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Wettenhausen

13.06.2019

Mühlentag: In 24 Stunden wurden hier zehn Tonnen Mehl gemahlen

Kloster Wettenhausen Mühlentag
2 Bilder
Die Säcke tragen noch die Aufschrift des Klosters Wettenhausen. Doch seit 20 Jahren wurde hier kein Korn mehr gemahlen.
Bild: Wolfgang Kahler

Hunderte Besucher erleben, wie im Kloster Wettenhausen Korn verarbeitet wurde. Dabei bleibt es nicht beim Besichtigen.

Am Eingang zum historischen Gebäude warteten sie geduldig: An die 1000 Besucher wollten am Pfingstmontag einen Blick in die frühere Wassermühle des Klosters Wettenhausen werfen und erfahren, wie dort in den vergangenen Jahrhunderten Korn zu Mehl gemahlen wurde. So kam Familie Sauter extra bis aus Neu-Ulm ins Kammeltal zum Mühlentag, der heuer zum zweiten Mal im Dominikaner-Kloster wie deutschlandweit in gut 1000 Mühlen stattfand, aber erstmals mit einem Rahmenprogramm. „Besonders beeindruckend fand ich die komplizierte Technik“, sagte Martina Sauter nach der Tour durch das dreistöckige Gebäude.

Seit mehr als 20 Jahren steht die Wassermühle still

Über eindrucksvolle Details der schon mehr als zwei Jahrzehnte stillgelegten Wassermühle informierte Maschinenbau-Ingenieur Ludwig Angerpointner vom Bayerischen Landesverband für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung. „Die Klostermühle ist eine der wenigen noch vollständig erhaltenen“, so Angerpointner, die wieder in Betrieb genommen werden könnte. Angesichts von sehr geringen Erträgen für Mehl sei dies allerdings nicht mehr wirtschaftlich. Früher konnte die Klostermühle in 24 Stunden zehn Tonnen Mehl produzieren.

Müller hatten bei den Bauern nicht den besten Ruf

Die Kunst des Müllers ist es, das Korn, zuletzt in Wettenhausen Roggen und Weizen, richtig zu zerkleinern, trennen und wieder zu mischen. Müller hatten laut Anekdote von Angerpointner bei den Bauern nicht gerade den besten Ruf. Sie hatten den Verdacht, dass sie weniger Mehl bekamen, als sie Korn abgeliefert hatten, denn Müller arbeiteten häufig nachts.

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Riesenandrang beim Mühlentag im Kloster Wettenhausen: Etwa 1000 Besucher warfen einen Blick in das historische Mühlengebäude und ließen sich von Ludwig Angerpointner (rechts) Details über die Mehlproduktion erklären.
Bild: Kahler

Einiges an Masse ging beim Mahlen durch Verdunstung von Feuchtigkeit verloren: „Aber in der Klostermühle ging alles mit rechten Dingen zu“, versicherte der Experte den Besuchern. In den oberen Stockwerken zeigen ein Gewirr von Beschickungsrohren, ein Plansichter – mit dem das Mehl gesiebt wird – sowie Grießputzmaschinen, mit denen Mehl in früheren Jahrhunderten so weiß wie möglich gereinigt wurde, wie aufwendig die Müllerarbeit war. Das komplette technische Inventar der Klostermühle hat immerhin materiellen Wert von etwa 800 000 bis eine Million Euro, schätzte Angerpointner.

Im Mühlencafé gibt es frische Brotspezialitäten aus der Klosterbäckerei

Ein Günzburger Ehepaar hat am Pfingstmontag erstmals das Kloster und die Kornmühle besichtigt und war beeindruckt von der Technik aus vergangenen Zeiten. Es blieb nicht beim Besichtigen: Im Mühlencafé gab’s frische Brotspezialitäten nach altem Rezept aus der ehemaligen Klosterbäckerei. „Wir haben etwa 100 Kilo gebacken“, freute sich Stefan Heis aus Röfingen. Der Ingenieur hat Backen als Autodidakt gelernt. Als er die Klosterbäckerei sah, war er gleich begeistert und kam mit den Dominikanerinnen über deren Öffentlichkeitsreferenten Olaf Ude in Kontakt.

Priorin Schwester Amanda war sichtlich begeistert vom großen Andrang von etwa 1000 Besuchern im Klosterhof. Weil maximal nur 20 Personen pro Führung durch das historische Gebäude teilnehmen konnten, bildete sich eine längere Schlange am Eingang. Doch die Wartezeit wurde dank des noch Sommerwetters geduldig ertragen.

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