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Günzburg

10.12.2019

Musikschüler haben Weihnachten im Herzen

Das Adventskonzert der Günzburger Musikschule mit 100 Mitwirkenden fand vor vollem Haus im Günzburger Forum am Hofgarten statt.
Bild: Helmut Kircher

Es herrscht Großandrang vor und auf der Bühne beim Konzert der Günzburger Musikschule: Mehr als 100 junge Talente spielen im vollen Forum am Hofgarten.

Volles Haus. An die einhundert musikalisch vorweihnachtlich motivierte Mitwirkende. Und nur noch zwei Wochen, um den Geist der Weihnacht zu wecken. Es adventet sehr in Günzburgs Kulturtempel. Durch Kinderaugen betrachtet hat das nahende Freudenfest mit Fußball aber offensichtlich nichts zu tun, denn auf Oberbürgermeister Gerhard Jauernigs Frage nach dem Trainer des FC Bayern München gibt es keinerlei befriedigende Antwort. Doch wer der „Trainer“ der Musikschule ist, das kommt wie aus der Pistole geschossen: Jürgen Gleixner natürlich, der mit seiner „Mannschaft“, dem Lehrerteam, zum heutigen Heimspiel angetreten ist.

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Kein Kinderspiel, den aufgekratzten Nachwuchs aus der Früherziehungs-Liga bei konzentrierter Spiellaune zu halten. Mit heiligabendlichen „Kinderträumen“ hält der Montessori-Schulchor Einzug ins adventliche Geschehen. Lässt mit zarten Hoffnungsstimmen schon mal den Schneemann vor der Tür stehen, in Klang übersetzt natürlich. Musikalisch fortgeschritten geht es dann mit Xylofon und Blockflöten geradewegs nach Bethlehem, den „Floh an der Krippe“ suchend, behutsam, „stille, stille, kein Geräusch gemacht“, und mit Kapitänin Anni Weinig zu Harfenklängen im „Schifflein schaukelnd“. Vorweihnachtlich entflammt zeigen sich die Kids, teilen der Zuhörerschaft das zugehörige Kulturgut auch als Querflöten-Ensemble mit. „Lasst uns froh und munter sein“ klingt’s kindlich warmherzig.

Gitarrenensemble Günzburg ist seiner Zeit voraus

Hannes Mühlfriedel ist mit seinem Gitarrenensemble seiner Zeit gute zwei Wochen voraus. „Morgen, Kinder wird’s was geben“ bewegt er, animierend frisch und jazzig rhythmisiert, die Herzen im lichterglänzenden Evergreentakt. Mit Beethoven und der „Ode an die Freude“ entzündet Kapellmeister Lukas Weiss und seine bläserfundierte Schülerkapelle „Guntia“, ein pulsierendes Licht hoffnungsvoller Jugendlichkeit.

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Auch die Welt des Klaviers trägt einen gewichtigen Teil Weihnachtsfunken schlagender Klanglichkeit bei. Der neunjährige Sebastian Zöllner genießt, rauf und runter auf winterlicher Tonleiter, frisch, munter und couragiert eine Schlittenfahrt ins lustvoll verschneite Glück. Fabian Fedoseev (14) dagegen lässt, auswendig und in flüssiger Beschwingtheit, die Tasten tanzen, ungemein wandelbar, kraftvoll und sicher.

Eine virtuose "Petersburger Schlittenfahrt"

Was in einem Konzert winterlichen Darstellungspotenzials natürlich nie fehlen darf, ist das Muss einer „Petersburger Schlittenfahrt“. Das Geschwisterpaar Svenja-Mae und Samira-Fay Winter erfüllen es, pianistisch vierhändig, virtuos glöckchenklingelnd und umweht von einem klanglichen Bratapfel-Duft in wohlig-warmer Stubenatmosphäre. Dem setzt Samira-Fay - bundesprämierte Popsongpreisträgerin – noch eine sanglich gefühlvolle und pianistisch selbst begleitete Solonummer drauf, den Queens-Hit „Thank God, it’s Christmas“.

„Jingle bells“ auf dem Schlagzeug? Klingt verwegen, ist es aber nicht, wenn auf Marimbas gespielt. Jacob Koch, begleitet von seinem Lehrer Stefan Baldauf, findet zu lebhaft fließender Natürlichkeit mit diesen Stäben und Tasten instrumentaler Deklamationsvirtuosität. Michael Gräf und sein jugendliches Querflötenensemble bringen mit einem kurzen Bach-Choral und Matheson-Alegretto barocke Tiefenschärfe in die Weihnachtseinschübe. Und mit dem, sich qualitativ mehr und mehr selbst überbietenden, Guntia Vox-Chor, unter Leitung des frischpromovierten Erich Broy, kommen die „Christmastime-is-coming“- Gefühle, „very jolly la-la-la“, so richtig ins Strömen.

Die Violinen spielen in Günzburg die erste Geige

Gut zu sehen und zu hören, dass mal wieder die Violinen die erste Geige spielen, mit Geigenlehrer Berthold Guggenberger und seinem sich mehrenden Streichorchester. Telemanns „Konzert für 4 Violinen“, instrumental aufgestockt auf das gut Vierfache, zeigt, dass das musikalischen Herzstück unserer Orchesterkultur, neben dem Popkulturellen Übervater, durchaus noch zu bestehen vermag. Auch bei Markus Andreula-Schlicks 26-köpfigem Klarinette-Saxophon-Ensemble ist „Santa Claus coming to town“. Doch wie es sich gehört, hat er etwas mitgebracht. Überraschung, ein nagelneues Tenorsax holt er aus seinem Sack. Gestiftet von den Freunden der Musikschule und überreicht von Vorsitzender Ursula Seitz, ein weiterer Baustein bläserischen Ensemble-Glücks.

Das Finale gehört der Bigband. Swingend, groovend, weichgespült und hart gesotten, doch mit viel Weihnachten im Herzen, leitet Jürgen Gleixner via „Jingle Bell Rock“ durch „White Christmas“ und bringt mit der neu engagierten Lehrerin für Frühmusik, Kathrin Selzle, eine wahre Rockröhre auf die Bühne. Eine, die mit rhythmischer Finesse und erotisch peitschendem Christmas-Sound das adventliche Kraftfeld rockt. Schlussendlich das traditionelle „O du fröhliche“ aus mehrhundertfacher Publikumskehle. Für weihnachtlich Ungelernte: Text siehe Programmrückseite.

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