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Landkreis Günzburg

12.11.2018

Markus Söder baut auf Minister Hans Reichhart

Das hätte Hans Reichhart (Fünfter von rechts) bis Sonntagabend nicht für möglich gehalten. Acht Monate lang war er Staatssekretär im Finanzministerium. Jetzt traut Ministerpräsident Markus Söder (rechts) dem CSU-Politiker aus Jettingen-Scheppach zu, an der Spitze des Bau- und Verkehrsministeriums zu stehen.
Bild: Matthias Balk/dpa

Obwohl der Landeschef der Jungen Union es nicht mehr in den Landtag geschafft hat, lässt der Ministerpräsident den bisherigen Staatssekretär nicht fallen.

Das Spielchen kennt Hans Reichhart bereits: Selbst am Tag der Ernennung lässt er sich nicht anmerken, dass er zu den großen Überraschungen von Ministerpräsident Markus Söder gehören wird. Morgens ist er in München zunächst noch in Jeans und Pulli unterwegs, um später dann doch im dunkelblauen Anzug zunächst in der CSU-Fraktionssitzung und danach im Plenarsaal des Landtags aufzutauchen. Schließlich gehört er bei der Regierungsbildung zu den Hauptakteuren. Nach rund acht Monaten als Finanzstaatssekretär ist er fortan Minister für Wohnen, Bauen und Verkehr. Damit kommt aus dem Landkreis Günzburg 20 Jahre nach Alfred Sauter wieder ein Minister.

Der Günzburger CSU-Kreisvorsitzende Sauter hatte sich nach der Landtagswahl Kritik gefallen lassen müssen. Denn der 68 Jahre alte, bestens vernetzte Landtagsabgeordnete wollte sein Direktmandat behalten. Und über die Liste hatte nach dem CSU-Ergebnis keiner der christsozialen Bewerber in Bayern eine Chance, in den Landtag zu kommen. Sauter sagt, er habe sich immer ruhig verhalten, weil er sich sicher gewesen sei, „dass Reichhart nicht durch den Rost fallen wird“.

Für Reichhart selbst war es offensichtlich eine faustdicke Überraschung. Eine, von der er nach Informationen unserer Zeitung am Sonntagabend erfahren hatte. Der Ablauf war ähnlich wie im März, als ihn Ministerpräsident Markus Söder kurzfristig in die Staatskanzlei einbestellt und ihn gefragt hatte, ob er bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. Nach dem „Ja“ des Gefragten hatte der Regierungschef ihm damals noch viel Spaß gewünscht.

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Geheimnisträger für etwa 14 Stunden

Diesmal eröffnete Söder, der in der Vorwoche zum Ministerpräsidenten gewählt worden war, Reichhart nicht in seinem Büro den Aufstieg im Kabinett. Er nahm ihn nach der Sitzung der CSU-Bezirksvorsitzenden mit Noch-CSU-Chef Horst Seehofer zur Seite und offenbarte seine Vorstellung, ihm künftig noch mehr Verantwortung geben zu wollen. Von da an war Hans Reichhart für etwa 14 Stunden Geheimnisträger. Denn er wurde von Söder dazu verpflichtet, zu niemandem etwas zu sagen. Ausnahme war die Familie, die eigentlich erst einmal auf eine Auszeit und Neuorientierung eingestellt war.

Dr. Hans Reichhart aus Jettingen-Scheppach wird neuer Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Aber aus Urlaub und Erholung wird nun erst einmal nichts. „So schlecht habe ich ewig lange nicht geschlafen wie heute Nacht“, sagt Reichhart am Montag gegenüber der Günzburger Zeitung. Er berichtet von seiner Familie, die sich nach einem langen „Puuh“ sehr gefreut habe. Seine Frau Johanna und die beiden Kinder Benedikt, 4, und Theresa, 1, mussten in dem zurückliegenden Wahlkampf häufig auf den Ehemann und Vater verzichten. „Wenn das nicht vorbehaltlos unterstützt wird, geht so etwas nicht“, sagt Hans Reichhart.

Der letzte Akt im Prinz-Carl-Palais

Diesmal wurde der 36-Jährige nach der Erklärung des Ministerpräsidenten und der anschließenden Aussprache im Landtag nicht als Letztes der Kabinettsmitglieder aufgerufen. Seinen Namen las Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) nach dem neuen Staatskanzleichef Florian Herrmann und Innenminister Joachim Herrmann vor. Die Regierungsmannschaft stand im Halbrund vor Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die sie vereidigte. Der letzte Akt des Regierungsbildungstages fand dann im Münchner Prinz-Carl-Palais statt, wo Söder den Ministern und Staatssekretären die Ernennungsurkunden übergab.

