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Landkreis Günzburg

01.04.2019

Nach den Querelen: Wieder mehr Zuversicht für BRK im Landkreis

Daniel Freuding ist der neue Interims-Geschäftsführer beim BRK-Kreisverband in Günzburg. Er hätte aber gerne die dauerhafte Stelle.
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Daniel Freuding ist der neue Interims-Geschäftsführer beim BRK-Kreisverband in Günzburg. Er hätte aber gerne die dauerhafte Stelle.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Beim Roten Kreuz im Landkreis Günzburg gibt es viele Probleme. Auch wenn der neue Chef zunächst nur vorübergehend da ist: Der Bezirksverband bewertet die Lage deutlich positiver als zuletzt. Beim Ehrenamt gab es indes einen Vorfall mit der Polizei.

Für die Arbeit von Mathias Wenzel hatte der Geschäftsführer des BRK-Bezirksverbands, Karl Kilburger, sehr kritische Worte gefunden. Vor allem der Umgang des Günzburger Kreisgeschäftsführers mit Mitarbeitern gefiel ihm nicht, Wenzel sei auch nicht sein Wunschkandidat für den Posten gewesen. Relativ kurz, nachdem die Aussagen in unserer Zeitung erschienen waren, kündigte Wenzel seinen Rückzug an. Als Grund nannte er vor allem den fehlenden Rückhalt vom Bezirksverband – und dass man dort offenbar kein Interesse daran habe, dass die Versäumnisse beim BRK-Kreisverband aufgearbeitet werden.

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Nun ist Wenzel nach nur einem knappen halben Jahr im Amt weg, mit Daniel Freuding – bis vor Kurzem Chef der Bergwacht Bayern – ein Interimsgeschäftsführer eingesetzt, und Kilburger ist beim Telefonat mit unserer Redaktion wie ausgewechselt. Er formuliert vorsichtiger, die Lage beim Kreisverband sieht er nicht mehr „so dramatisch“. Seine Stimmung habe sich diesbezüglich sehr verbessert, nachdem er sich zeitweise „tierisch geärgert“ habe, was die Situation in Günzburg angeht. Kilburger nennt Freuding eine „sehr gute Wahl“.

Wechsel nach so kurzer Zeit war nicht gut für den Kreisverband

So deutlich er mit der Kritik an Wenzel war, so sagt er doch, dass der überraschende Weggang nach verhältnismäßig kurzer Zeit für den Kreisverband nicht gut gewesen sei. Gleichwohl sieht er diesen nun auf einem guten Weg, bei dem der Bezirksverband unterstütze. Die angedrohte präsidiale Weisung, also ein direktes Eingreifen, sei vom Tisch.

Nach den Querelen: Wieder mehr Zuversicht für BRK im Landkreis

Was Wenzel auf den Weg gebracht hat, werde man sich anschauen, und wenn Dinge dabei sind, die in die Zukunft weisen, werde man sie sicher fortführen können. Er sehe auch keines der Probleme beim Kreisverband als unlösbar an, der viel Potenzial habe. Die Mitarbeiter sollten künftig (wieder) stolz darauf sein können, dort zu arbeiten. Auch mit dem Kreisvorsitzenden Matthias Kiermasz habe er persönlich einen „tragfähigen Weg“ für eine Zusammenarbeit gefunden. Kiermasz könne sicher ein guter Vorsitzender sein. Bis man sich in einer solchen Position eingearbeitet hat, brauche es naturgemäß eine gewisse Zeit. Er ist seit dem Frühjahr 2017 im Amt.

Mathias Wenzel war kurz Geschäftsführer in Günzburg.
Bild: Bernhard Weizenegger

Interimsgeschäftsführer Freuding, seit wenigen Tagen in Günzburg ( Neuer Interims-Chef im Roten Kreuz ), ist es wichtig, sich zunächst einen Überblick über die Lage im Kreisverband zu verschaffen und möglichst viele Mitarbeiter kennen zu lernen. 30 Jahre sei er jetzt beim BRK im Ehrenamt tätig, 2015 wurde er auf die Stelle als Geschäftsführer der Bergwacht aufmerksam. Es habe einige Dinge gegeben, die er dort ändern wollte. Das habe funktioniert, seit anderthalb Jahren laufe es dort gut. Er wäre nun, so sagt er, für eine Verwendung im Landesverband im Gespräch gewesen, bekam aber den Tipp, dass in Günzburg der Posten des Geschäftsführers frei wurde. Er kenne Kilburger gut, und der habe ihn, soweit möglich, über die Situation ins Bild gesetzt.

