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Günzburg

27.09.2016

Meisterhaft interpretierte Emotion

Eine beeindruckende Solistenleistung gehört traditionell zum Festival „Bach in Rokoko“. Am Samstag erbrachten sie Stefan Steinemann, Julian Romanowsky, Felix Zilmans und Michael Stark.
Bild: Gertrud Adlassnig

Mit Bachs h-Moll-Messe schufen die Augsburger Domsingknaben in Günzburg einen krönenden Abschluss von Bach in Rokoko.

Mit dem Abschlusskonzert am Sonntag ging das Festival Bach in Rokoko grandios zu Ende. Die Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Reihard Kammler setzten mit der Hohen Messe in h-Moll erneut Maßstäbe. Die Barockmesse mit höchsten Ansprüchen an die Sänger wurde von Johann Sebastian Bach im Wechsel für Chor und Solostimmen komponiert und vertont intensivste Gefühle.

Die Konzertbesucher in der voll besetzten Frauenkirche wurden von den Sängern, unterstützt vom Residenz-Kammerorchester München durch Emotionen geleitet, die sich in den liturgischen Texten finden. Mit dem Klagelied des Kyrie ließ der Chor, über dem die hellen Sporanstimmen schwebten, Schmerz und Trauer auf- und abschwellen, die Sopransolisten Valentin Wohlfarth und Benedikt Hillringhaus lassen den innigen Dialog des Glaubenden mit dem Erlöser im Christi Eleison erklingen.

Ganz anders das Gloria, das mit Jubel und Freude Glauben als frohe Botschaft begreift. Alle Stimmen tragen mit ihren Soli zur Ehre Gottes bei. Parallel zum Kyrie ist weist auch das Gloria ein Duett auf: Nun werden Gott Vater und Sohn versinnbildlicht. Bevor das Gloria zum Jubel zurückführt, muss der Gläubige durch die Tiefen des des menschlichen Daseins, die Sünde der Welt. Eindringlich interpretiert durch den klagenden Chor.

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Die himmlischen Heerscharen, die in vielfältiger Weise in der Ausschmückung der Frauenkirche Gestalt angenommen haben, schweben im Sanctus als Klangwolke durch den Rokokobau. Großartig vielstimmig, varationsreich, hymnisch wie die Darstellungen der Engel.

Die Hohe Messe in h-Moll führt in typischer Barockmanier von den jubelnden Höhen in die schmerzensreichen Abgründe. Doch das Ende verheißt Hoffnung und Zuversicht: Chor und Orchester lassen keinen Zweifel an dem Sieg der frohen Botschaft. Schließlich endet ein ergreifender, großartiger Musiknachmittag und ein exquisites Festival voll guter Gewissheit und großer Dankbarkeit für ein einzigartiges Musikerlebnis.

Erst lange nachdem der letzte Klang verhallt war, lösten die Zuhörer sich aus ihrer andächtigen Stille und zeigten mit nicht enden wollendem Applaus ihre Begeisterung für das Konzert Augsburger Domsingknaben und ihrem Leiter, Domkapellmeister Reinhard Kammler.

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