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Schlossserenade

09.07.2018

Mit Kanonendonner und Siegesglocken in Harthausen

Gut 1000 Zuhörer erlebten den Serenadenabend mit der Jugendblaskapelle vor der Harthauser Schlosskulisse.
Bild: Helmut Kircher

Klassik und Moderne standen auf dem Programm des Sommerkonzerts der Musikschulen Gundremmmingen, Offingen und Rettenbach.

Serenadenstimmung traf sich, vor Harthausens buntbeleuchteter Schlosskulisse, mit lauer Sommernacht. Schmückte sich mit blechbläserner Romantik aus Filmhits, Klassik und Moderne. Mischte sich mit der Virtuosität und dem Spielwitz eines 84-köpfigen Jugendorchesters der vereinten drei Musikschulen und traf sich zum Rendezvous, das aus Alt Neu machte, das längst Vergangenes den Geist des Jetzt atmen ließ.

Zum vierten Mal hatte die Familie von Riedheim ihren Schlossgarten dafür zur Verfügung gestellt, und Maestro Klaus Schlander ließ keinen Zweifel daran, dass der dem Jugendorchester wie Donnerhall vorausgehende Ruf geschliffener Hochglanzpolitur zurecht besteht. Erfrischend, mit welch ungezwungener Spiellust sich die Jungmusikanten in die für Bläser bearbeiteten, neoklassischen Arrangements altbekannter Jahrhundertwerke stürzten. Wie sie mit ausgetüfteltem Klangfarbenspiel den eröffnenden „Kings March“ mit adelsgerecht bombastischer Glorie umgaben, wie witzig elegant sie im nostalgischen Flair von Anden und „Cordilleras“, neben trompetenschmetternden Vulkanen, die Querflöten bauchtanzen ließen.

Musik machen heiße „mehr als nur die Noten spielen“, hatte Musikschulleiter Schlander jedem Mitglied seines Orchesters, unsichtbar aber wirkungsvoll, ans Notenpult geheftet. Und das ist aus jedem Takt herauszuhören. „Musik nicht nur hören, Musik erleben“, wie in den raumschiffig bedrohlichen Sphärenklängen des „Star Trek“, den instrumental vorwitzigen, mit brummbäriger Deftigkeit und so gar nicht schlaffördernd seelengewichtigen Lullaby-Melodik des „Wizard of Oz“. Zu spüren auch schon beim instrumental-solistischen Nachwuchs: dem 21-jährigen, frischgebackenen Jungdirigenten Tizian Foag, der das willig mitgehende Orchester im „Gladiator“ sicher und atmosphärefüllig durch crescendi und decrescendi steuerte; die 17-jährige Sophie Gross in ihrem „Aranjuez“-Trompetensolo, das sie, „con amor“ und mit zerbrechlicher Traurigkeit, virtuos und erfrischend kontrastreich in Szene setzte; oder die gleichaltrige Geigerin Frieda Zielinski, die dem musikalischen Anspruch ihrer Csárdás-Interpretation in all seiner Presto-Vitalität und ausschweifenden Klanglichkeit voll gerecht wurde.

Zum Abschluss das Filetstück des Abends: Pjotr Tschaikowskis „Ouvertüre 1812“ als gekürzte, aber nicht weniger anspruchsvolle Bläserbearbeitung mit Namen „The Best of 1812“ – die in Töne gesetzte Beschreibung der russisch-französischen Schlacht um Moskau im Jahr 1812. Eine Auftragskomposition, von Tschaikowski ungeliebt und „ohne Herzblut“ geschrieben, vom Publikum aber hochgeschätzt und als Soundtrack in unzähligen Fernsehserien und Kinofilmen Eingang findend. Spätromantisch wuchtig wogte glorioses Schlachtgetümmel, in Form der Nationalhymnen beider Länder, hin und her, in überbordenden Effekten. „Marseillaise“, kontrapunktisch in dynamischem Drive, gegen russisches „Gott erhalte den Zar“. Und endete, eingebettet in siegreiches Glockengeläut und mit zum Kanonendonner aufgewertetem Feuerwerk (weit hinter dem Schlossgarten) in berechtigt aufbrausendem Publikumsjubel mit Bravogehalt. Zu versöhnendem Gleichschritt via heimatliche Gefilde schlussendlich noch die Zugabe in Form von „Yorkscher Marsch“.

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