BRK-Geschäftsführer: Vertrag läuft nur für sechs Monate

Sein Vertrag als Interims-Chef läuft für maximal sechs Monate. Wenn vorher ein regulärer Geschäftsführer gefunden ist, endet er entsprechend früher. Aber er wolle sich selbst für die Stelle bewerben. In einem halben Jahr könne man einiges bewirken, „aber eben nicht alles heilen“. Es sei wichtig, dass die Mitarbeiter jetzt ein Signal der Stabilität erhielten. Auch ihm tue es weh zu sehen, in welchem Zustand der Kreisverband ist, „es gibt viele unterschiedliche Baustellen“. Früher war er Förster, erzählt der Diplom-Ingenieur, und da sei es darum gegangen, Gräben zwischen Jagd und Forst zu schließen. Er will nun versuchen, eben solche zwischen Haupt- und Ehrenamt zu überwinden. Konfliktbewältigung sei sein Steckenpferd, und er hoffe, einiges verbessern zu können.

Er habe schon jetzt den Eindruck, dass sich manches gebessert habe. Zumindest werde in der Geschäftsstelle auch wieder mal auf dem Gang gelacht. So oder so müsse man gerade auch intern kommunizieren, was gut läuft, „wir müssen wieder dahin kommen, dass die Mitarbeiter ihren Arbeitgeber gerne weiterempfehlen“. Schlechte Stimmung könne man sich nie leisten, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels aber noch weniger. Sein Vorgänger habe vor allem Wirtschaftliches und Strukturelles in den Vordergrund gestellt, Zwischenmenschliches sei eher nachrangig gewesen. Freuding ist es wichtig, so schnell wie möglich ein Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern aufzubauen. Auch er könne nicht jeden glücklich machen, aber vernünftig miteinander umzugehen müsse selbstverständlich sein.

Der neue Geschäftsführer stammt aus Sonthofen

Der 45-Jährige lebt mit seiner Familie in Bad Heilbrunn im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Er stammt aus Sonthofen und ist nun auf der Suche nach einer Wohnung in Günzburg oder der Umgebung. Seine Familie würde erst in drei oder vier Jahren nachkommen, da sie alle erst vor drei Jahren umgezogen seien. Aber in Eindreiviertelstunden sei er zu Hause, das sei machbar.

Was er sich mit dem Vorstand nun anschauen wird, ist, was vom Restrukturierungsprogramm seines Vorgängers übrig bleiben kann – für die Geschäftsführerstelle seien damals übrigens nur 30 Bewerbungen eingegangen. Auch den „einmaligen Vorgang“ der elf Kündigungen für Pflegedienstleiter Benjamin Kurz werde man sich erneut ansehen.

Auch wenn im Hauptamt wieder jemand Neues an der Spitze steht: Der Ärger im Ehrenamt ist weiterhin groß. Dass man sich hier nicht genügend wertgeschätzt fühlt und manche Entscheidung der Vergangenheit nicht gutheißt, ist bekannt. Doch kürzlich gab es einen Vorfall, über den viele entsetzt sind. Es geht um die SEG (Schnelleinsatzgruppe) Behandlung in Krumbach, die zuerst über längere Zeit wegen Materialproblemen abgemeldet, und dann wegen fehlenden Personals nicht einsatzfähig war – inzwischen kann sie aber wieder alarmiert werden, heißt es von Landratsamt und BRK-Kreisvorstand. An einem Abend Ende Februar sollte ein neuer Fahrzeugwart eingeführt werden, was Alexander Faith übernahm, der bekanntlich nicht nur als Rettungsdienstleiter von seinen Aufgaben entbunden worden war und der das Rote Kreuz im Landkreis in zwei Lager spaltet – in die der Befürworter und der Gegner. Jedenfalls war er als Ehrenamtlicher mit dem designierten Fahrzeugwart mit einem Einsatzfahrzeug für eine Einführungs- und Bewegungsfahrt unterwegs, als Kreisbereitschaftsleiter Michael Baum die Polizei verständigte. Da er nicht gewusst habe, wer mit dem Wagen auf der Straße ist, ging er angeblich von einem Diebstahl aus. Bloß soll er Kenntnis gehabt haben, wer unterwegs war, und der Polizei sollen noch am Telefon die Namen genannt worden sein.

Ein Fahrzeug verschwindet

In einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt, schreibt der Katastrophenschutzbeauftragte des BRK-Kreisverbands dazu, dass er das Fehlen des Fahrzeugs festgestellt und Anwesende nach dem Verbleib gefragt habe. Keiner habe etwas gewusst, weshalb man sich entschieden habe, die Polizei einzuschalten. Kurz darauf habe jemand gesagt, dass womöglich Faith beteiligt sei. Da der gewusst habe, dass Personen im Stüble der Bereitschaft sitzen und Mitglieder in der Fahrzeughalle gewesen seien, hätte er sie über die geplante Fahrt informieren sollen, heißt es weiter. Dann hätte das alles vermieden werden können. Kurz nach dem Anruf sei der Wagen wieder zurückgekommen und im Anschluss die Polizei eingetroffen.

