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Gast der Redaktion

28.01.2012

Nahezu volle Auslastung sorgt für einen Personalhöchststand

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Hat alles im Griff: Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, zu denen auch das Bezirkskrankenhaus Günzburg als größter Standort gehört. Düll war jetzt Gast unserer Redaktion.

Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, über laufende Großprojekte am Bezirkskrankenhaus Günzburg, Pläne bis zur 100-Jahr-Feier 2015 und kleine Sorgenkinder

Günzburg Mit mehr als 1400 Beschäftigten ist das Bezirkskrankenhaus (BKH) der größte Arbeitgeber in Günzburg und Umgebung. Hier wird ständig gebaut und saniert, es gibt personelle Veränderungen und interessante wissenschaftliche Studien. Über aktuelle Vorhaben, Neuerungen und Pläne sprachen wir mit Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, zu denen das BKH gehört.

Herr Düll, vor einer Woche schreckte eine Meldung auf, in den Bezirkskliniken stünde ein Personalabbau bevor. Was sagen Sie dazu?

Wir bauen kein Personal ab, ganz im Gegenteil. Ende Dezember 2011 hatten wir einen Personalhöchststand von 3304 Beschäftigten. Das waren so viele wie noch nie zuvor. Dies trifft auf alle Bereiche zu, also auch auf das Bezirkskrankenhaus Günzburg und seine Abteilungen. Das heißt allerdings nicht, dass wir frei von Sorgen sind.

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Welche Sorgen?

Die Tarifentwicklung ist ein ständig wiederkehrendes Thema. Es soll außerdem ein neues Entgeltsystem kommen, dessen Auswirkungen noch nicht feststehen.

Geht es hier um Fallpauschalen, die ab 2013 auch in den psychiatrischen Krankenhäusern gelten sollen?

Nein, sondern um Tagespauschalen. Wir sind da von der Grundhaltung skeptisch – sowohl aus kaufmännischer als auch aus medizinisch-therapeutischer Sicht. Letztlich ist das alles nur eine Umverteilung. Man weiß noch viel zu wenig. Momentan ist es so, dass wir gute Pflegesätze vereinbart haben. Es ist die Frage, ob das so bleibt. Wir stehen Gewehr bei Fuß für schlechte Nachrichten.

Das hört sich nicht sonderlich beruhigend an.

Es besteht keinerlei Grund zur Beunruhigung. Zum einen erfolgt die technische Umstellung frühestens 2013, finanzielle Auswirkungen gibt es vermutlich erst 2017. Zum anderen wollen wir nicht nur zusehen, sondern den Prozess aktiv mitgestalten, weil so viel dahintersteckt.

Was wollen Sie hier tun?

Günzburg und Donauwörth gehören zu den wenigen sogenannten Kalkulationskrankenhäusern, eine der wenigen in Deutschland. Hier werden aktuell die Kosten für jeden einzelnen Patienten ermittelt, was als Grundlage für die Berechnung des neuen Entgeltsystems herangezogen wird. Das ist ein gigantischer Aufwand. Noch einmal: Bei der ganzen Sache handelt es sich um eine reine Umverteilaktion. Es kommt nicht mehr Geld ins System.

Wie ist das BKH Günzburg aufgestellt?

Die Antwort gilt für BKH und Bezirkskliniken gleichermaßen: Wir sind ein hochverlässlicher Arbeitgeber. Das Kommunalunternehmen Bezirkskliniken, das es seit 1. Januar 2008 gibt, erwirtschaftet einen leichten Überschuss. Der ist Basis für weiteres Handeln. So können wir gewisse Investitionen mit Eigenmitteln tätigen. Wenn wir wirtschaftlich sind, sind wir also handlungsfähig. Und das sind wir.

Arbeiten alle Bereiche wirtschaftlich?

Der einzige, der uns ein bisschen Sorgen macht, ist der Bereich Wohnen und Fördern. Hier arbeiten wir noch nicht kostendeckend. Wir befinden uns hier gerade in einer Neustrukturierungsphase. Die Weichen sind gestellt.

Wie war das BKH Günzburg im vergangenen Jahr ausgelastet?

Sehr gut. Die Auslastung betrug mehr als 95 Prozent der Planbetten. Das ist ein Spitzenwert.

Die neue Verwaltungsstruktur hat sich aus ihrer Sicht also bewährt?

Absolut. Der Zusammenschluss der ehemaligen Eigenbetriebe hat das Gesicht der Kliniken nicht verändert. Allerdings können wir durch die Zusammenarbeit der Bereiche ein deutlich größeres Rad drehen. Es gibt eben nur noch eine Personalverwaltung statt drei, nur noch ein Patientenmanagement statt drei und nur noch eine Stelle, die für den Bereich Finanzen/Controlling verantwortlich ist. Das waren früher auch drei.

Wurde alles in Augsburg zentralisiert?

Nein. Den Mitarbeitern war beim Zusammenschluss wichtig, dass sie am gleichen Ort beschäftigt werden. Das ist gelungen. In Augsburg sitzt lediglich die Unternehmensleitung mit 20 Personen. Das ist ein sehr schlanker Kopf für dieses Riesenunternehmen. Durch die Neukonzeption haben wir hinsichtlich Qualität, Schlagkraft und Projektfähigkeit im Vergleich zu früher um mindestens eine Klasse zugelegt.

Ist eine Privatisierung noch ein Thema?

