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Günzburg

06.11.2017

Lücken bei Notarzt-Dienst sind deutlich kleiner geworden

Es hat sich bereits bewährt, dass die Günzburger Kreisklinik einen Großteil der Notarzt-Dienste abdeckt. Das Einsatzfahrzeug samt Fahrer, gestellt vom Roten Kreuz, sind während dieser Zeiten am Krankenhaus stationiert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Seit der Übernahme eines Großteils der Dienste durch die Günzburger Kreisklinik haben die Probleme merklich abgenommen. Ausfälle gibt es aber nach wie vor.

Seit etwas mehr als einem halben Jahr kommt der Notarzt in Günzburg aus der Kreisklinik. Zumindest unter der Woche und tagsüber. „Es funktioniert und wird weiter funktionieren“, sagt Dr. Gregor Kemming, Chefarzt der Anästhesie und Ärztlicher Direktor, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir kommen allen unseren vertraglichen Verpflichtungen nach.“ Sprich: Lücken im Dienstplan gebe es keine. Zumindest in dem des Krankenhauses, das montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr zuständig ist. Außerhalb dieses Zeitraums sieht das jedoch nach wie vor etwas anders aus.

Denn entgegen des von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) erhofften „Entlastungseffekts“ für niedergelassene Mediziner und freischaffende Notärzte durch die Arbeit der Kreisklinik ist es nach wie vor nicht leicht, vor allem nachts, an Wochenenden und Feiertagen immer genug Kollegen zu finden, die für 70 Euro brutto pro Einsatz ihre Freizeit opfern. Das sagt Dr. Marc-Michael Ventzke, Obmann der Günzburger Notärzte, und bestätigt damit entsprechende Informationen unserer Zeitung. Ventzke hatte das bereits früh prophezeit, „es war abzusehen, dass das so nicht klappen wird“.

Nach außen präsentiere die Kassenärztliche Vereinigung zwar gerne einen gut gefüllten Dienstplan. Aber dass es oft schwierig sei, dass die eingeteilten Leute auch tatsächlich Dienst tun oder entstehende Lücken zu stopfen, werde so nicht kommuniziert. „Es gibt oft auch keinen Plan B“, wenn sich kein Springer findet. Wenn keiner da ist, muss das Einsatzfahrzeug eben stehen bleiben. Zumindest sei die Günzburger Notarztgruppe wieder gewachsen, weil neue Ärzte nach Günzburg gekommen sind, sodass es einen etwas größeren Spielraum gebe. Auch seien nicht mehr so viele Dienste abgemeldet worden, wie es zeitweise der Fall war. Aber das Problem nachts, an Wochenenden und Feiertagen bestehe eben nach wie vor. „Wer da früher nicht fahren wollte, will es nun einmal auch heute nicht“, sagt Ventzke. Doch zumindest die Zusammenarbeit mit den Ärzten der Kreisklinik sei sehr gut.

Die KV hat noch nicht wegen einer Ausweitung angefragt

Das sagt auch Dr. Kemming. Alle seien bestens aufgenommen worden, was auch für die Hilfsorganisationen gelte. „Von allen Seiten gibt es Unterstützung.“ Die Zusammenarbeit mit Ventzke sei gar freundschaftlich. Abgesprungen sei in dem halben Jahr in der Klinik auch niemand, im Gegenteil. Es gebe sogar Bewerbungen von Kollegen für den Notarztdienst. „Die es bei uns tun, tun es aus echter Leidenschaft“, betont der Ärztliche Direktor. Acht Ärzte sind bereits im Routinebetrieb tätig, vier in der Ausbildung. Insgesamt habe sich die Versorgung der Bevölkerung deutlich verbessert, die Situation sei entschärft worden. Im Rahmen der arbeitsrechtlichen Möglichkeiten helfe auch die Kreisklinik aus, wenn es außerhalb des Dienstzeitraums Engpässe gibt. Aber mehr als ein Aushelfen sei eben nicht möglich.

Die Frage, ob künftig das Krankenhaus rund um die Uhr und jeden Tag die Notärzte stellen könnte, stellt sich so für Kemming nicht, da er sich um die Organisation des Betriebs kümmert. Alles andere müssten die Leitung der Klinik und die KV besprechen, die aber größere Anstrengungen unternehme, Lücken zu kompensieren. Der Kaufmännische Direktor des Hospitals, Helmut Sauler, sagt, dass die Kassenärztliche Vereinigung wegen einer Ausweitung der Dienstzeiten nicht auf die Klinik zugekommen sei. Doch egal, wer sich um eine Bereitschaft rund um die Uhr kümmert: Es sei eine schwierige Sache.

