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Landkreis Günzburg

14.01.2020

Nach Einbrüchen: Bewährungsstrafen gegen junge Männer bleiben

Wenn die Bewährung nichts hilft, droht drei jungen Männern das Gefängnis.
Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Nach dem Urteil in Günzburg waren Verteidiger und Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen. Warum sie bei der Verhandlung am Landgericht Memmingen davon abrücken.

Erst nach einer Rücksprache mit dem Günzburger Amtsgerichtsdirektor fiel am Dienstag die Entscheidung beim Memminger Landgericht: Zwei junge Männer aus dem nördlichen Landkreis bleiben wegen gemeinschaftlichem schweren Diebstahl verurteilt. Beim dritten, jetzt 20-jährigen Komplizen, ging das Berufungsverfahren etwas günstiger aus. Sein Strafmaß wurde um drei Monate reduziert, er muss nicht in den Jugendarrest.

Das Trio hatte im Frühjahr 2018 eine Serie von Einbrüchen verübt. Fünf Mal mit Erfolg, zwei Mal scheiterten sie an den Tatorten überwiegend im nördlichen Landkreis. Die Bande erbeutete mehrere tausend Euro und richtete erheblichen Sachschaden an. Über einen weiteren jugendlichen Mittäter und andere Hinweise kam die Polizei den zur Tatzeit 17, 18 und 21 Jahre alten Verdächtigen auf die Spur. Ende Februar 2019 wurden sie vom Jugendschöffengericht Günzburg zu Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr und neun Monaten verurteilt, zwei der Angeklagten nach Jugendstrafrecht, der Älteste als Erwachsener. Dem 18-Jährigen wurde zusätzlich ein vierwöchiger Warnschuss-Arrest aufgebrummt (wir berichteten). Die drei Verteidiger der jungen Männer waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und gingen in Berufung, ebenso wie kurz darauf die Staatsanwaltschaft.

Der Richter schlägt ein Rechtsgespräch vor

Andreas Grosch, Vorsitzender der Jugendkammer, ging zum Auftakt der Verhandlung am Dienstag auf das erstinstanzliche Verfahren ein. Zur Anklage waren damals der Diebstahl einer Armbanduhr, fünf Einbrüche in einen Friseursalon, in ein Vereinsheim, in ein Sonnenstudio, in eine Waschanlage und in einen Tabakladen, alle in Burgau, gekommen. Bei einem Markt in Thannhausen und einem weiteren Friseurgeschäft in Burgau waren die Täter gescheitert, die alles während der Günzburger Verhandlung keine Aussage gemacht hatten. Anwältin Julia Weinmann (München) hatte damals beanstandet, dass die Aussage des jugendlichen Belastungszeugen unzulässig zustande gekommen sei, da er nicht über seine Rechte aufgeklärt worden sei.

Nach Einbrüchen: Bewährungsstrafen gegen junge Männer bleiben

Auch habe ein Polizist psychischen Druck aufgebaut. Bevor die neue Verhandlung so richtig in Gang kam, sagte die Verteidigerin, sie habe Prozessakten über Nachermittlungen der Polizei nicht erhalten. Zusammen mit ihren Berufskollegen Thomas Dick (Gundelfingen) und Dietrich Jaser (Günzburg) ging sie auf einen Rechtsgespräch-Vorschlag von Richter Grosch ein. Mit einem überraschenden Ergebnis: Gegen die beiden Hauptangeklagten seien laut Anwalt Dick zwei weitere Anklagen beim Amtsgericht Günzburg wegen Einbrüchen anhängig. Tatorte waren ebenfalls 2018 Vereinsheime im Kammeltaler Ortsteil Kleinbeuren und im Gundelfinger Stadtteil Peterswörth, wie Amtsgerichtsdirektor Henle auf Nachfrage sagte. Er sei bereit, die Verfahren einzustellen, würden die Berufungen zurück genommen.

Eine Bewährungshilfe soll den jungen Mann unterstützen

Die Anwälte Weinmann und Dick stimmten zu, womit die Urteile mit einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung für ihre Mandanten Bestand haben. Beim dritten Angeklagten ging es Anwalt Jaser um die Rechtsfolgen des Urteils für seinen Mandanten. Er habe seit April vergangenen Jahres einen Arbeitsplatz, bei einem Jugendarrest stünde dieser auf dem Spiel. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sah eine deutlich bessere Sozialprognose bei dem 20-Jährigen und keine schädlichen Neigungen mehr. Da wollte die Staatsanwältin allerdings nicht mitspielen. Die Delikte bewiesen eine beachtliche kriminelle Energie des Mannes und so beantragte sie ein Jahr und acht Monate Jugendstrafe zur Bewährung mit Verzicht auf den Jugendarrest, dafür aber eine Geldauflage in Höhe von 1800 Euro. Verteidiger Jaser hielt eine Jugendstrafe für nicht nötig und beantragte eine Geldauflage.

Die Jugendkammer blieb schließlich mit einem Jahr und sechs Monaten bei zwei Jahren Bewährung leicht unter dem früheren Strafmaß, verhängte jedoch eine Geldauflage von 1500 Euro zugunsten der Bewährungshilfe. „Sie haben vor Gericht einen guten Eindruck hinterlassen“, sagte der Vorsitzende dem Angeklagten und mahnte ihn, auf diesem positiven Weg zu bleiben. Eine Bewährungshilfe soll ihn dabei unterstützen.

Lesen Sie hier unsere Berichterstattung über den Prozess in Günzburg:

Einbruchserie in Burgau und der Region: Gericht verurteilt ein Trio

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