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Günzburg

14.01.2020

Madeleine Le Claire kämpft für ihr Café „Herzdame“

Unternehmerin Madeleine Le Claire hat in ihrem Café „Herzdame“ einiges vor. Realisieren möchte sie dies alles durch Crowdfunding.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Madeleine Le Claire betreibt seit 2018 ihr Café in Günzburg. Durch Crowdfunding möchte sie weitere Projekte umsetzen. Es handelt sich um mehr als eine Spende.

Günzburg Es ist ein kleines Café, das Madeleine Le Claire im Herzen von Günzburg betreibt. Aber der jungen Frau bedeutet es unheimlich viel. Wenn sie über ihre Arbeit und ihren Laden – die Herzdame – spricht, beginnen ihre Augen förmlich zu strahlen. Es ist ein Traum, den sie sich vor fast zwei Jahren erfüllt hat. Und um diesen weiter zu leben, geht sie einen ungewöhnlichen Weg.

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Die 31-Jährige baut dabei auf das Modell „Crowdfunding“. Bei dieser Art der Geldbeschaffung, finanzieren viele Menschen gemeinsam eine Idee, ein Projekt oder – wie im Fall von Le Claire – ein Unternehmen. 8000 Euro möchte die Inhaberin auf diese Art und Weise erhalten. „Ich weiß, dass Crowdfunding schwierig ist, obwohl sich schon viele Unternehmen und Musiker so anfangs finanziert haben“, sagt Le Claire.

Madeleine Le Claire: Beim Crowdfunding herrscht ein großes Missverständnis

In Großstädten sei das Konzept etabliert, in kleineren Städten wie Günzburg hingegen die Ausnahme. Denn was viele Menschen nicht wissen: Crowdfunding ist viel mehr als eine Spende. „Da herrscht ein großes Missverständnis“, sagt Le Claire. Das „gespendete“ Geld kann an sogenannte „Dankeschöns“ geknüpft werden – dazu zählen Gutscheine, Kochkurse aber auch Unternehmenspatenschaften. Der Kunde geht quasi finanziell in Vorleistung und erhält eine Gegenleistung.

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Mit den erhofften 8000 Euro will die 31-Jährige die für die Lagerung benötigten Kühlanlagen ausbauen, Stromleitungen erweitern und ihre Öffnungszeiten ausbauen (Hier geht es zur Crowdfunding-Aktion). Derzeit hat das Café, in dem neben Kaffee und Kuchen auch Frühstück und kleinere Gerichte am Mittag serviert werden, von 9 bis 15 Uhr geöffnet; bis 18 Uhr ist das Ziel von Le Claire. Doch mit dem bisherigen Personal – vier Mitarbeiterinnen gibt es momentan – sei das zeitlich nicht zu stemmen. „Die Mitarbeiterproblematik hätte ich so nicht erwartet“, gibt die 31-Jährige zu, die zuvor Chefin einer Salatbar in Ulm war. Dort habe es viel mehr Studenten gegeben, mit denen man viel auffangen könne.

Das Günzburger Café Herzdame setzt auf Regionalität und Nachhaltigkeit

Doch so leicht gibt Le Claire ihre Herzdame nicht auf. Es ist in gewisser Weise eine Lebenseinstellung, die sich in ihrem Café widerspiegelt. Regionalität und Nachhaltigkeit werden ganz groß geschrieben. Statt einfachem Wegwerfmaterial gibt es bei ihr Verpackungen aus Papier oder Strohhalme aus Glas. Wer auf Plastik verzichten möchte, kann in der Herzdame zudem Wattestäbchen, Taschentücher oder auch Zahnbürsten aus Bambus kaufen. Das Thema Regionalität zeigt sich in den verwendeten Lebensmitteln: Obst und Gemüse werden auf dem Günzburger Wochenmarkt gekauft, Fleisch und Wurst beim Metzger ihres Vertrauens. In Supermärkten fehle die Nähe zu den regionalen Händlern. Zudem werde alles in Plastik verpackt, häufig ohne Notwendigkeit.

Dass sich Le Claire in der Gastronomie wohlfühlt, zeigt sich bereits an einem ihrer Hobbys: Sie liest am liebsten Kochbücher. „Das ist für mich Entspannung und viel besser als ein Wellnesswochenende“, sagt die 31-Jährige und lacht. Dass sie in ihrem Café auf ein familienfreundliches Ambiente achtet, ist für die Mutter zweier Kinder, fünf und zehn Jahre, selbstverständlich. Und die Kunden schätzen dies. „Kinder wollten schon unbedingt ihre Kommunionfeier bei mir ausrichten, weil es ihnen hier so gut gefallen hat. Eine größere Freude gibt es kaum“, sagt Le Claire.

6500 Euro fehlen noch bis zum Ziel

Ihr Café ist seit wenigen Monaten in der Kapuzinergasse zu finden, den vorherigen Standort in der Dominikus-Zimmermann-Straße gab sie auf. „Ich habe das Geschäft gesehen und mich direkt verliebt“, sagt die Unternehmerin. Zudem sei die Lage deutlich besser. Le Claire hat viele Ideen für den neuen Standort, doch zuerst möchte sie die Crowdfunding-Aktion erfolgreich abschließen. Bisher sind etwas mehr als 1500 Euro eingegangen, fehlen also noch etwa 6500 Euro. Und die Zeit drängt: Nur noch zwölf Tage läuft der Aufruf. Wird das Ziel nicht erreicht, erhält jeder Unterstützer den kompletten Betrag zurück beziehungsweise wird er erst gar nicht abgebucht. Doch darüber macht sich Le Claire keine Gedanken, die in wenigen Wochen mit ihren Kindern von Nersingen über die Günzburger Herzdame zieht: „Ich bin ein positiv eingestellter Mensch und habe mich selbstständig gemacht, um damit alt zu werden.“

Lesen Sie hier weitere Artikel zur "Herzdame" in Günzburg:

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