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Günzburg

29.10.2013

Mann sticht im Vollrausch auf Gast ein

Ein 59-Jähriger ist vom Günzburger Amtsgericht wegen Vollrausches zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
Bild: dpa (Archiv)

Das Amtsgericht Günzburg verurteilt einen 59-jährigen Trunkenbold, der sich an nichts erinnern kann.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – auch nicht, wenn man sich an eine begangene Tat nicht mehr erinnern kann. Bei einem Alkoholgehalt von 2,79 Promille im Blut zur Tatzeit ist dies sehr wahrscheinlich. Auf diesen Wert kam ein 59-Jähriger, der Ende vergangenen Jahres im Vollrausch in einem Café in Günzburg auf einen anderen Gast einstach. Am Amtsgericht Günzburg wurde ihm nun der Prozess gemacht. Er bekam ein Jahr auf Bewährung.

Einem Gast ein Klappmesser in die Brust gerammt

Der angeklagte Hartz-IV-Empfänger aus Günzburg hatte laut Staatsanwaltschaft aufgrund seines hohen Alkoholgehalts die Beherrschung verloren und einem Gast ein Klappmesser in die Brust gerammt. „Ich habe weder Erinnerung an die Tat noch an das Opfer“, beteuerte der wortkarge Mann vor Gericht.

Der 33-jährige Verwundete war an diesem Tag privat mit seiner Freundin im Café, wo er auch als Kellner arbeitete. Nachdem der Angeklagte seine Herztabletten mit einem Weizenbier runtergespült hatte, habe er ihn permanent und grundlos angepöbelt, berichtete das Opfer. Als der 33-Jährige versuchte, den 59-Jährigen zu beruhigen, habe ihn der Mann beschimpft und ohne Vorwarnung mit seinem Messer auf ihn eingestochen. „Ich sah das Messer nicht kommen“, sagte das Opfer. „Erst als er zustach, sah ich die Klinge aufblitzen. Nach seiner Tat hat er wortlos das Café verlassen.“

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Acht Monate lang brauchte das Opfer, um wieder seinem Kellner-Beruf nachgehen zu können

Der Verletzte wurde zum Nähen der Wunde ins Krankenhaus gebracht. Dass er nach der Attacke nicht in Lebensgefahr war, hatte er offensichtlich allein dem Zufall zu verdanken. „Mit ihrer Tat verursachten Sie eine 2,5 Zentimeter tiefe Schnittwunde“, sagte Richter Walter Henle in Richtung des Angeklagten. „Wäre ihr Messer tiefer eingedrungen, säßen sie heute wahrscheinlich beim Landgericht Memmingen wegen eines Tötungsdeliktes.“ Acht Monate lang brauchte das Opfer, um wieder seinem Kellner-Beruf nachgehen zu können. „Ich hatte massive psychische Probleme. Ich konnte keinem Gast mehr vertrauen“, sagte der 33-Jährige.

Letztlich wurde der 59-jährige wegen eines fahrlässigen Vollrauschs vorurteilt, der eine gefährliche Körperverletzung zur Folge hatte. Er bekam ein Jahr auf Bewährung und musste dem Opfer ein Schmerzensgeld von 1000 Euro zahlen. Der Verurteilte entschuldigte sich auch nach dem Prozess nicht beim Opfer.

Wer zu tief ins Glas schaut, läuft Gefahr, sich durch rechtswidrige Handlungen strafbar zu machen. Richter Walter Henle berief sich bei seinem Urteil auf Paragraf 323a Strafgesetzbuch (1): „Wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel in einen Rausch versetzt, wird mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafte bestraft, wenn er in diesem Zustand eine rechtswidrige Tat begeht ... und Schuldunfähigkeit aufgrund des Rausches vorhanden oder nicht auszuschließen ist.“

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