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Landkreis Günzburg

16.10.2019

Langfinger in Geschäften: Wie groß ist Problem Ladendiebstahl?

Ein Griff zur Tasche und weg ist der Artikel. Der bayerische Einzelhandel klagt über eine hohe Anzahl von Ladendiebstählen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Laut Handelsverband Bayern beläuft sich der Schaden im Freistaat jährlich auf fast 350 Millionen Euro. Wie sieht‘s im Bereich Günzburg aus? 

Trotz leicht rückläufiger Statistiken ist die Zahl der Ladendiebstähle weiter auf einem hohen Niveau. Nach Angaben des Landeskriminalamts wurden im vergangenen Jahr knapp 33000 Ladendiebstähle in Bayern angezeigt. Das ist ein Rückgang von 0,6 Prozent im Vergleich zu 2017. „Die Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, denn die Dunkelziffer liegt bei über 90 Prozent“, erklärt Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern. Ladendiebe sollen im vergangenen Jahr Waren im Wert von fast 348 Millionen Euro mitgehen lassen haben. Besonders Rasierklingen, Parfüm, Tabakwaren und Kosmetik wurden gestohlen. Ein Ziel der Täter: Große, unübersichtliche Einzelhandelsgeschäfte.

Aber auch kleinere Läden sind von Diebstahl betroffen. Ulrike Krause, Inhaberin des Günzburger Sportartikelgeschäfts Sport Zimmermann, erklärt, sie habe durch Langfinger pro Jahr einen nachgewiesenen finanziellen Schaden in dreistelliger Höhe. „Manchmal merken wir erst bei der Inventur, das etwas fehlt.“ Für sie als Händlerin sei es schwer, die Balance zu finden, ihren Kunden auf der einen Seite zu vertrauen und auf der anderen zu kontrollieren. „Die allermeisten sind ja treue Stammkunden, ich möchte niemandem das Gefühl geben, das ich sie im Voraus verdächtige.“

Das Angebot im Freien ist jetzt reduziert

Mittlerweile hat Krause umgedacht. Sie hat nach einer Diebstahl-Welle ihrem Laden vor ein paar Jahren umstrukturiert. Der Eingangsbereich ist übersichtlicher, zu jedem Kleidungsstück gibt es einen dazugehörigen Bügel und das Warenangebot im Freien vor ihrem Laden ist reduziert.

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In ihrem Geschäft kommen Diebstähle nicht so oft vor, erzählt die Sportartikelverkäuferin. „Das liegt vielleicht daran, dass wir jeden Kunden ansprechen und betreuen.“ Zudem habe sie über die Jahre Erfahrung mit betrügerischer Kundschaft gesammelt. „Man sieht es denjenigen meist beim Betreten des Ladens an, dass sie klauen wollen.“

Laut den Zahlen, die das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West auf Anfrage unserer Redaktion zusammenstellte, ist zuletzt für den Günzburger Landkreis keine signifikante Veränderung bei der Anzahl von Ladendiebstählen zu erkennen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden im Landkreis 98 Ladendiebstähle mit geringem Sachwert – also bis 25 Euro – polizeilich zur Anzeige gebracht. Weitere 69 Ladendiebstähle fallen unter die Kategorie „nicht geringwertige Ware“.

Manche Fälle gehen direkt vom Laden zum Staatsanwalt

Drei Ladendiebstähle wurden in Günzburg und Umgebung mit Waffen verübt, vier weitere Diebstähle sind nachweislich von Banden verübt worden. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 wurde im Landkreis kein Banden-Ladendiebstahl zur Anzeige gebracht. Die Sprecherin des polizeipräsidiums, Johanna Graf, betont: „Die Schwankungen der Fallzahlen sind nicht aussagekräftig.“

Fehlbestände bei der Inventur werden in der Regel nicht als Ladendiebstahl durch die Polizei erfasst. Zudem gibt es einen nicht bekannten Anteil an Anzeigen, die von Geschäften direkt an die Staatsanwaltschaften weitergeleitet werden, so Graf. „Manchmal werden von den betroffenen Geschäften keine Anzeige, sondern lediglich ein Hausverbot oder Vergleichbares angestrebt.

Auch die Kunden können etwas tun

Die Hauptkommissarin rät zu mehr Präsenz von Angestellten im Laden. Auch Videoüberwachung schrecke ab sowie eine elektronische Sicherung von Waren. Aber auch die Kunden selbst können etwas tun: „Sollten Kunden einen Ladendiebstahl beobachten, ist es ratsam, sich immer direkt an einen Mitarbeiter zu wenden oder im Zweifel die Polizei zu informieren.“

Klar ist: Kleinere Läden tun sich schwer, gegen Ladendiebstähle vorzugehen. Oft stehen die hohen Ausgaben an Sicherungsmaßnahmen nicht mit dem niedrigen finanziellen Schaden durch gestohlene Artikel in Relation. Bei großen Handelsketten sorgen in der Regel Ladendetektive dafür, dass Langfinger gefasst und angezeigt werden. Für die Inhaber kleinerer Läden sind solche Maßnahmen ungleich schwieriger umzusetzen. Für Ulrike Krause gilt: Es für Kunden in ihrem Laden so angenehm und für Diebe so unangenehm wie möglich machen.

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