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Günzburg

13.08.2019

Nach Raub und Polizei-Großeinsatz auf Günzburger Volksfest: So reagiert die Stadt

Der Sicherheitsdienst gehört mittlerweile fest zum Volksfest dazu. Aus Sicht der Stadt hat er sich bewährt.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Plus Vier junge Männer haben große Probleme bereitet. Was der Polizeichef und der OB über den in den vergangenen Jahren einmaligen Vorfall auf dem Volksfest sagen.

Es hätte ein schöner Volksfestbesuch werden sollen am Montagabend für eine 13-Jährige, ihre Schwester und für die Großmutter der beiden Geschwister. Die Oma zeigte sich großzügig, steckte der 13 Jahre alten Enkelin einen 20-Euro-Schein zu. Das Mädchen kam nicht mehr dazu, den Geldschein in der Hosentasche verschwinden zu lassen. Ein 19-Jähriger hatte die Szene offensichtlich beobachtet und riss nach Darstellung der Polizei dem Mädchen den Schein gewaltsam aus der Hand. Deshalb wird wegen eines Raubdelikts ermittelt.

Danach ist der junge Mann mit seiner Beute offenbar zu einem Bekannten, 17 Jahre alt, gerannt. Der beglückwünschte nach Augenzeugenberichten den Älteren zu seinem Erfolg. Die beiden Männer liefen anschließend davon. Der 19-Jährige konnte jedoch von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes im Bereich des Haupteingangs des Volksfestes gestellt werden. Gegen 20.30 Uhr ging vom Personal des Sicherheitsdienstes die Mitteilung ein, dass dort eine männliche Person festgehalten wird, die im Verdacht steht, einen Diebstahl begangen zu haben.

Der mutmaßliche Geldscheinräuber sollte befreit werden

Günzburgs Polizeichef Stefan Müller spricht „nach dem derzeitigen Ermittlungsstand“ von mehreren Körperverletzungsdelikten, die von dem 19-Jährigen, dem 17-Jährigen und einem 21-Jährigen begangen worden sein sollen. Leidtragende waren die Leute des Sicherheitsdienstes. Müller zufolge sind die drei jungen Männer auch gegenüber den ersten Polizeibeamten, die am Tatort eingetroffen waren, „äußerst aggressiv“ gewesen. Dem 19 Jahre alten Burschen wurde die vorläufige Festnahme erklärt, danach seien von ihm „Widerstandshandlungen“ ausgegangen. Der ältere und der jüngere Bekannte hätten versucht, den mutmaßlichen Geldscheinräuber zu befreien.

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Allein wären die Polizisten nicht mehr in der Lage gewesen, die Situation zu kontrollieren. „Das wäre wohl aus dem Ruder gelaufen“, glaubt auch Müller. Deshalb wurde Unterstützung angefordert. Während dieses Einsatzes ging zudem noch ein 18-Jähriger an den Polizeibeamten vorbei, vollzog dabei den sogenannten „Hitlergruß“ und beleidigte die Polizisten massiv.

Von mehreren Dienststellen wurden Polizisten alarmiert

Von der Günzburger Autobahnpolizei, den Inspektionen aus Burgau, Neu-Ulm und Dillingen sind Streifenbesatzungen gekommen. Selbst aus Zusmarshausen und aus Gersthofen seien Polizisten in Gang gesetzt worden. Insgesamt waren zwei Dutzend Beamte an der Aktion beteiligt. Die waren zur Aufnahme des Sachverhaltes, zur Durchsetzung der polizeilichen Maßnahmen und zur Verhinderung weiterer Straftaten durch die vier Personen nach Müllers Angaben nötig.

Stefan Müller ist Leiter der Polizeiinspektion Günzburg.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die drei Bekannten im Alter von 17, 19 und 21 Jahren wollten sich weiterhin befreien. Dabei versuchten sie, die Polizisten zu schlagen und zu treten, was ihnen offensichtlich misslang. Dem Leiter der Günzburger Polizeiinspektion war bis Dienstagmittag nicht bekannt, dass sich eine der eingesetzten Kräfte verletzt hat.

Beleidigungen "aus der untersten Schublade"

Was den Dreien aber gelungen ist: Sie bespuckten die Polizisten fortlaufend und beleidigten sie massiv. Kraftausdrücke und Formulierungen wie „Arschloch“, „Drecksack“, „Spast“ und „Fick deine Mutter“ seien da gefallen. Und das sei nur ein Auszug von Beleidigungen „aus der untersten Schublade“ gewesen, so Müller. Nur unter Anwendung von körperlicher Gewalt war es schließlich möglich, die Tatverdächtigen festzunehmen beziehungsweise in Gewahrsam zu nehmen.

Dass die Polizei derart massiv auftreten muss, ist, so Stefan Müller, „glücklicherweise nicht an der Tagesordnung. Wir erleben so etwas immer mal wieder. Beim Volksfest war das aber in den vergangenen Jahren nicht der Fall.“

Drei Beteiligte hatten kräftig "getankt"

Auch während des Transports zur Günzburger Polizeidienststelle war es noch nicht zu Ende mit dem Widerstand gegen die Beamten und mit den Beleidigungen des Trios. Der 18-Jährige dagegen, der seinen Arm ausgestreckt und die Beamten auf dem Volksfestplatz auch beleidigt hatte, verhielt sich ruhig. Wie sich später nach Blutentnahmen herausstellte, hatten die drei anderen kräftig „getankt“. Die Alkoholwerte lagen nach Angaben der Polizei bei 1,2, 1,3 und bei über 1,5 Promille.

Es wurden Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachtes des Raubes, des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Bedrohung, Körperverletzung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet.

Stadt hat Platzverweis ausgesprochen

Die Stadt Günzburg hat die Anregung der Polizei aufgegriffen und am Dienstag gegen drei Beteiligte einen Platzverweis ausgesprochen. Gegen den 21-Jährigen war das allerdings nicht nötig. Denn gegen ihn lag ein offener Vollstreckungshaftbefehl vor. Er wurde in die Justizvollzugsanstalt Neuburg an der Donau gebracht.

Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig lobte die Polizei, die „im Fall der Fälle schnell vor Ort ist“. Aus seiner Sicht habe sich auch der von der Stadt seit einigen Jahren finanzierte Securitydienst bewährt mit dem Ziel, „ein Mehr an Sicherheit zu generieren“. Die Stadt Günzburg lädt außerdem die Oma mit ihren beiden Enkeln 2020 zum Familiennachmittag des Volksfests ein.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Till Hofmann:

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