Reichhart spricht in ersten Interviews von einer „gigantischen Herausforderung“, auf die er sich riesig freue. Die Arbeit in seinem Ministerium betrachtet er als große Zukunftsaufgabe. Die mobile Gesellschaft ist für den Minister, JU-Landesvorsitzenden, Günzburger Kreisrat und Marktgemeinderat in Jettingen-Scheppach ebenso ein Themenfeld von zentraler Bedeutung wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Man hat enorme Gestaltungsmöglichkeiten, die man nutzen muss, sagt Reichhart und bekennt: „Vor der vor mir liegend Aufgabe habe ich einen Heidenrespekt. Es wäre ja falsch zu sagen, ich erfinde das Rad neu. In den nächsten Tagen werde ich versuchen, mit vielen aus dem Haus und mit vielen Externen zu reden, wie wir manche Themen vielleicht auch anders angehen können. Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Das Ganze ist eine Teamleistung.“

Reichhart will beim Umzug mit anpacken

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann hatte am Montag in der Aussprache im Landtag im Zusammenhang mit dem Wohnbau von einer „der größten und herausforderndsten Aufgaben unserer Zeit“ gesprochen. Dabei geht es Hartmann in erster Linie nicht darum, Eigentum zu fördern. Das Hauptaugenmerk solle Bayern auf den Mietwohnungsbau richten und ihn ankurbeln, indem dafür mehr staatliche Grundstücke zur Verfügung gestellt werden.

Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Horst Arnold kritisierte den von Söder beachteten Regionalproporz, weil er für Schwaben jemanden an den Kabinettstisch bringe, der nicht einmal im Parlament sitze. Arnold sieht die Berufung Reichharts in den Ministerrat auch als ein Danke dafür, dass sich die JU im vergangenen Jahr zu Söder bekannt hat. „Der Verdacht drängt sich auf“, sagte der Genosse aus Fürth.

Das ist Ernennungsurkunde des neuen Bauministers Hans Reichhart (CSU) aus Jettingen-Scheppach.
Bild: Archiv Reichhart

Im neuen Ministerium war früher die Oberste Baubehörde untergebracht. Das Gebäude liegt gegenüber der Staatskanzlei. Mit Reichhart wechselt auch Büroleiter Matthias Dohse vom Finanz- ins Bauministerium. „Ich kenne dort schon einige Leute, mit denen ich seit Jahren in anderer Funktion zusammengekommen bin. Da fällt das Ankommen leichter“, meint der Minister, der am Montagabend die Abteilungsleiter im neuen Haus getroffen hat. Beim eigenen Umzug will er mit anpacken. Nur wann? Schließlich trifft sich das Kabinett am Dienstag bereits zur ersten Sitzung.

Das sagen politische Weggefährten aus dem Landkreis

Politische Weggefährten aus dem Landkreis Günzburg sind jedenfalls begeistert von Markus Söders Entscheidung, Hans Reichhart zu Bayerns neuem Bauminister zu machen. Die stellvertretende Günzburger Landrätin Monika Wiesmüller-Schwab freut sich nach eigenen Worten „sehr für den Hans. Ich fand die Nachricht großartig.“ Reichhart bezeichnet sie als jungen, dynamischen Nachwuchspolitiker. „Und wir brauchen junge Leute in der Politik.“ Der neue Bauminister werde noch sehr viele verantwortungsvolle Jahre vor sich haben, sagt Wiesmüller-Schwab voraus.

Mit Reichharts Platz am Regierungstisch wird die Diskussion um die Nachfolge von Landrat Hubert Hafner neu belebt, der 2020 aus seinem Amt ausscheiden wird. Bislang galt der neue Minister als Favorit für diesen Posten. „Für mich war klar, dass Reichhart der Nachfolger wird“, sagt auch Wiesmüller-Schwab auf Anfrage. Aber nun „werden die Karten neu gemischt“. Das sei ein Umstand, mit dem sich die Partei erst einmal beschäftigen müsse. Zu eigenen Ambitionen will die Landratsstellvertreterin nichts sagen. Ihre aktuelle Aufgabe nennt sie „sehr interessant“. Es gebe „viele Gestaltungsmöglichkeiten“.

Georg Schwarz, der Bürgermeister Thannhausens, ist überzeugt davon, dass Reichhart als Minister viel bewegen kann. Das habe auch der damalige Innenstaatssekretär Alfred Sauter bewiesen, als ihm seinerzeit dieses Themenfeld zugefallen war. „Es ist eine Chance für uns als Region und für Hans Reichhart, sich zu beweisen. Es freut mich, dass Söder Nägel mit Köpfen gemacht hat. Gedacht hätte ich das nicht“, so Schwarz abschließend.

CSU-Bezirksrätin Stephanie Denzler reagiert zunächst mit drei Worten auf Reichharts Ernennung. „Der absolute Hammer.“ Dann sagt sie: „Ich freue mich unglaublich für den Hans.“ Vom Bau- und Verkehrsministerium könne der Landkreis profitieren. Auch Denzler gilt als potenzielle Kandidatin für den Posten der Landrätin. Über sich sagt sie, dass sie im Bezirkstag das Interesse des gesamten Landkreises seit Jahren vertrete. Aber sich jetzt zu Hafners Nachfolge und einer möglichen eigenen Bewerbung zu äußern, „ist der falsche Moment“.

Lesen Sie hier den Kommentar von Till Hofmann zu Reichharts Ernennung.

Sehen Sie hier eine Einschätzung von Bayern-Redakteur Holger Sabinsky-Wolf im Video.

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