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Günzburg

17.12.2020

Mädchen wird in Günzburg belästigt: Polizei-Notruf wimmelt 13-Jährige ab

Weil sie von einem Mann heimlich am Geldautomaten fotografiert wurde, hat eine 13-Jährige die Polizei um Hilfe gebeten. Der Mann hatte sich zuvor geweigert, die Fotos zu löschen und rannte durch die Günzburger Innenstadt davon. Nun versucht die Ermittlungsgruppe, ihn zu finden.

Plus Weil ein 13-jähriges Mädchen gegen seinen Willen von einem Mann fotografiert wird und er seltsam reagiert, wählt es die 110 der Polizei. Was danach geschieht.

Wenn Kinder im Jugendalter alleine unterwegs sind, haben Eltern nicht selten ein ungutes Gefühl. Der Fall einer 13-Jährigen, die – wie jetzt bekannt wurde – sich in der vergangenen Woche in Günzburg von einem Mann belästigt fühlte, zeigt, dass es gut ist, wenn die Heranwachsenden wissen, was zu tun ist. Sie rief den Notruf der Polizei und hat damit alles richtig gemacht. Eigentlich.

Nach der sechsten Schulstunde ging Zoe Dybal mit zwei Freundinnen und einem Schulfreund den kurzen Weg vom Maria-Ward-Gymnasium in die Innenstadt, um dort die Mittagspause zu verbringen. Am Bankautomaten am Wätteplatz wollten sich die Jugendlichen Bargeld holen und betraten dazu den ehemaligen Schalterraum. Der Schulfreund wartete draußen und sah, dass ein Mann im Schutz einer Milchglas-Trennwand mit seinem Smartphone Fotos von den Mädchen aufnahm. Das signalisierte er den Freundinnen.

Als der Mann von ihnen bemerkt wurde, entfernte er sich schnell aus dem Vorraum und verschwand in einem benachbarten Kaffee-Geschäft. Die Jugendlichen folgten ihm. Zoe fragte den Mann, warum er Fotos von ihnen mache und bat ihn, diese zu löschen. „Er hat nur Unverständliches gebrabbelt, ein seltsames Foto auf seinem Handy gezeigt und ist dann aus dem Geschäft gerannt“, schildert die 13-Jährige. Erneut nahm die Gruppe die Verfolgung durch die Innenstadt auf. Als sie ihn erreichte, schrie das Mädchen „löschen Sie das Foto oder ich hole die Polizei“. Umgebende Passanten reagierten nicht darauf.

Mann bedrängt 13-Jährige in Günzburg: Notruf schickt Mädchen zur örtlichen Polizeiinspektion

Derart bedrängt kam der unbekannte Mann auf Zoe zu, schrie ihr „unverständliches Zeug“ zu, drehte sich um und rannte davon. Verängstigt ließ sie von einer weiteren Verfolgung ab und rief den Notruf 110 mit ihrem Mobiltelefon. Was dann geschah, war nicht die erhoffte Hilfe, sondern Unverständnis am Ende der Telefonleitung. „Der Mann sagte mir, ich solle zur Polizeiinspektion gehen und dort eine Aussage machen, er könne da nichts machen“, erzählt Zoe acht Tage später.

Sie habe unverzüglich ihre Eltern angerufen, die mit ihr zur Polizeiinspektion Günzburg fuhren, wo sie das Erlebte genau schilderte. „Der Beamte hat mich ernst genommen und gesagt, dass ich alles richtig gemacht habe“, sagt die 13-Jährige.

Das bestätigt auch der stellvertretende Dienststellenleiter Wolfgang Feil. „Grundsätzlich ist es immer richtig, den Notruf der Polizei zu rufen. Wir sind in solchen Fällen immer der erste Ansprechpartner. Warum der Diensthabende am Notruftelefon so reagiert hat, werden wir klären. Das ist ungeschickt gelaufen“, gibt Feil zu.

Polizei ermittelt jetzt nach Vorfall in der Günzburger Innenstadt

Feil empfiehlt, in bedrohlichen Situationen Passanten direkt anzusprechen und sie konkret um Hilfe zu bitten. In diesem Fall liegt allein an der Erstellung von Bildaufnahmen unbekannter Personen keine Straftat des Unbekannten vor. „Die Polizei hat aber auch die Aufgabe, präventiv tätig zu werden. Wir sind daher aus zahlreichen Gründen daran interessiert, die Identität des Mannes ausfindig zu machen und den Sachverhalt zu ermitteln“, erklärt der führende Polizeibeamte.

Die Ermittlungsgruppe der Inspektion hat diese Aufgabe übernommen. Zoe konnte den Beamten nicht nur eine detaillierte Personenbeschreibung liefern. Eine zufällig mit dem Mobiltelefon aufgenommene Videosequenz, die sich im Besitz der Beamten befindet, zeigt für einen kurzen Augenblick das Gesicht des Mannes und gibt zudem seine Stimme wieder. „Das ist natürlich ein glücklicher Umstand, der die Ermittlungen einen konkreten Schritt weiter bringt“, sagt Feil.

In der Familie hat sich die Aufregung inzwischen wieder etwas gelegt. „Wir fühlen uns trotzdem sicher in Günzburg“, sagt Vater Christian Dybal. Es sei zwar ein beunruhigendes Gefühl, dass da jemand rumläuft und Mädchen fotografiert, aber jetzt sind erst mal Ferien. Die Familie habe den Schritt, in die Öffentlichkeit zu gehen, nicht aus Geltungssucht erwogen. „Wir möchten, dass vor allem die heranwachsenden Mädchen gestärkt werden und die Menschen sensibler darauf reagieren, was um sie herum passiert“, sagt Dybal.

Aktualisierung vom 19. Dezember 2020: Die Polizei hat den Mann ermittelt, der die 13-Jährige heimlich fotografiert hatte. Es handelt sich dabei um einen Menschen mit geistigem Handicap, wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West nun mitteilte. Sexuelle Motive des Mannes seien nicht ersichtlich gewesen, wie auch eine Kontrolle seiner Handyfotos ergeben habe. „Da war nichts Anzügliches zu erkennen“, sagte Polizeisprecher Dominic Geißler. Die nicht angemessene Reaktion des Polizisten, der den Notruf der Jugendlichen, die sich belästigt fühlte, angenommen hatte, wird laut Geißler „nachbereitet“. Der Beamte hatte der Jugendlichen gesagt, sie solle sich an eine Polizeiinspektion wenden und war der Sache nicht sofort nachgegangen.

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