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Landkreis Günzburg

14.06.2019

Mann fällt 60 Bäume, die gar nicht ihm gehören

Mit einer Motorsäge (Symbolbild) machte der 25-Jährige kurzen Prozess. Deshalb stand der Mann jetzt vor Gericht.
Bild: Kletr, Fotolia

Ein 25-Jähriger rodet im Kammeltalter Ortsteil Hartberg 60 fremde Bäume und 90 Sträucher. Jetzt steht er vor Gericht. Warum hat er das nur getan?

Ganze 60 Bäume und 90 Sträucher fielen einem Bewohner des nördlichen Landkreises dieses Frühjahr zum Opfer. An einer Böschung an der Kreisstraße GZ 17 im Kammeltaler Orsteil Hartberg fällte er die Pflanzen in einem Zeitraum von nur zwei Wochen. Problem ist, dass die Rodung nicht auf seinem Grundstück stattfand und die Pflanzen Eigentum des Landkreises Günzburg waren. Der Sachschaden beträgt rund 23 000 Euro. Dafür erhielt der 25-Jährige einen Strafbefehl über eine Geldstrafe. Weil er diesen nicht akzeptieren wollte, wurde die Sachbeschädigung nun vor Gericht verhandelt.

Richter: Nicht einfach die Spielregeln ändern

Doch wieso griff er zur Motorsäge? Laut Angaben des Verteidigers seien die Bäume und Sträucher in das Grundstück der Großmutter des Angeklagten hinüber gewachsen. Der Täter, der hauptberuflich Gärtner ist, sei für den Garten zuständig gewesen. Bereits mehrmals habe ihn der Großvater deswegen darum gebeten, das Gewächs zu entfernen. Eine Rechtfertigung ist das für Richter Walter Henle aber nicht: „Man kann nicht einfach die Spielregeln nach eigenem Willen umgestalten. Das ist, unabhängig von dem entstehenden Schaden, nicht mit dem Gesetz vereinbar.“ Bei einem Überhang in das eigene Grundstück müsse man erst mit dem anderen Eigentümer sprechen. Schafft es dieser nicht, das Gewächs bis zu einer vereinbarten Frist zu entfernen, darf man selber aktiv werden.

"Tabula rasa" auf der Böschung

Dass viele der abgesägten Bäume und Sträucher aber gar nicht erst als Überhang galten, steht für Henle außer Frage. „Das hatte nichts mehr mit einem Überhang zu tun, sondern war komplette Tabula rasa auf der Böschung.“. Auch der Verkauf des gefällten Holzes wird vom Verteidiger kurz erwähnt. Demnach habe der Angeklagte trotz der großen Menge nicht viel Geld damit gemacht.

Der Verteidiger entschuldigt sich

Eine kurze Diskussion über die Strafgrundlage und das Urteil endet erfolglos. Die Strafe des Angeklagten lasse sich laut der Staatsanwaltschaft nicht mindern. Auch der angedeutete Vorwurf des Verteidigers, dass das Urteil bereits im Vorfeld beschlossen sei, stößt bei Richter Henle auf Unmut. „Das halte ich für unerhört!“, erwidert er. Der Rechtsanwalt entschuldigt sich und berät sich kurz mit seinem Mandanten. Schließlich steht fest: Der Einspruch gegen den Strafbefehl wird vom Angeklagten zurückgezogen. Zeugen und die Sachverständige des Landkreises Günzburg müssen nicht mehr befragt werden. Damit hat der Angeklagte den von der Staatsanwaltschaft beantragten und vom Gericht erlassenen Strafbefehl akzeptiert, der rechtskräftig ist. 3000 Euro (60 Tagessätze à 50 Euro) beträgt die Geldstrafe.

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