Die meisten Ausfälle gibt es zwischen 5.30 und 7 Uhr

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) merkt direkt, wenn es wieder eine Lücke gibt, schließlich wird das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) samt Fahrer von ihm gestellt. Auch Alexander Faith, der Rettungsdienstleiter beim Kreisverband Günzburg, sagt, dass es seit der Übernahme der Dienste durch die Kreisklinik während deren Zuständigkeit keine Probleme mehr gebe – außerhalb allerdings manchmal schon. Am häufigsten werde der Dienst durch die Kassenärztliche Vereinigung zwischen 5.30 und 7 Uhr abgemeldet. Denn nicht wenige Notärzte, die nachts im Einsatz waren, müssen am nächsten Morgen zur regulären Arbeit etwa in ein Krankenhaus und können deshalb ihre Schicht nicht beenden. Dr. Ventzke springe häufig ein, wenn es seine Zeit zulasse. Die KV unternehme auch mehr Anstrengungen, um Ausfälle zu verhindern, erklärt Faith. Immer klappt es aber eben nicht. In einer Übersicht für das zweite Quartal sind nur drei Ausfälle für Günzburg protokolliert.

So gab es nach Faiths Worten an einem Abend eine Lücke von einer guten halben Stunde, weil der Notarzt später kam, und die angesprochenen knapp anderthalb Stunden an einem Morgen, weil von 5.21 bis 7 Uhr kein Mediziner da war. An einem Sonntag im Juni war sogar für die Tagschicht von 8.24 bis 14.42 Uhr kein Notarzt gemeldet. Hinzu kommen in dieser Übersicht auch zwei Ausfälle in Krumbach: An einem Sonntagmorgen war eine Dreiviertelstunde lang kein Mediziner da, an einem Mittwoch fiel das Fahrzeug wegen eines kaputten Reifens anderthalb Stunden aus. Im dritten Quartal haben sich die Ausfälle jedoch wieder gehäuft: Das Protokoll listet 16 solche Situationen auf. Seltenst sind es Fahrzeug-Probleme, fast immer sind es Vakanzen zwischen einer halben und anderthalb Stunden, wenn beim Schichtwechsel kein Notarzt verfügbar ist. In Krumbach gab es nur einen Ausfall wegen eines Reifen-Problems.

Zur Not soll der Hubschrauber oder Nachbar-Notarzt kommen

Auch Rettungsleitstellen-Chef Reiner Wolf betont, dass das Problem in Günzburg deutlich kleiner geworden und kein standortspezifisches mehr sei. Und selbst wenn es für einen kurzen Zeitraum keinen Notarzt am Standort gebe, habe es nach seiner Kenntnis keine daraus resultierenden Schwierigkeiten gegeben. Zumal dann ein Rettungshubschrauber oder der Notarzt einer benachbarten Wache eingesetzt werde. Die Übernahme eines Großteils der Dienste durch die Klinik habe sich aber in jedem Fall auch aus Sicht des BRK bewährt, sagt Faith. Jetzt wird noch eine Garage am Krankenhaus gebaut, damit das Einsatzfahrzeug nicht auch im Winter draußen stehen muss. Dass der Fahrer die Wartezeiten bis zum nächsten Alarm nicht wie früher auf der Wache mit der persönlichen Sonderaufgabe wie der Pflege der Apotheke verbringen kann, sei für das Rote Kreuz zwar ein Nachteil, aber dass Klinik-Notarzt und Fahrer räumlich nah zusammen sind, sei ein Vorteil. Zum Auffüllen der Ausrüstung, der Fahrzeugkontrolle und zum Schichtwechsel muss das NEF ohnehin weiter zur Wache fahren.

Die Kassenärztliche Vereinigung spricht ebenfalls von einer deutlich verbesserten Situation. Waren im vergangenen Jahr nach Angaben der KV insgesamt 370 Dienststunden unbesetzt gewesen, so sei es im vergangenen halben Jahr und Anfang des Jahres nach einem bereits verstärkten Engagement der Kreisklinik klar besser geworden. Seit April habe der Dienst für nur 94 Stunden abgemeldet werden müssen, wobei das im Gegensatz zu 2016 nur stundenweise und nicht für ganze Schichten nötig gewesen sei. Im Oktober seien drei komplette Dienste unbesetzt gewesen. Von April bis September habe die Besetzungsquote bei über 99 Prozent gelegen, betont die KV. Lücken habe es überwiegend werktags nachts beziehungsweise beim Wechsel zwischen Nacht- und Tagschicht gegeben. Ausfälle während der Zuständigkeit der Kreisklinik seien nicht bekannt.

Der Gesetzgeber setzt einer Ausweitung Grenzen

Die Kassenärztliche Vereinigung bemüht sich nach eigenen Angaben, die noch bestehenden Lücken im intensiven Kontakt mit der Günzburger Notarzt-Gruppe zu schließen und neue Notärzte für den Standort zu gewinnen. In diesem Jahr seien vier neue Mediziner gefunden worden und man gehe davon aus, dass weitere folgen werden. Grundsätzlich sei es auch denkbar, den Vertrag mit der Klinik auszuweiten. Allerdings sei das vom Gesetzgeber in Bayern nur für den Fall zugelassen, dass alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Davon abgesehen: Vereinzelte Lücken seien nun einmal nicht damit gleichzusetzen, dass die notärztliche Versorgung der Bürger nicht gewährleistet sei. Die Rettungsleitstelle habe noch andere Möglichkeiten. Aber natürlich sei es das Ziel, den Dienstplan ohne Ausfälle zu besetzen.

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