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Ichenhausen

08.07.2017

Mieter bekommen Strom vom eigenen Dach

Circa vier Millionen Euro investiert die Mayer und Gorzitze GbR für die Bebauung des Sky-Areals in Ichenhausen mit drei Mehrfamilienhäusern und einem Geschäftshaus. Beim Spatenstich gestern war die Freude groß, nächsten Sommer sollen die Mieter schon einziehen können. Das Bild zeigt von links Bürgermeister Robert Strobel, Werner Mayer, Kerstin Gorzitze, Bauunternehmer Michael Bornschlegel, Christian Gorzitze und Architektin Birgit Dreier.
Bild: Irmgard Lorenz

Drei Mehrfamilienhäuser und ein Geschäftshaus entstehen auf dem ehemaligen Sky-Areal.

Christian Gorzitze sagt es unumwunden: Er und seine Ehefrau Kerstin sowie Werner Mayer, die sich als Gesellschaft bürgerlichen Rechts GbR zu einer Bauherrengemeinschaft zusammengeschlossen haben, seien „mit einer gewissen Naivität an das Projekt gegangen.“ Trotzdem sind die drei Gesellschafter fest davon überzeugt, dass ihr Projekt, der Neubau von drei Mehrfamilienhäusern mit Mietwohnungen und einem Geschäftshaus ein Erfolgsmodell für Ichenhausen wird. Dazu soll auch eine innovative Energieversorgung beitragen. Beim Spatenstich war von „Pioniercharakter“ die Rede.

Ein kleines Projekt sollte es ursprünglich werden, der Steuerberater wollte sein Wohnhaus umbauen, um mehr Platz für die Kanzlei zu gewinnen. Dann kam der Gedanke an einen Neubau mit vielleicht einem halben Dutzend Mietwohnungen. Und schließlich die Frage: „Was will der von uns?“, nachdem Ichenhausens Bürgermeister Robert Strobel bei der Suche nach einem passenden Bauplatz das seit acht Jahren verwaiste und heruntergekommene 5000 Quadratmeter große Sky-Areal vorgeschlagen hatte. Schließlich erkannten das Ehepaar Gorzitze und Werner Mayer das Potenzial der Fläche, die zentral, aber doch etwas abgeschirmt vom Verkehrslärm ist. Die Bauherren kauften der Stadt etwa 3800 der 5000 Quadratmetern ab, Architektin Birgit Dreier plante drei Mehrfamilienhäuser mit 18 Mietwohnungen zwischen 67 und 108 Quadratmetern Wohnfläche und ein zweigeschossiges Kanzleigebäude. Insgesamt circa vier Millionen Euro sollen investiert werden. Die Bauherren – Christian Gorzitze bezeichnete sich als „Bau-Laien“ – holten sich Partner ins Boot, die er schon seit vielen Jahren kennt und denen er vertraut. Als Generalunternehmen ist das Kammeltaler Bauunternehmen Michael Bornschlegel engagiert. Eine wichtige Rolle spielen aber auch Partner, die die Bauherren erst seit kurzem kennen und über das Internet gefunden haben: Der Mieterstromexperte Harald Will und Christopher Winter, Projektleiter Mieterstrom von Green City Energy in München. Sie setzen mit den Bauherren ein Novum für Ichenhausen um, ein Mieterstromprojekt im Rahmen einer Quartierslösung. Möglich macht dies das Ende Juni beschlossene Mieterstromgesetz, denn bislang durfte Strom nur in das Gebäude geliefert werden, wo er produziert worden ist, um als Mieterstrom förderfähig zu sein.

Die Bauherren werden in dem neuen kleinen Quartier an der Annastraße mit einer Photovoltaikanlage, kombiniert mit einer zentral betriebenen Pelletheizung, eine gemeinschaftliche Wärme-und Stromversorgung schaffen. Jährlich etwa 94500 Kilowattstunden Ökostrom will Green City Energy erzeugen, die das TÜV-Siegel Wegbereiter der Energiewende trägt und die Anlage pachten und betreiben wird. Mieter können also Strom vom eigenen Dach beziehen, aber sie können nach Wunsch auch einen anderen Versorger wählen. Den zusätzlich benötigten Netzstrom liefert Green City Energy aus drei unternehmenseigenen Windparks und drei Wasserkraftanlagen in Bayern.

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Projektleiter Winter sprach beim Spatenstich in Ichenhausen gestern von einer „demokratischen Energiewende“, Berater Harald Will betonte den ökologischen und zugleich ökonomischen Nutzen dieser Lösung. Weil der Mieterstrom nicht durch öffentliche Netze fließt, entfallen Netzentgelte, Umlagen, Stromsteuern und Konzessionsabgaben, so dass sowohl Mieter als auch Vermieter profitieren.

„Eine tolle Sache“, sagte Bürgermeister Strobel und sprach von „sehr visionären Bauherren“. Die Neugestaltung und Bebauung des ehemaligen Supermarkt-Areals sei eine Bereicherung für die Innenstadt, der Nachhaltigkeitsgedanke bei der Energieversorgung äußerst positiv. 40 Parkplätze bleiben der Öffentlichkeit erhalten, versicherte Strobel und kündigte eine „Aufwertung“ der städtischen Fläche an, von der er „Signalwirkung“ auf das Umfeld erwartet. Und am Rand des Spatenstichs wurde schon von einer weiteren Vision gesprochen, es ging um den Betrieb einer Stromtankstelle für Elektrofahrzeuge.

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