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01.08.2020

Mirko Cavar ist jetzt Ehrenbürger

Bürgermeister Erwin Haider (links) überreichte die Urkunde der Marktgemeinde Münsterhausen, die Pfarrer Mirko Cavar zum Ehrenbürger ernennt.
Bild: Lindenmayr

Was der langjährige Münsterhauser Pfarrer seiner Gemeinde bei der Verabschiedung mit auf den Weg gab

Die Sonne strahlte und die Musiker der Musikvereinigung Münsterhausen spielten. Die geladenen Gäste nutzten nach dem Standkonzert und dem Sektempfang die Gelegenheit, sich persönlich von Pfarrer Mirko Cavar zu verabschieden, der sie seelsorgerisch 31 Jahre lang begleitet hatte. Zuvor, beim Gottesdienst und den anschließenden Reden, hielten sich Wehmut und Dankbarkeit die Waage. 31 Jahre sind eine lange Zeit und dennoch hätten sich viele Mitglieder der Pfarrgemeinde noch ein paar Jahre mehr gewünscht, wie es der Abgeordnete Georg Nüßlein (CSU) in seiner spontanen Ansprache ausdrückte. In einer Zeit wachsender Kirchenaustritte und schmerzlichen Priestermangels sei es nicht nachvollziehbar, wenn das bischöfliche Ordinariat einem Pfarrer vorzeitig den Ruhestand anbiete. Und schließlich handle es sich bei Mirko Cavar um einen Geistlichen, der den Menschen nahegestanden und ihnen in allen Lebenslagen beigestanden habe. Pfarrer, die wie entrückte Barockengel weit ab von den Gläubigen wirkten, davon habe die Kirche genug, erklärte der Bundestagsabgeordnete.

Pfarrer Mirko Cavar fand sehr emotionale Worte, um sein Verhältnis zu seiner Pfarrgemeinde zu charakterisieren. Mit Leib und Seele sei er in die Pfarrei hineingewachsen und er habe sich in sie verliebt. Einen schmerzlichen Abschied habe er zu bestehen. Aber Abschied nehmen, das gehöre zum Leben. Er habe immer wieder Abschied nehmen müssen, von seinen Eltern, seiner Heimat, vom Frieden in seiner Heimat. Ein anderer schmerzlicher, aber fruchtbarer Abschied sei es für ihn gewesen, als er sich von bestimmten Glaubensinhalten getrennt habe.

Er glaube nicht an einen Gott, der Angst mache, und er lehne Aussagen ab, die der Frohbotschaft der Gottesverkündigung widersprächen. Seine Gotteshäuser habe er zu Orten machen wollen, wo Gott spürbar werde, wo er wohne, spreche und singe. Mit Bezug auf den Text der Lesung aus dem „Buch der Könige“ wünschte Mirko Cavar seinen Gläubigen ein „hörendes Herz“. Gott sei in der Welt tatkräftig am Werk und jeder solle mit einem hörenden Herzen nachforschen, wo die Verantwortung, wo die Aufgabe in Familie, Kirche und Gesellschaft sei, die Gott ihm zugedacht habe. Er selbst habe seinen Weg gesucht und er sei ihn mit Überzeugung gegangen, unabhängig davon, ob er damit anderen gefalle oder nicht.

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Pfarrgemeinderatsvorsitzender Helmut Atzkern meinte in seiner Rede, es gebe wohl keinen in der Pfarrgemeinde, den nicht persönliche Erinnerungen mit Pfarrer Mirko Cavar verbinden würden, und es gebe niemanden, der keinen Anlass habe, sich zu bedanken. Atzkern zählte eine beeindruckende Zahl an Neuerungen auf, die die Pfarreiengemeinschaft ihrem scheidenden Geistlichen verdanke.

Die Fülle an gemeinsamen Aktivitäten leiste einen wertvollen Beitrag zu einem funktionierenden Gemeinwesen. Auf die vielfältigen Aktivitäten des Pfarrers spielte auch Wolfgang Seitel an, der im Namen aller Vereine sprach: Ruhestand und Mirko Cavar, das sei für ihn ein Gegensatz, den man sich größer kaum vorstellen könnte. Bemerkenswert sei vor allem die Initiative zum Gemeindefest gewesen.

Bürgermeister Erwin Haider schlug in die gleiche Kerbe mit seiner Bemerkung, so engagierte Menschen wie Cavar seien selten geworden. Mit ihm habe die Gemeinde einen begnadeten Ideengeber, Organisator und Motivator gehabt. Haider verlieh die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde an Mirko Cavar, die höchste Auszeichnung, welche sie zu vergeben hat. Coronabedingt muss die Verabschiedung von Cavar in vielen Einzelschritten vorgenommen werden. Trotz strenger Auswahl der geladenen Gäste war die Kapazität der Pfarrkirche St. Peter und Paul beim Festgottesdienst zur Verabschiedung am Limit.

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