Die Leiterin der Polizei Krumbach, Susanne Höppler, bestätigt auf Nachfrage einen „kleinen Einsatz“, eine Streife sei zur Fahrzeughalle des BRK in Krumbach gefahren. Es sei um ein fehlendes Fahrzeug gegangen. Ein Diebstahl habe sich nicht bestätigt, weshalb die Sache für die Polizei soweit erledigt sei. Weitere Auskünfte gibt sie nicht – auch nicht dazu, ob den Beamten bereits beim Anruf Namen genannt wurden. Unser Zeitung liegen Informationen vor, dass die Kreisbereitschaftsleitung von vornherein wusste, wer mit dem Fahrzeug unterwegs war. Es sei wohl darum gegangen, Faith „eins auszuwischen“, sagt ein Insider, der seinen Namen hier nicht lesen will. Bloß sei Faith auf dem Beifahrersitz gesessen, weshalb der Ärger mit der Polizei den designierten Fahrzeugwart getroffen habe. Solch ein Vorgehen empfindet die Person als „No-Go“. Man müsse das intern klären, aber nicht, indem man die Polizei ruft – auch wenn Faith gerne provoziere und man sich womöglich gegenseitig angestachelt habe. Da das Fahrzeug anderthalb Monate rumgestanden sei, sei eine Bewegungsfahrt angebracht gewesen. Die Person befürchtet, dass angesichts des Vorfalls der Unmut im Ehrenamt des BRK weiter zunimmt und es sich noch selbst „eliminiert“.

Der Fahrer möchte sich nicht äußern

Dass die Bereitschaftsleitung direkt wusste, wer unterwegs war, wird unserer Zeitung auch von anderer Seite bestätigt. Und dass langjährige Ehrenamtliche mit dem Gedanken spielen, wegen der internen Querelen aufzuhören. Einer hat sein Amt bereits niedergelegt, weil er über den Vorfall in Krumbach verärgert ist. Kreisvorsitzender Kiermasz hat das nach unseren Informationen in einer Mail bedauert, aber betont, dass der Kreisbereitschaftsleiter von den Beteiligten gewählt wurde. Wenn es mit ihm nicht klappe, gebe das zu denken. Bei gutem Willen aller könnten Probleme schließlich meistens gelöst werden.

Der Fahrer an jenem Abend möchte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern, aber wie zu hören ist, will er sein ehrenamtliches Engagement im Kreisverband angesichts des Vorfalls auf Eis legen. Die Kreisbereitschaftsleitung reagiert nicht auf den Gesprächswunsch unserer Zeitung, der über Kiermasz vermittelt wurde. Alexander Faith jedoch erklärt, dass man sich nie habe abmelden müssen, wenn Bewegungsfahrten unternommen wurden. Kameraden, die im Hof bei der Abfahrt gewesen seien, hätten ihn und den designierten Fahrzeugwart ja gekannt. Als der Kreisbereitschaftsleiter die Polizei anrief, habe man es ihm auch gesagt. Doch der habe darauf bestanden, dass die Beamten Ermittlungen anstellen.

Kiermasz findet es bedauerlich, für Verbandsinternes die Polizei zu rufen. Der Kreisbereitschaftsleiter habe aber klären müssen, warum ein Fahrzeug nicht da ist und Faith sowie der Fahrer hätten Bescheid sagen sollen. Ihm mache die Art des Umgangs miteinander Sorge, „die Reibereien müssen nicht sein“. Er bedaure es immer, wenn Ehrenamtliche aufhören, er nehme das sehr wohl ernst. Er wolle aber nicht in bestehende Strukturen über mehrere Ebenen hinweg „hineinregieren“.

Was den Kreisverband angeht, so will er dem Interims-Geschäftsführer die Zeit zum Einarbeiten geben. Unter Mathias Wenzel seien Weichen gestellt worden, von den weiteren Vorschlägen werde nichts auf Eis gelegt, sondern untersucht und gegebenenfalls umgesetzt. Auch wenn man versuche, mit dem entlassenen Pflegedienstleiter eine Lösung zu finden, so werde man die Kündigung nicht zurücknehmen. Auch beim ebenfalls entlassenen langjährigen Geschäftsführer Werner Tophofen sei man offen für Gespräche. Verhandelt wird dieser Arbeitsrechtsstreit jedenfalls im Mai.

Lesen Sie hier die Vorgeschichte: Der BRK-Kreisverband „ist ein Sanierungsfall“

Lesen Sie außerdem: Demenz-WG des BRK: Streit um Bleiberecht für Bewohner

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