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09.03.2009

Liszt-Chor auf dem Kreuzweg

Großer Applaus in der Frauenkirche: Die musikalische Einstimmung auf die Passionszeit ist gelungen. Der erst kürzlich aus der Taufe gehobene Kammerchor Franz Liszt aus Mainz debütierte am Samstag in Günzburg - mit zwei Chorwerken seines Namengebers.

Langen Beifall gab es vor allem für die "Via Crucis". Die chorischen und solistischen Leistungen sowie die Orgelbegleitung überzeugten das Günzburger Publikum. "Zu lange", so der Kötzer Sebastian Hopfenzitz, "schlummerte Franz Liszts Kreuzweg, er wurde jetzt aus seinem Dornröschenschlaf geweckt."

In der ersten Lebenshälfte als Schöpfer brillanter Klaviermusik und Oratorien gefeiert, schrieb Franz Liszt ab 1860 auch kleine geistliche Kompositionen. Liszt strebte die Leitung der Sixtina in Rom an, komponierte deswegen die auf Gregorianik fußende "Missa Choralis". Schier unbegreiflich ist das vernichtende Urteil von damals: "Unbrauchbar." Der Hörer spürt die Abhängigkeit von mönchischen Gesängen. Er spürt den zügigen Fortgang der lateinischen Messgesänge, notiert wenige, kurze Soli und wuchtige Orgelklänge.

Chorleiter Thomas Höpp arbeitete in Günzburg überzeugend auf den markanten Schluss zu: zum Hilfe suchenden "Christus erbarme dich" (Kyrie), zum rühmenden "Du der Heilige, im Ruhmesglanz Gottvaters" (Gloria), zum verheißungsvollen "Ich erwarte das Leben der künftigen Welt."(Credo). Bis in den letzten Winkel des Raumes drang der Ruf "Hosanna in den Himmeln".

Liszt-Chor auf dem Kreuzweg

Kein Zuhörer schien sich dem Wunsch des Chores - "Lamm Gottes, das die Sünden der Menschheit auf sich geladen, gib uns Frieden" - entziehen zu können. Der Chor holte bei der Günzburger Premiere viel Applaus und Lob.

Es ist dem 28-jährigen Mainzer Kirchenmusiker gelungen, die Choristen auf eine hohe interpretatorische Stufe zu führen. Die Mainzer sowie die von Thomas Bodenmüller ebenfalls gut vorbereiteten Heilig-Geist-Sänger schafften eine meisterliche Erstvorstellung.

Das zweite Stück, die "Via Crucis", führt weit über die Romantik hinaus. Es verwendet ein neues Tonvokabular. Die Texte stellte übrigens Liszts Lebensgefährtin, die russische Fürstin Caroline von Sayn-Wittgenstein, zusammen. Ihr war daran gelegen, die geistliche Musik im romantischen Geist zu erneuern. Ein Hymnus auf das Kreuz als Fahne der christlichen Hoffnung markiert Anfang und Ende: "Heiliges Kreuz, bringe den Frommen in der Bußzeit mehr Gerechtigkeit und den Sündern Barmherzigkeit."

Streckenweise rückte bei diesem Stück die "Königin der Instrumente", die Orgel, gespielt von Tatjana Ryabova, in das musikalische Zentrum - etwa bei Jesu Fall unter der Kreuzeslast. Die wegen der Ausdrucksfülle sehr beeindruckenden Basssolisten steigerten Liszts ergreifende Betrachtung. Wen lassen die Todesschreie des Gekreuzigten kalt?

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