Newsticker
Bayern gibt AstraZeneca-Impfstoff für alle Altersgruppen frei
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Leipheimer Flutpolder-Gegner warnen vor mehr Stechmücken

Leipheim

08.04.2021

Leipheimer Flutpolder-Gegner warnen vor mehr Stechmücken

Gegner des Flutpolders in Leipheim warnen unter anderem vor einer Zunahme der Stechmückenpopulation.
Foto: Uwe Anspach/dpa (Symbolbild)

Die Leipheimer Interessenvertretung befürchtet auch Schadstoffe und fordert Investitionen für Dammanlagen. Das sind die Details.

Der Kampf gegen einen geplanten Flutpolder mit einem über drei Meter hohen Wassereinstau an der schwäbischen Donau bei Leipheim geht weiter. In einer Pressemitteilung betont die Interessenvertretung (IV) „Hochwasserschutz Ja, Flutpolder Leipheim Nein!“, dass der in Leipheim geplante Flutpolder zu viele Raumwiderstände aufweise. Sie fordert weiterhin, die für die Planung benötigten Gelder in die Planung der zum Schutz der Bevölkerung dringend benötigten Dammanlagen umzuleiten.

Der erste Raumwiderstand des geplanten Flutpolders ergibt sich laut IV aufgrund der enormen Seefläche (90 Hektar) im geplanten Poldergebiet. Die Seefläche stellt eine direkte Verbindung zwischen dem Oberflächenwasser und dem Grundwasser dar, welches über das anschließende Trinkwasserschutzgebiet der Stadt Leipheim die Trinkwasserversorgung sichert. Unter Berufung auf die im Jahr 2000 verabschiedete europäische Wasserrahmenrichtlinie kritisiert die IV eine Verletzung des in der Richtlinie verankerten Verschlechterungsverbotes für die im Poldergebiet befindlichen Seen.

Untersuchungen des Bayerisches Landesamtes für Umwelt zufolge verfehlt die Donau zwischen der Iller-Mündung und Offingen ohne Aussicht auf Besserung die von der Europäischen Union vorgegebene Wasserqualität. Ursache sei eine Quecksilberbelastung, heißt es in der Mitteilung der Interessenvertretung, welche im Sediment des Gewässers ruht. Ein weiterer Schadstoff, welcher die Qualität der Seen verschlechtert, ist demnach in der Donau enthaltenes Mikroplastik, das überwiegend von Reifenabrieb, Kosmetika oder Wegwerfprodukten, insbesondere Verpackungen, stammt.

Einleitung der Donau würde das Fass zum Überlaufen bringen

Ein zweiter Raumwiderstand ist der IV zufolge die Missachtung des FFH-, Ramsar-, Wasser- und Landschaftsschutzgebietes durch den geplanten Flutpolder. Die Polderplanungen versuchen zwar über „ökologische Flutungen“ die ökologischen Schäden im Einstaufall zu minimieren, nur ist es laut der IV nicht gerade im Sinne des Naturschutzes, mit regelmäßigen Flutungen ein Ökosystem derart zu stören, dass die Artenvielfalt stark minimiert wird.

Laut der IV bleiben die ökologischen Schäden durch den Polderbetrieb die gleichen, sie finden lediglich aufgrund der regelmäßigen ökologischen Flutungen schon vor dem Einsatz des Polders statt. Die IV geht davon aus, dass die Einleitung der Donau in ein mehrfach geschütztes Naturschutzgebiet das Fass zum Überlaufen bringen würde.

Mückenplage kann nur mit enormem Aufwand in Schach gehalten werden

Ein weiterer Raumwiderstand und zugleich eine enorme Befürchtung der Bevölkerung gegen den Polder ergibt sich nach Mitteilung der IV in der Zunahme der Stechmückenpopulation, darunter das West-Nil-Virus. Bisher wird die Mückenpopulation noch durch die intakte Gewässerökologie der immensen Seefläche reguliert. Im Einstaufall sowie bei den ökologischen Flutungen ist laut IV aber davon auszugehen, dass die durch den Sedimenttransport eingetragenen Schadstoffe (Quecksilber, Mikroplastik) und Sedimente die Gewässerökologie erheblich stören und dementsprechend die Zunahme der Mückenpopulation begünstigen.

Von bereits bestehenden Flutpolderstandorten am Rhein sei bekannt, dass die Mückenplage nur noch mit enormen technischen und finanziellen Mitteln in Schach gehalten werden kann. Die IV befürchtet im Falle einer durch den Polder hervorgerufenen Mückenplage, dass die Kosten zur Mückenbekämpfung nicht vom Freistaat Bayern übernommen werden, sondern an den Kommunen und dem Landkreis hängen bleiben.

Geld für Deichanlagen statt für Polder

Nach Ansicht der IV würden die Aufwendungen zur Abstellung der oben aufgeführten Raumwiderstände jeden Kostenrahmen sprengen. Deshalb macht sich die Interessenvertretung erneut für die Umleitung der für den Polder geplanten Mittel in die dringend benötigten Deichanlagen entlang der Donau stark. Die Deich- oder Dammanlagen ermöglichen der IV zufolge einen permanenten Hochwasserschutz und nicht wie im Falle des Polders nur bei einem extremen Hochwasser (HQ Extrem), welches von seiner Auftretenswahrscheinlichkeit noch seltener ein hundertjähriges Hochwasser (HQ 100) ist. (zg)

Lesen Sie auch:

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren