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Günzburg

05.07.2019

Lehrermangel: Studenten ohne Abschluss unterrichten an Realschule

Die frühere Knabenrelaschule Günzburg ist erst vor wenigen Jahren auch für Mädchen geöffnet worden. Die Anmeldezahlen an der Dominikus-Zimmermann-Realschule sind dennoch erschreckend niedrig.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Zwei Studienanfänger als Aushilfslehrer im Regelunterricht, katastrophale Anmeldezahlen an der Dominikus-Zimmermann-Realschule Günzburg - und der OB sorgt sich um deren Zukunft.

Die Hoffnungen waren groß in Günzburg im Herbst 2016: Zuerst hatten die kirchlichen Maria-Ward-Schulen verkündet, dass sie künftig auch Buben aufnehmen dürfen, wenige Tage später war dann auch klar, dass die bisherige Dominikus-Zimmermann-Knabenrealschule Günzburg sich auch für Mädchen öffnen wird. Doch dem Jubel ist zumindest in einer Schule Ernüchterung gewichen: Statt der erhofften Weiterentwicklung hat sich die Situation an der staatlichen Realschule noch verschärft. Wie berichtet, sind nur 20 Kinder für die fünfte Klasse des kommenden Schuljahres angemeldet – damit reicht es gerade einmal für eine einzige Eingangsklasse (lesen Sie hier mehr dazu: Immer weniger Schüler an der Dominikus-Zimmermann-Realschule ). Dass die Schule zwei Studienanfänger als Aushilfslehrer eingesetzt hat, offenbart zusätzlich eine Personalmisere.

Schulleiterin Roswitha Schön sieht die Probleme an ihrer Schule als lösbar an. Selbstverständlich sei die Schule aufgrund der niedrigen Eingangszahlen derzeit besonders bestrebt, Stärken auszubauen und nach Schwachstellen zu suchen, schreibt sie in einer Mail an unsere Redaktion. Als Reaktion auf die schwachen Anmeldezahlen solle die Sportklasse weiter ausgebaut werden, auch eine Tablet-Klasse sei in Planung, „da die neuen Medien schlichtweg die Zukunft darstellen“.

Schulleiterin: "Die Unterrichtsversorgung ist gesichert"

Weitere personelle Probleme im kommenden Schuljahr sieht sie nicht auf die Dominikus-Zimmermann-Realschule zukommen: Die Schule sei mit mobilen Reserven und Referendaren ausgestattet. „Die Unterrichtsversorgung ist gesichert, Zusatzangebote werden den Schülerinnen und Schülern ermöglicht.“ Um künftig für Mädchen attraktiver zu werden, habe sich die Schule zum Ziel gesetzt, das Schulprofil weiterzuentwickeln. Dazu zähle unter anderem das Wahlfachangebot: Hier werde im kommenden Schuljahr zusätzlich eine Sportlehrerin eingesetzt und Tanz/Gymnastik unterrichten.

Lehrermangel: Studenten ohne Abschluss unterrichten an Realschule

Die jungen Aushilfen, mit denen die Schule diese Woche in die Schlagzeilen geraten war, habe die Schule eingesetzt, weil trotz umgehender Veröffentlichung der Stellenangebote auf den Seiten des Kultusministeriums und des Bayerischen Realschulnetzes keine Aushilfslehrkraft zu finden gewesen sei, schreibt Roswitha Schön. Es handle sich um Studenten, die während ihrer Tätigkeit engmaschig von erfahrenen Lehrkräften begleitet worden seien und Lehramt studieren bzw. in das Lehramtsstudium wechseln werden. „Ihre fachlichen sowie persönlichen Qualifikationen wurden berücksichtigt“, betont die Schulleiterin.

