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10.06.2009

"Mit 190 durch die Wüste"

Günzburg Es muss heiß gewesen sein. Unsagbar heiß. Glühender Asphalt, glühende Motoren. Doch es war für einen guten Zweck und am Ende haben sich die Strapazen und die rund 6000 Kilometer lange Fahrt wohl gelohnt. Stefan Baur und das Rallyeteam "Schwabenpower" sind im Rahmen der "Rallye Allgäu - Orient" von Anfang bis Mitte Mai quer durch Europa bis in das Morgenland gefahren (wir berichteten). In Jordanien verkauften sie abschließend kurzerhand ihre Autos und spendeten das Geld für ein Hilfsprojekt - mit an Bord waren sogar die Vereinten Nationen. Nun ist das Günzburger Team wieder zu Hause.

Acht Günzburger sitzen eng auf eng in drei Autos und fahren Tausende von Kilometern über Berge, Täler, Wüsten... Welchen Platz haben Sie am Schluss belegt?

Baur: Wir sind Vierte geworden - zusammen mit allen anderen, die nicht in Amman auf dem Siegertreppchen der ersten Drei standen. Aber die Fahrt an sich war schon ein großes Abenteuer.

Die Autos haben Sie in Jordanien gelassen - warum?

"Mit 190 durch die Wüste"

Baur: Die Rallye wurde ja auch von den Vereinten Nationen unterstützt. Eine Bedingung für die Teilnahme an der Rallye war, dass wir den Erlös aus dem Verkauf der Rallye-Autos vor Ort spenden. Wie viel in unserem Falle letztlich herausgesprungen ist, das weiß ich nicht, da der Verkauf von Mitarbeitern des Projektes vor Ort übernommen wurde - das ganze Geld kommt jedenfalls einem Hilfsprojekt in der Nähe von Amman in Jordanien zugute. Dort werden Beduinen unterstützt. Eine Käserei wird aufgebaut, die Menschen können somit Nahrungsmittel selbst konservieren und haben Arbeit. Die Rallye wurde deshalb vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen unterstützt.

Sie sind ja zwischen dem 2. und 12. Mai einige Kilometer gefahren - wann hat es die erste Panne gegeben?

Baur: Den ersten Aussetzer hatten wir bereits in Österreich. Eines unserer drei Autos hat sich verfahren ... Wir haben uns aber wiedergefunden, mussten die Jungs allerdings erst mal zurechtweisen - nein, Spaß beiseite, das hat schon gepasst ...

Eine so lange Reise bedeutet viele Eindrücke von Land und Leuten. Was war denn besonders eindrucksvoll auf der Fahrt? Was bleibt hängen?

Baur: Toll war die Freundlichkeit der meisten Menschen in den verschiedenen Ländern. Die Straßen sind aber teilweise sehr abenteuerlich. Man kann gar nicht glauben, was es auch in der EU für Zustände gibt. Vor allem in Rumänien und Bulgarien gab es kanaldeckelgroße Löcher im Asphalt. Nachts konnten wir dort nicht fahren, das wäre zu gefährlich gewesen. Viel schlimmer war jedoch die Situation vieler Menschen. Es gab in Bulgarien und Rumänien richtige Slums, Elendsviertel. Die Menschen dort leben unter sehr ärmlichen Bedingungen. Aber die Umgebung, die Landschaften, in denen wir schließlich dann waren, die war schon sehr beeindruckend. Felsenwüsten, das Jordantal, der See Genezareth... Es war auch toll, einmal mit 190 Kilometern pro Stunde durch die Wüste rasen zu dürfen. Rechts und links nur Sand! In der Wüste haben wir sogar in einem Beduinenlager übernachtet.

Sie sind auf ihrer Tour auch an Brennpunkten der aktuellen Weltpolitik vorbeigefahren ...

Baur: Das war schon etwas komisch. Wir waren an der Grenze zum Irak, hätten theoretisch mal eben nach Bagdad abbiegen können. Auch die israelische Grenze war nicht weit. Unsere Reise war jedoch sehr friedlich. Von den Kriegen haben wir kaum etwas gesehen. Nur indirekt: An einem palästinensischen Flüchtlingslager haben wir Hilfspakete über die Zäune geworfen - die Menschen standen bereits dort und warteten. Ähnliche Zustände haben wir aber auch in Südosteuropa beobachtet. Das Gefälle zwischen arm und reich ist auch dort sehr hoch.

Nach zehn Tagen voller Eindrücke, aber auch voller Wüstensand und Staub in den Lungen: Wie war das Gefühl, endlich das Ziel erreicht zu haben?

Baur: Das war einfach gut. In Amman wurden wir sogar sehr freundlich von einer Polizeieskorte empfangen, am Abend hatten wir gemeinsam mit den 400 anderen Teilnehmern sogar einen Empfang bei der jordanischen Prinzessin Basma in einem Fünfsternehotel. Nach zwei Tagen Erholung mit einem vollen Besichtigungsprogramm sind wir zurück nach Deutschland geflogen. Insgesamt hatten wir wohl keinen klassischen Wellness-Ausflug. Aber: Im nächsten Jahr wollen wir wieder dabei sein.

Bei uns im Internet:

Die Blog-Einträge von der Reise des Teams können unter der Rubrik "alle Blogs" über das Suchwort "Schwabenpower" abgerufen werden unter:

guenzburger-zeitung.de/servus

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