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Interview

18.03.2021

Mountainbiker Andreas Egger aus Obergessertshausen: „Ich gehe meinen eigenen Weg“

Schinderei in idyllischer Umgebung: Andreas Egger auf dem Weg zu Platz zwölf bei den Deutschen Meisterschaften 2020 in Obergessertshausen.
Foto: Armin Küstenbrück

Plus Andreas Egger steht oft im Schatten seines Bruders Georg. Nicht nur deshalb ist das Heimspiel in der Mountainbike-Bundesliga ein ganz besonderes Erlebnis für ihn.

Über das Wochenende 20./21. März 2021 finden in Krumbach und Obergessertshausen die ersten beiden Läufe zur Mountainbike-Bundesliga 2021 statt. Für Sie und Ihren Bruder wird das also ein Heimspiel. Freuen Sie sich schon darauf, Herr Egger?

Andreas Egger: Man muss zunächst mal erleichtert sein, gerade in Deutschland, dass man jetzt so ein Rennen veranstalten darf. Und wir Mountainbiker sind alle froh, dass wir mal wieder Gas geben können. Dass wir zum Saisonstart so ein Riesen-Event praktisch vor der Haustür haben, macht mich umso glücklicher. Und es zählt auch viel, vor Ort für den MSC Wiesenbach zu fahren.

"Auf den kurzen Distanzen bin ich nicht wirklich gut"

Was rechnen Sie sich in Sachen Platzierung aus?

Andreas Egger: Ich selbst werde wohl keine große Rolle spielen. Und ich werde auch nur beim Cross-Country-Rennen am Sonntag am Start sein. Auf das Shorttrack-Rennen am Samstag verzichte ich, denn auf den kurzen Distanzen bin ich nicht wirklich gut und ich möchte mich auch ein wenig schonen für den zweiten Tag der Gesamtveranstaltung.

Zuschauer sind aufgrund der Pandemie-Vorschriften nicht erlaubt. Wie wird es sich anfühlen, ohne Anfeuerung durch die heimische Flur zu pesen?

Andreas Egger: Das wird schwierig, die Fans werden mir fehlen. Es ist ein komisches Gefühl. Immerhin sind die eigenen Betreuer und die Streckenposten des MSC Wiesenbach da. Das ist besser als nichts. Lieber wäre mir natürlich, wenn das ganze Dorf oder die ganze Region hinter einem steht und einen anfeuert. Aber wenn man vollgas im Rennmodus ist, kriegt man eh weniger von außen mit.

"Die amtierenden Weltmeister reisen nicht ohne Grund an"

Der Weltradsportverband UCI hat die Veranstaltung in Obergessertshausen als C1-Rennen eingestuft. Können Sie bitte erklären, was das bedeutet?

Andreas Egger: Die verschiedenen Kategorien im internationalen Mountainbikesport definieren zum Beispiel, wie viele Weltranglistenpunkte bei einem Rennen vergeben werden. Ganz oben stehen die Weltcup-Veranstaltungen; hier kann man nur als absoluter Spitzensportler starten. Es folgen – in dieser Reihenfolge – die Hors Categorie (HC) sowie die Einstufungen International C1, C2 und C3. Ein C1-Wettkampf ist also die dritthöchste Kategorie professioneller Rennen. Das ist schon was. Die amtierenden Weltmeister Jordan Sarrou und Pauline Ferrand-Prévot aus Frankreich reisen auch nicht ohne Grund an.

Definiert die Schwierigkeit des Kurses allein die Kategorie?

Andreas Egger: Natürlich muss der Kurs ein gewisses Niveau haben. Aber du musst auch eine Historie als Veranstalter besitzen. Wir haben hier ja ganz klein angefangen – und vergangenes Jahr hatten wir dann die Deutschen Meisterschaften.

"2020 war ein komplett misslungenes Jahr"

Bei denen Sie Platz zwölf belegten. Das war allerdings auch praktisch Ihre einzige gute Platzierung im vergangenen Jahr. Lag das allein an der Corona-Pandemie?

Andreas Egger: Eigentlich habe ich immer so 20 Rennen pro Jahr im Plan. Und natürlich hab ich Bock aufs Fahren. Aber es sind derzeit schwierige Zeiten. 2020 haben allgemein nur ganz wenige Rennen stattgefunden. Es war ein komplett misslungenes Jahr für einen Sportler, der das nebenher betreibt. Und man kann auch nicht einfach fünf Tage irgendwo hinreisen, wenn man kein Vollprofi ist. Ich bin also tatsächlich nur die Bayerische Meisterschaft auf dem Rennrad gefahren und die Deutsche Meisterschaft auf dem Mountainbike.

Ihr erstes Rennen seit Obergessertshausen im Oktober 2020 findet also wieder in Obergessertshausen statt – im März 2021.

Andreas Egger: Ja, das wird ein totaler Kaltstart. Coronabedingt war ich nicht mal im Trainingslager. Sonst fliege ich im Winter immer für eine Woche nach Mallorca oder so und trainiere gescheit.

"Der berufliche Alltag steht im Vordergrund"

An sich wollten Sie doch auch mal Profi werden, oder?

Andreas Egger: Du musst irgendwann abwägen, ob es Sinn macht, im komplett professionellen Bereich zu fahren. Ich habe als 23-Jähriger gesehen, dass das für mich keinen Sinn ergibt. Die Zahl der Sponsoren und die ganze Finanzierung war nicht so gegeben, dass das geklappt hätte. Irgendwann habe ich also gesagt, okay, ich fahre viel und ziemlich professionell, aber der berufliche Alltag steht im Vordergrund.

"Ich bin stolz auf meinen Bruder"

Ihr älterer Bruder Georg ist den entscheidenden Schritt weiter gegangen und Profi geworden. Er steht im Rampenlicht. Fühlen Sie sich deshalb umso mehr als „kleiner“ Bruder? Und falls es so ist: Wie fühlt sich das an?

Andreas Egger: Ich finde das nicht schlimm. Klar ist mein Bruder bekannter als ich, aber ich stehe nicht bloß in seinem Schatten, sondern gehe meinen eigenen Weg. Und ich bin natürlich stolz auf meinen Bruder. Weil ich auch weiß, was da für ein mentaler Druck dahinter steht. Dem muss man erst mal gewachsen sein.

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