Die Schulleiterin sieht sich vom Elternbeirat in den Entscheidungen unterstützt

Nachdem das Kultusministerium den beiden Aushilfen jetzt untersagt hat, weiter zu unterrichten, sollen die beiden Aushilfen nun bis zum Ende des Schuljahres die Lehrkräfte unterstützen. Vornehmlich bei der Organisation und Durchführung der Projekte, Fahrten und Veranstaltungen arbeiteten diese bis zum Schuljahresende mit und werden in den Zusatzangeboten der Schule nachmittags eingesetzt, so Schön. Die Schulleiterin sieht sich bei der Personalentscheidung von den Eltern unterstützt: „Die Eltern begrüßen es, dass der Pflichtunterricht abgedeckt ist. Der Elternbeirat hat uns heute erneut versichert, dass er voll und ganz hinter der Schule und unserer Maßnahme steht.“

Enge Verzahnung von Schülern, Eltern, Schulleitung, Lehrkräften und Schulverwaltung – so stellt sich die Dominikus-Zimmermann-Realschule Günzburg in diesem Schaubild dar. Doch es knirscht im Getriebe.
Bild: Bernhard Weizenegger

Im Gespräch mit unserer Redaktion zeichnen jedoch Eltern ein ganz anderes Bild. Und auch die Anmeldezahlen an der Realschule sprechen eine andere Sprache: Während die kirchliche Maria-Ward-Realschule sich vor Anmeldungen für das neue Schuljahr kaum retten kann, hatte die Dominikus-Zimmermann-Realschule zum Anmeldeschluss offenbar erst ein gutes Dutzend Anmeldungen. Über den Probeunterricht, mit dem sich Schüler qualifizieren können, die im Übertrittszeugnis nicht den erforderlichen Notenschnitt für die Realschule haben, kamen dann noch Schüler dazu: Von den vier Kindern, die den Probeunterricht absolviert haben, wurden drei angenommen. Zum Vergleich: An der Maria-Ward-Realschule traten 30 Kinder zum Probeunterricht an, 17 von ihnen werden ab September die Realschule besuchen.

Es könnten weitere Schüler abspringen

Die eigentlichen Probleme für den Mini-Jahrgang an der Realschule sehen Fachleute erst in den folgenden Jahren kommen: Zum Start der siebten Klasse wählen die Realschüler ihre Wahlpflichtfächergruppe, die auch über die Prüfungsfächer beim Abschluss entscheiden. An der Dominikus-Zimmermann-Realschule gibt es derzeit die Wahlpflichtfächergruppen I (Schwerpunkt Mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Bereich), II (wirtschaftlicher Bereich) und IIb (Werken). Bei nur 20 Schülern – immer vorausgesetzt, die angemeldeten Fünftklässler bleiben alle dabei – dürfte es ein Ding der Unmöglichkeit sein, eine Wahlmöglichkeit zu bieten. In der Folge könnten dadurch weitere Schüler abspringen, die ihren Wunsch-Schwerpunkt an einer anderen Realschule im Landkreis absolvieren wollen.

Oberbürgermeister Gerhard Jauernig will die Probleme an der Realschule, die vom Landkreis finanziert wird, nicht länger hinnehmen. „Jahrzehntelang hat die Politik für die Öffnung der Schule geworben mit dem Ziel, dass sie gestärkt werden kann. 2015 waren es noch 51 Neuanmeldungen. Jetzt haben wir die Öffnung erreicht – und es sind nur noch 20 Schüler da.“ Im selben Zeitraum habe die Maria-Ward-Realschule ihre Anmeldezahlen mehr als verdoppelt. Der Landkreis habe Millionenbeträge ausgegeben, um die staatliche Realschule strukturell und räumlich weiter zu entwickeln. „Die Schülerzahlen entwickeln sich aber gegensätzlich zu dieser gigantischen Investition.“ Für den Oberbürgermeister ist dringender Handlungsbedarf im zuständigen Kulturministerium gegeben: „Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, gibt es die Realschule Günzburg in ein paar Jahren nicht mehr.“

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