Newsticker

16.700 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Liebe auf den ersten Ton

Musik

15.04.2015

Liebe auf den ersten Ton

Die Kammeltaler Musikerin Anja Baldauf hat sich in Louisiana in die Zydeco-Musik verliebt. Eine Liebe, die über die Jahre noch stärker geworden ist. Mit ihrer Band Swamp Cats macht sie seit zehn Jahren Musik, am Wochenende erscheint ihr fünftes Album.
Bild: Veranstalter

Eine Liebesgeschichte machte aus der Goldbacher Akkordeonistin Anja Baldauf die international gefragte Profimusikerin Zydeco Annie. Mit ihrer Band Swamp Cats feiert sie jetzt gleich zwei erfreuliche Anlässe.

Von Rebekka Jakob

Günzburg „Es war Liebe auf den ersten Ton.“ Anja Baldaufs Augen leuchten, wenn sie von dem Tag erzählt, an dem sie sich so richtig verknallt hat. Schuhe wollte sie shoppen, Cowboystiefel, bei einem Gastspiel in Louisiana. Gefunden hat sie in der Fußgängerzone ihre große Liebe: Zydeco. „Ich war total durch den Wind, hatte Schmetterlinge im Bauch. Eben einfach verliebt.“ Aus der mit bayerischer Volksmusik groß gewordenen Anja, der studierten Pianistin, der ernsten Tango-Akkordeonistin und Profi-Musiklehrerin, wurde Zydeco Annie.

Zydeco, das ist eine wilde Mischung aus dem Süden der USA, „wie ein Eintopf, ein Jambalaia“, sagt Anja Baldauf. Eine Melange aus all den Kulturen und Einflüssen, die in Louisiana zusammenkommen: von französischen Einwanderern mit ihren Musette-Walzern, von Iren mit ihren melodiösen Jigs, aus der Karibik, aus Afrika – und nicht zuletzt aus dem amerikanischen Jazz und Blues. An diesen wilden Mix verlor die Kammeltalerin, aufgewachsen inmitten von Musik in der Akkordeonschule ihrer Mutter, ihr Herz.

Die Liebe zum Zydeco nahm Anja Baldauf mit zurück nach Deutschland. Sie machte sich auf die Suche nach Orten, wo sie diese Liebe ausleben wollte. Gar nicht so einfach war das. In Jazz- und Bluesklubs suchte sie Mitspieler – die meisten hatten noch nie etwas von dem Stilmix aus dem Süden der USA gehört. „Ich bin die Anja, spielst Du mit mir Zydeco?“, das wurde ihr Standardspruch, mit dem die studierte und zu diesem Zeitpunkt in ihrem Fach schon hoch professionelle Musikerin noch mal „ganz unten“, ganz von vorne anfing. „Irgendwann war ich dann bekannt als die Annie, die immer Zydeco spielen will“, sagt Anja Baldauf mit einem amüsierten Lachen in den Augen, „und daraus wurde dann die Zydeco Annie.“

Und Zydeco Annie, das ist eine, die nicht nur einmal im Monat ihre Musik spielen will. Sondern immer. „Ich will das beruflich machen“, mit dieser Ansage erntete Anja Baldauf bei Familie und Freunden erst einmal Kopfschütteln. „Aber ich hab’ meinen Sturschädel durchgesetzt.“ Mit ihrer Band, den vor zehn Jahren formierten Swamp Cats, ist Zydeco Annie mittlerweile der Inbegriff ihrer Stilrichtung in Deutschland. Sucht man bei Google nach „Zydeco“, taucht Annie gleich als erster Vorschlag auf. 80 bis 90 Auftritte im Jahr spielt die Band, diesen Donnerstag zum Beispiel beim Blues Festival in Basel, im Mai beim Festival „Zydeco City“ in den Niederlanden, im Juli beim Münchner Tollwood. „Die Band, das ist Familie und Firma in einem“, sagt Anja Baldauf, und sie meint damit nicht nur ihren Mann Stefan, den Schlagzeuger, und Sohn Leo, der dank der Unterstützung von Anja Baldaufs Mama, Oma und Tante so oft es geht mit auf Tour darf. Sie meint auch ihre übrigen Bandkollegen. Die ehrgeizige Annie hat absolute Profis um sich geschart, die mit ihr gemeinsam die Energie des Zydeco auf die Bühne bringen.

Die wilde Verliebtheit aus Lousiana hat sich in das Gefühl einer langen, tiefen Ehe gewandelt, sagt Anja Baldauf heute. Die neue CD der Band – das mittlerweile fünfte Album – sei reifer geworden. „Wir sind aus den Kinderschuhen herausgewachsen, klingen erwachsener.“ Und doch ist etwas ganz neu und aufregend: „Live at the Mainstation“ ist das allererste Live-Album von Zydeco Annie + Swamp Cats. „Ganz lange wollte ich kein Live-Album machen“, gibt Anja Baldauf zu. „Meine Ausrede war immer: Ich hab’ noch kein Publikum gefunden, das so gut drauf ist, wie ich.“

Ein Auftritt im Mannheimer Bahnhof im vergangenen Jahr überzeugte sie vom Gegenteil. „Die Leute waren so gut drauf. Wir gingen von der Bühne, und unser Gitarrist sagte: Deine Ausrede gilt nicht mehr.“ Normalerweise, sagt die Musikerin, kann man nur alle vier, fünf Jahre im Mannheimer Hauptbahnhof auftreten. „Auf gar keinen Fall zweimal in einem Jahr.“ Doch der Konzertveranstalter war sofort begeistert. An Halloween 2014, einem echten, zum Zydeco passenden Voodoo-Tag also, wurde „Live at the Mainstation“ aufgenommen. Fans aus Deutschland, aus Österreich, der Schweiz und Dänemark reisten an und brachten die nötige Stimmung mit. Am Samstag wird das Album in Langenau feierlich „getauft“.

Die Liebesgeschichte von Anja/Annie und ihrem Zydeco ist auch nach zehn Jahren noch lange nicht zu Ende. Im Mai hat die Band zwei Wochen spielfrei – Zeit, die natürlich für die Musik genutzt wird. „Wir ziehen uns in unser Probenlokal zurück, irgendwo mitten in Deutschland, und arbeiten gemeinsam an unserem neuen Programm.“ Was man eben nicht alles aus Liebe tut.

Das Jubiläumskonzert zehn Jahre Zydeco Annie + Swamp Cats findet am Samstag, 18. April, im Pfleghofsaal Langenau statt. Ab 18 Uhr ist die Fotoausstellung „Zehn Jahre on tour“ zu sehen, ab 20 Uhr beginnt das Konzert mit CD-Taufe von „Live at the Mainstation“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren