt. Darin weisen sie auf das Thema Neubau B16 Ost Ichenhausen – Kötz hin. Dieser Brief liegt auch unserer Redaktion vor. Darin nehmen die Vereinsvorsitzenden Bezug auf Müllers Buch „Umdenken“, in dem der Minister zu einer neuen Verantwortungsethik und einem Paradigmenwechsel bei Wachstum und Konsum aufruft. Dieses Umdenken sollte nicht nur global passieren, sondern auch lokal, direkt vor der Haustüre. An diesem Punkt kommen Langbauer und Farion auf den Neubau der B16 zu sprechen.

Brief an Gerd Müller: Massiver Flächenverbrauch ist nicht zeitgemäß

„Dieser geplante Neubau würde auf dem Höhenrücken, durch bisher völlig unbebaute Kulturlandschaft verlaufen und über der Hälfte der Strecke durch Wälder beziehungsweise Waldrandbereiche führen. Gerade diese gesunden Wälder sind doch viel zu wertvoll, als dass man sie opfern könnte.“ Im Zeitalter von Klimawandel, Artensterben, Waldsterben, massivem Flächenverbrauch sei solch ein „Dinosaurierprojekt“, das sich quer durch den Landkreis Günzburg und darüber hinaus erstrecke, nicht mehr zeitgemäß. Der wirtschaftliche Nutzen stehe in keinem Verhältnis zum Schaden, den dieses Bauwerk und die in diesem Zusammenhang weiteren Baumaßnahmen wie Zubringerstraßen und neue Flächenversiegelungen anrichten, heißt es in dem Brief weiter.

Für die Verkehrsproblematik sollten andere, verträglichere und bedarfsgerechtere Lösungen gesucht werden. Der Ziel- und Quellverkehr könne durch diese Umgehungsstraße nur sehr unzureichend aus den Orten verbannt werden. Hier wären ortsnahe Lösungen zu überdenken. Wie Langbauer und Farion schreiben, könnte der Schwerlastverkehr durch eine intelligente Verkehrsführung über die B300 auf die Staatsstraße 2025 gelenkt werden, auf der man in Kürze ortsdurchfahrtsfrei durch das Mindeltal von Krumbach nach Jettingen auf die A8 fahren könne.

Verein Bündnis Mensch und Natur fordert Umdenken in Verkehrsplanung

Darüber hinaus müsste ein Umdenken in der gesamten Verkehrs- und auch Wirtschaftsplanung stattfinden, weg vom Individualverkehr hin zum öffentlichen Nahverkehr. Das Ziel müsste sein, den Autoverkehr zu reduzieren und nicht durch Neubaustrecken noch attraktiver zu gestalten und so die Verkehrsbelastung insgesamt in der Region zu steigern. Auch die Maßnahmen durch die Corona-Pandemie wie Ausbau von Homeoffice, Videokonferenzen oder auch die Förderung von E-Automobilen machten ein solches Straßenbauprojekt noch fragwürdiger.

Bezug nehmend auf Gerd Müllers Buch regen die Vorsitzenden des Vereins Bündnis Mensch und Natur an, sich der Verantwortung schon im Kleinen zu stellen, damit so viele Menschen wie möglich erste Schritte in die richtige Richtung tun, um so politische Entscheidungen beeinflussen zu können.

Gerd Müller wird zu einem Ortstermin eingeladen

„Leider ist dieses Umdenken noch nicht überall angekommen, auch noch nicht bei allen Ihrer, für unsere Region zuständigen, Parteikollegen“, schreiben Langbauer und Farion. Der Verein hofft, dass der Minister einen positiven Einfluss auf seine Parteikollegen nehmen kann. Am Ende des Briefs laden die Vereinsvorsitzenden Gerd Müller zu einem Ortstermin ein, „wenn Sie mal wieder in Ihrer Heimat verweilen und ein bisschen Zeit übrighaben“. (zg/hva)

Der Neubau der B16 ist am Montagabend Thema im Ichenhauser Stadtrat. Beginn ist um 19 Uhr in der Friedrich-Jahn-Halle.

Die Gemeinderatssitzung Kötz widmet sich am Dienstag ab 20 Uhr in der Günzhalle ebenfalls diesem Thema.

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