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Beruf

16.04.2015

Nach vier Jahren Erzieherin?

Erzieher müssen mehr können als spielen und basteln. Deshalb hält der Krumbacher Fachakademie-Leiter fünf Jahre Ausbildung für angemessen.

Der Leiter der Krumbacher Fachakademie erklärt, warum die Ausbildung länger dauern muss

Mit Kindern spielen, lernen und sie beim Erwachsenwerden begleiten: Der Beruf des Erziehers scheint ein äußerst schöner zu sein. Doch der Weg dahin ist lang. Die Ausbildung dauert in Bayern fünf Jahre. Jetzt wird über eine Verkürzung diskutiert: In Zukunft könnten Erzieher ihren Beruf in nur vier Jahren erlernen. Die bayerische Regierung prüft derzeit alternative Modelle.

Auch im Landkreis Günzburg gibt es eine Fachakademie für Sozialpädagogik, an der angehende Erzieher unterrichtet werden, die Joseph-Bernhart Fachakademie in Krumbach. Dr. Heinrich Lindenmayr leitet die Schule, die zurzeit rund 280 Schüler besuchen. „Versuche, die Ausbildung zu verkürzen, gab es schon viele“, berichtet er. „Die haben wir bis jetzt aber immer erfolgreich abgewehrt.“ Eine grundsätzliche Verkürzung der Erzieherausbildung hält er für den falschen Weg. „Mehr Gehalt in Ausbildung und Beruf zu bezahlen wäre sinnvoller“, findet Lindenmayr.

Bislang machen Erzieher zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Kinderpfleger. Dabei sind sie vier Tage in einer Einrichtung, einen an der Fachakademie. Danach folgen zwei Jahre Erzieherausbildung. In dieser Zeit stehen verschiedene Praktika auf dem Programm, von denen eines an einer Schule stattfindet. Den Abschluss bildet ein einjähriges Berufspraktikum.

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Die Stärke des bayerischen Systems liege unter anderem in der Praxiserfahrung, die künftige Erzieher während der Ausbildung in verschiedenen Feldern sammeln können, sagt Lindenmayr. „Unsere hohen Qualitätsstandards sind nur zu halten, wenn auch die Ausbildung so wie bisher gehalten wird“, betont er. Den Verantwortlichen gehe es beim aktuell diskutierten Modellversuch vor allem darum, Kosten zu reduzieren. „An der Qualität von Erziehung und Bildung zu sparen, ist aber ein Fehler“, ist der Leiter der Fachakademie überzeugt.

Würden die Änderungspläne durchgesetzt, ergebe sich eine völlig neue Struktur: zunächst ein Jahr Vorkurs – ohne Berufsabschluss. Danach würde eine dreijährige Ausbildung folgen. Zur Fachakademie kämen die angehenden Erzieher dann etwa drei Tage die Woche oder im Blockunterricht. Zudem müssten sich die Schüler für die gesamte Zeit der Ausbildung an einen Träger und somit auch an eine Arbeitsstelle binden. Im Laufe der Ausbildung verschiedene Stationen zu durchlaufen wäre also nicht mehr ohne Weiteres möglich. Als Konsequenz befürchtet Lindenmayr weniger Erfahrung und Fachwissen beim Start in den Beruf. Er unterbreitet einen anderen Vorschlag, wie das Ausbildungssystem geändert werden kann: Anwärter mit Abitur absolvieren innerhalb von drei Jahren ihre Ausbildung, Anwärter mit mittlerer Reife weiterhin innerhalb von fünf Jahren. „Für diese eine bestimmte Gruppe könnte die Zeit verkürzt werden“, sagt Lindenmayr.

In Krumbach werden vorwiegend junge Frauen und Männer aus den Landkreisen Günzburg, Neu-Ulm und Unterallgäu ausgebildet. Von der Idee, die Ausbildungszeit zu verkürzen, seien viele Schüler zunächst begeistert. „Aber nachdem sie das Ganze durchdacht haben, sind sie der gleichen Meinung wie wir“, erzählt Lindenmayr. Der Beruf des Erziehers sei mit großen Anforderungen und großer Verantwortung verbunden. „Persönlichkeit, Standfestigkeit, Fachwissen und breite Erfahrung in verschiedensten Praxisfeldern sind unabdingbar“, bekräftigt er.

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