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Günzburg

29.07.2019

Mildes Urteil nach schwerem Unfall

Eine 19-Jährige hatte im vergangenen Dezember auf der Staatsstraße 2025 einen schweren Unfall gebaut. Jetzt musste sie sich vor dem Amtsgericht Günzburg verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Eine 19-Jährige verursachte einen Zusammenstoß mit drei Schwerverletzten. Die Ursache lässt sich vor Gericht nicht klären. Unter den Folgen leiden alle Beteiligten.

Die Folgen waren schlimm: Am 1. Dezember vergangenen Jahres krachte eine 19-Jährige mit ihrem Audi auf der alten Staatsstraße 2025 nahezu frontal gegen einen Porsche. Der Fahrer, dessen 14 Jahre alte Tochter und die Unfallverursacherin wurden schwer verletzt. Nun musste sich die junge Frau für diese Kollision vor dem Günzburger Amtsgericht verantworten und kam glimpflich davon. Die Verhandlung bei Jugendrichterin Jessica Huk begann mit leichter Verzögerung. Einmal weil die elektronische Anzeigetafel vor dem Gerichtssaal nicht funktionierte. Und außerdem, weil die Angeklagte noch unter den Nachwirkungen des Unfallgeschehens litt.

Wie die GZ berichtet hatte, war die junge Frau damals mit ihrem Audi in Richtung Röfingen gefahren. In einer Rechtskurve kam sie auf die linke Straßenseite und krachte in einen entgegen kommenden Porsche. Beide Autos im Wert von mindestens 130 000 Euro hatten nur noch Schrottwert.

Angeklagte bricht immer wieder in Tränen aus

Als die 19-Jährige vor Gericht ihre Aussage machte, brach sie immer wieder in Tränen aus. „Es tut mir leid“, sagte die Angeklagte. Sie sei an diesem Nachmittag auf dem Weg zum Adventsmarkt in Jettingen gewesen, wie ihr Verteidiger, der renommierte Neu-Ulmer Anwalt Wolfgang Fischer, ergänzt. Wie es zum verhängnisvollen Unfall kam, daran könne sie sich nicht mehr erinnern. Auch nicht, ob sie durch Handy oder Radio abgelenkt gewesen sei, wie Richterin Jessica Huk wissen wollte. Staatsanwaltliche Ermittlungen zu diesen fraglichen Ursachen waren nicht geführt worden. Die 19-Jährige hatte bei dem Unfall erhebliche Verletzungen davon getragen, unter anderem einen Armbruch und eine Lungenquetschung, sie lag 14 Tage im Krankenhaus.

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Wesentlich härter hatte es den Fahrer des Porsche getroffen. Dem Handwerksmeister wurde bei dem Zusammenstoß die Nase abgerissen, diese konnte aber wieder angenäht werden. Außerdem erlitt er Brüche von Jochbein, Brustbein, Oberschenkel und linkem Schienbein. Möglicherweise hatte der im Porsche eingebaute Überrollkäfig noch Schlimmeres verhindert, hieß es in der Sitzung. Der heute 48-Jährige hatte kurz vor dem Unfall noch bemerkt, dass das entgegenkommende Auto immer weiter auf seine Straßenseite gekommen war und vergeblich ein Ausweichmanöver versucht, wie er als Zeuge aussagte. An den Aufprall selbst habe er keine Erinnerung. Erst als das Auto als Wrack auf einer Wiese stand, habe er das Geschehen wieder registriert.

Teenager leidet noch heute unter den Folgen des Unfalls

Seine 14-jährige Tochter erlebte den Alptraum auf dem Beifahrersitz und schilderte den Unfall emotional sehr bewegt. Zum Teil unter Tränen berichtete sie über den Anblick ihres verletzten Vaters, um dessen Leben sie fürchtete, und das viele Blut im Auto. An den Folgen leidet der Teenager heute noch. Sie habe Angst, wenn sie im Auto sitze und andere Fahrzeuge entgegen kommen. Mit starken Rückenschmerzen und Prellungen musste die 14-Jährige damals eine Nacht im Krankenhaus zubringen.

Ein Entschuldigungsbrief der Unfallverursacherin sei angekommen, sagte der 48-Jährige auf Nachfrage von Verteidiger Fischer. Er habe sich aber eine persönliche Entschuldigung erhofft. Doch dazu sei seine Mandantin noch nicht in der Lage gewesen, sagte ihr Anwalt.

Susanne Czudnochowski von der Jugendgerichtshilfe hielt für die Angeklagte eine Verwarnung, Sozialstunden und ein Sicherheitstraining als Bestrafung für ausreichend. Dem folgte die Staatsanwältin mit ihrem Antrag. Sie beschrieb den tragischen Unfall als einschneidendes Ereignis für die Angeklagte und die Geschädigten. Alle Beteiligten seien nur Opfer, meinte Anwalt Fischer in seinem Plädoyer.

Ein Fahrverbot hält Anwalt Wolfgang Fischer nicht für nötig

Er ging auf die schweren Verletzungen des Vaters und seiner Tochter ebenso wie auf die seiner Mandantin ein, die psychisch vor der Verhandlung erheblich unter Druck gestanden sei. Sie habe durch eine kurze Unaufmerksamkeit einen fürchterlichen Unfall verursacht. Die Bestrafung nach Jugendrecht mit Verwarnung und Sozialstunden hielt Fischer für ausreichend, ein Fahrverbot sei nicht notwendig. In ihrem Schlusswort entschuldigte sich die Angeklagte noch einmal schluchzend für ihren verhängnisvollen Fahrfehler.

Im Urteil entsprach Richterin Huk exakt diesen Anträgen mit der Verwarnung, 30 Sozialstunden und einem Fahrtraining als Auflage. Da die 19-Jährige vorher noch nie aufgefallen sei und nicht als Verkehrsrowdy eingestuft werde, könne von einem Fahrverbot abgesehen werden.

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