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Jettingen-Scheppach

07.03.2019

Nach Faschingsabsagen: Protestumzug durch Jettinger Ortsmitte

Gut 200 Menschen haben am Faschingsdienstag an einem inoffiziellen Faschingsumzug durch Jettingen teilgenommen.
Bild: Sascha Sendner

Eigentlich waren alle Faschings-Veranstaltungen in der Gemeinde abgesagt. Eine gab es am Dienstag aber doch. Bloß: Sie war nicht angemeldet.

Eigentlich waren in der Marktgemeinde Jettingen-Scheppach alle Faschingsveranstaltungen abgesagt worden. Auch das traditionelle Rumäckra am Faschingsdienstag und der Faschingsumzug fanden in diesem Jahr nicht statt. Der Jettinger Fasnachtsverein Burkhardia hatte im vergangenen September beschlossen, keine Veranstaltungen zu organisieren (wir berichteten). Doch ein kleiner Zug durch die Straßen der Marktgemeinde fand am Dienstagnachmittag dann statt. 200 Menschen nahmen teil. Offiziell angemeldet war die Veranstaltung allerdings nicht.

Auch Bürgermeister Hans Reichhart hatte sich dem Zug angeschlossen. „Das war eine ganz spontane Sache. Man weiß gar nicht, von wem die Idee ausging.“ Doch die Nachricht des spontanen Umzugs hat sich dann recht schnell herum gesprochen. Reichhart schätzt, dass etwa 200 Leute daran teilgenommen haben. Musiker haben den Zug angeführt. Danach folgten schwarz gekleidete Maskerer – nach Aussage des Bürgermeisters eine kleine Trauergemeinde, nachdem es in diesem Jahr keinen Fasching in der Marktgemeinde gab. Dahinter folgten laut Reichhart bereits die bunt maskierten Fasnachter, die beweisen wollten, dass der Fasching in Jettingen doch lebe. „Mich freut es, dass es in der heutigen Zeit noch Spontanität gibt“, sagt Reichhart.

Gemeinsam zog man durch die Jettinger Straßen

Am Dienstagnachmittag um 13.30 Uhr startete der Faschingsumzug am Marktplatz und zog durch die Jettinger Straßen. „Später haben wir noch zusammen gefeiert“, erzählt der Bürgermeister. Auch Burkhardia-Präsident Peter Potsch hatte von dem Protest-Umzug erfahren und sich kurzerhand angeschlossen. „Das war alles ganz spontan, wir haben erst kurz vor dem Umzug von den Planungen erfahren.“ Aber: „Dieser Umzug hatte nichts mit der Faschingsgesellschaft Burkhardia zu tun, das ging von Privatpersonen aus.“ Dennoch freue er sich, dass doch noch ein kleiner Faschingsumzug in der Marktgemeinde zustande kam. „Ich fand es sehr überraschend, aber ich habe mich darüber gefreut.“

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Die Faschingsgesellschaft Burkhardia hatte im September vergangenen Jahres alle Veranstaltungen für die nun zu Ende gegangene Faschingssaison abgesagt. So fand weder der traditionelle Fähnrichsball noch der Rathaussturm oder der alte Brauch des Rumäckras mit anschließendem Faschingsumzug und dem abschließenden Kehraus statt. Grund für die Absage war zum einen die Schwierigkeit, interessierte, aktive und hilfsbereite Mitstreiter für die Fasnacht zu finden, zum anderen aber auch die diversen Vorschriften, Sicherheitskonzepte, Regelungen und Genehmigungen, die die Organisatoren erfüllen müssen.

Polizei und Landratsamt wissen von nichts

Der stellvertretende Leiter der Polizei Burgau, Peter Hirsch, erfuhr erst durch die Anfrage unserer Zeitung von dem Umzug. Auch bei der Inspektion sei nichts angemeldet worden. Er findet das gar nicht lustig, es handele sich hier wohl um eine Ordnungswidrigkeit. Auch wenn alles spontan gewesen sei, hätte man zumindest noch bei der Polizei anrufen sollen, damit sie den Umzug sichert, betont Hirsch.

Auch beim Landratsamt weiß man nichts von dem Umzug. Ralf Wetzel, in der Behörde für den Bereich Verkehr zuständig, betont, dass so etwas angemeldet werden müsse, wenn der Verkehr tangiert ist – und da man auf der Straße lief, sei das der Fall. Bei Spontan-Demos entfalle zwar die Pflicht der vorherigen Anmeldung, aber er fragt sich, wo hier die politische Willensäußerung war, die nun einmal Bestandteil einer Demo sei. Faschingswagen müssten zudem geprüft werden.

Der Umzug fiel fast auf den Tag genau auf einen Unglückstag

Ausgegangen ist der Umzug von Kurt Goldstein, der schon diverse Ämter im Jettinger Fasching hatte. Als er im vergangenen Jahr in unserer Zeitung las, dass alle Veranstaltungen abgesagt wurden, sei für ihn klar gewesen: Mit seiner Faschingswagen-Gruppe werde er nicht einfach woanders fahren, sondern wieder in Jettingen. Die Idee habe dann am Montagvormittag eine gewisse Eigendynamik entwickelt, sagt er, auch durch die sozialen Medien. Es hätten sich immer mehr angeschlossen, die Feuerwehr habe man um die Absicherung gebeten – was sie mit einem Fahrzeug vor und hinter dem Umzug auch gemacht habe. Es habe sich dann alles etwas verselbstständigt. Auch er spricht von gut 200 Teilnehmern, nur seine Gruppe sei mit dem Wagen dabei gewesen.

In Sachen Anmeldung stellt er die Frage: „Kann man einen inoffiziellen Umzug offiziell anmelden?“ Der Bürgermeister sei aber vorab informiert gewesen. In einer Nachricht in einem sozialen Netzwerk, die unserer Zeitung vorliegt, heißt es sogar, dass sich einige Fasnachter „in einem gemischten Haufen um den Bürgermeister, verschiedene Traditionsfiguren (...) unter Führung einer Jettinger Wagenbauergruppe wild und spontan organisiert“ hätten, (...) um die Bevölkerung wachzurütteln, damit die traditionsreiche Fasnacht im Ort nicht stirbt.

Dass der „Trauermarsch“ fast auf den Jahrestag des Unglücks vom 9. März 2006 fiel, als bei einem Beerdigungsgang ein Auto in die Menschengruppe fuhr und es Tote sowie Verletzte gab, habe man nicht auf dem Schirm gehabt, so Goldstein. Zumal eine direkte Angehörige der Frau, die damals beerdigt werden sollte, Mitinitiatorin des Umzugs am Dienstag gewesen sei.

Lesen Sie hier den Kommentar von Rebekka Jakob: Umzug in Jettingen: Nicht lustig

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