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Musikalischer Frühling

27.05.2019

Küsse, Kaktus, Katzensopran

Ein sanglicher Spaziergang durch Oper, Operette, Schlager und Filmhits boten die drei Sopranistinnen (von links) Barbara Buffy, Brigitte Thoma und Anna-Maria Thoma. Am Klavier begleitet wurden sie von Matthias Hammerschmitt.
Bild: Helmut Kircher

Drei Sopranistinnen begrüßten in Ichenhausen den Mai – nach Erich Kästner der „Mozart des Kalenders“– auf ihre Weise

Auf die leichte Schulter nahm, in der ehemaligen Synagoge Ichenhausen, der „Musikalische Frühling“ seine barocke Gewichtigkeit. Denn drei Soprane der sanglichen Meisterklasse zogen, wie jedes Jahr, mit Grandezza, Größe und Grazie alle dramatischen Register schmusemäßiger Weiblichkeit aus Oper, Operette, Schlager und Filmhits.

Brigitte Thoma und Tochter Anna-Maria in sopranistisch verinnerlichtem Spielhumor schwelgend, Barbara Buffy, mit flexibel strömendem Mezzo, in der etwas tieferen Lage, kontrolliert gestaltungssouveräne Dolce verströmend. Und alle drei von Matthias Hammerschmitt am Klavier, je nach Verzückungsgrad, von einem Ausdrucksspektrum virtuos begleitender Sensibilität akkurat auf den Flügeln des Gesanges gehalten.

Solistisch umhüllte sich Brigitte Thoma herzblutend in tristessige „Freischütz“-Romantik, grüßte mit Pep und Paprika in Kálmáns „Csárdásfürstin“ Berge, Puszta und Temperamentsentflammung. Mit einem der meistgesungenen Opernwelthits, der vor-Liebe-sterben-Arie „O mio babbino caro“ aus Puccinis Gianni Schicchi, setzte sich Anna-Maria Thoma – wie immer in schuhenthaltsamer Barfüßigkeit – wehmutsbereit, mit sopranstarken Spitzentönen in Szene. Mit unbarmherziger Fröhlichkeit das, schon 1938 nach den Liebe- und Luststernen greifende Franz Grote Evergreen „Immer wenn ich glücklich bin“, durchschwelgend. Barbara Buffy lud sich, wonniglich mezzoveredelt, gerne mal Gäste ein, aus der „Fledermaus“, mit von sahnigem Schmelz umflorten Timbre und akkurater Textverständlichkeit. Nun ja, „das ist bei mir so Sitte!“ Bei Robert Stolz und seinem „Spiel auf deiner Geige“, ließ sie, mit Tokaier, Liebe, Glück und Csárdás, ihre fulminante Bühnenpräsenz in flammender Zärtlichkeit aufgehen.

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In wechselnder Zweierbesetzung wurde nicht nur mit erotisch aufgeladenen Mozartarien aus „Figaros Hochzeit“ und „Cosí fan tutte“ duettiert, sondern auch auf stylish aufgemöbelter Nostalgiewelle aus Schiene und Schublade geschwommen. Wurde mit „Belle nuit d’amour“ venezianischer Barcarolesound gegondelt; mit zuckerwattig erotisierendem Belkanto-Glamour tränenselig machende Südseeträume geträumt und ein Kabinettstückchen mutter-töchterlicher Treffsicherheit, Rossinis virtuos-kratzbürstiges Katzenduett mit sopranistisch funktionalem Blümchensex vermiaut. Echt famos und fortissimo beifallumrauscht.

„Wer ist hier jung, wer hat hier Schwung“ lautete von vornherein die in dreistimmiger Synchronität gestellte Frage melodiestrammen Hörspaßes. Alle natürlich. Denn „So schön wie heut’“ wird es frühestens nächstes Jahr wieder sein. Hinein also in die filigrane Liebeslüsternheit von „Wochenend und Sonnenschein“, der Herrgott drückt sicherlich ein Auge zu. Und in den akustisch prallen Frühlingsfarben klanglich hinschmelzender Behübschungsmaßnahmen steht, „Irgendwo auf der Welt“, in schicksalhaft poetischem Seelenzustand geschrieben: „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, vielleicht mit Ebolis kunstvoll koloraturgegurgeltem Schleiertanz aus Verdis „Don Carlos“, vielleicht aber auch mit einem kleinen grünen Kaktus, der seit comedian harmonists Zeiten noch immer sticht, sticht, sticht. Holleri, hollerooooh. Der Beifall gebot es: Es huldigten die Nationen, zumindest in der „Fledermaus“, bis in die fernsten Zonen, mit „Stoßt an, stoßt an, im Feuerstrom der Reben“, und auch mit „Maria“, dem nie verblassenden Stern aus Leonard Bernsteins nie verblassender Westside Story.

Küsse, Kaktus, Katzensopran, die ariosen Sättigungsbeilagen für ein Frühlingsmenü schaumig schmusigen Sangesspaßes. Na ja, halt nicht ganz zuckerfrei.

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