Das ist kein Thema, auch wenn mit definitiver Sicherheit heute nicht gesagt werden kann, ob unser Dienst- und Logistikzentrum auf immer und ewig in der gleichen Struktur bestehen bleiben kann. Hier haben wir neue Kunden hinzugenommen. Wir wissen, dass es besonders schwierig wird, in diesem Dienstleistungsbereich mit unseren Tarifen zu bestehen. Es ist eine echte Herausforderung, der wirtschaftlichen Seite innerhalb der öffentlich-rechtlichen Strukturen Rechnung zu tragen. Noch einmal: Das Thema Privatisierung steht aktuell nicht auf der Agenda. Man muss die Dinge nur im Fokus haben und im Fall der Fälle rechtzeitig aktiv werden.

Auf dem BKH-Gelände wird ja ständig gebaut, saniert und investiert. Welche Großprojekte sind derzeit am Laufen?

Das bekannteste Großprojekt ist der Neubau der Klinik für Maßregelvollzug. Diese Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie kostet etwa 24 Millionen Euro. Der Rohbau ist erstellt, nun beginnt der Innenausbau. Und der braucht Zeit. Im Frühjahr 2013 könnte die Klinik fertig sein. Wir sind voll im Plan.

Neu errichtet wird ja auch die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA).

Richtig. Das Funktionsgebäude entsteht in der Nähe des OP-Trakts und der Schule. Es wird im April/Mai bezogen. Das ist kein Gebäude aus Beton und Ziegeln, sondern entsteht in Holzständerbauweise.

Welche Bedeutung hat die PIA?

Sie hat eine sehr starke Bedeutung eingenommen. Ohne diese Einrichtung wäre es nicht möglich, alle Menschen zu versorgen. Man muss wissen, dass die psychiatrische Versorgung in der Menge nicht mehr im Bett stattfindet, sondern in der Ambulanz. Das war vor 15 Jahren, seit ich dabei bin, noch nicht so. Wir bezahlen den Neubau komplett selbst.

Was passiert mit den Räumen, in denen die Institutsambulanz derzeit untergebracht ist?

Sie meinen das Haus 21, das Diagnostikgebäude. Die frei werdenden Räume brauchen wir dringend für die Neuroradiologie. Wir wollen noch in diesem Jahr dort einen Kernspintomografen einbauen.

Gibt es weitere größere Vorhaben?

Was im Frühjahr in Betrieb genommen wird, sind die beiden neuen, modernen Gewächshäuser. Sie sind fast so groß wie jene fünf, die wegen des Forensik-Neubaus abgerissen werden mussten. Dabei handelt es sich um eine wichtige Therapieeinrichtung, die nebenbei nützliche Produkte in hervorragender Qualität erzeugt. Dass die neuen Gewächshäuser zudem energetisch total optimiert worden sind, lässt den Verlust der alten verschmerzen. Sie sind im Übrigen in unmittelbarer Nachbarschaft zur forensischen Klinik entstanden.

Und im Bereich Wohnen und Fördern?

Die ehemalige Pockenstation im Haus 56 sollte für den Maßregelvollzug abgerissen werden. Diese Pläne sind vom Tisch. Es gibt Überlegungen, dort einen Förderbereich unterzubringen.

Das BKH Günzburg ist eine Klinik mit annähernd 100 Gebäuden. Ist diese Struktur heute noch zeitgemäß?

Für den Bauunterhalt ist der sogenannte Pavillonstil problematisch. Das gilt auch für den täglichen Betrieb. Unsere Automatische Warentransportanlage (AWT) erleichtert uns da viel und versorgt zudem die Kreisklinik. Unabhängig davon, dass wir die Anlage sowieso nie komplett und neu aufbauen könnten, ist das schöne Parkgelände absolut schützens- und erhaltenswert – für unsere Patienten, ihre Angehörigen und für unsere Beschäftigten. Danach handeln wir auch. Was die Somatik betrifft, sind wir absolut auf der Höhe der Zeit. Ich bin da dem Freistaat – Stichworte Neubau OP-Trakt für die Neurochirurgie, Sanierung Neurologie – für seine Unterstützung sehr dankbar.

Der damalige Gesundheitsminister Dr. Markus Söder hatte bei der Einweihung des hochmodernen Operationssaals für die Neurochirurgischen Klinik („Brainsuite“) im Februar 2009 die Akutpsychiatrie angesprochen. Auf diesem Feld bestehe großer Nachhol- und Sanierungsbedarf, meinte der Minister, da könne die heute 97 Jahre alte Klinik Geld vom Freistaat gut gebrauchen. Wie ist der Stand der Dinge?

Am Nachholbedarf für die psychiatrische Klinik, was die bauliche Substanz angeht, hat sich nichts geändert. Es werden gerade Konzepte erarbeitet. Wir stehen im Vorfeld der 100-Jahr-Feier 2015 vor großen Aufgaben.

Zwei Personalien zum Schluss. Wer wird Nachfolger von Dr. Ernst Baljer, wenn der Chefarzt der forensischen Klinik Mitte des Jahres in den Ruhestand geht?

Das Verfahren für die Besetzung des Postens befindet sich in der Endphase. Dabei handelt es sich um einen Lehrstuhl für forensische Psychiatrie und Psychotherapie, der gekoppelt ist mit der Leitung der neu erbauten Klinik für den Maßregelvollzug. Das ist europaweit einmalig. Ich bin zuversichtlich, in den nächsten Monaten einen Namen präsentieren zu können.

Und wer wird Nachfolger von Pflegedirektor Gerhard Fischer, der im März nach 40 Jahren Tätigkeit in den Ruhestand geht?

Die Stelle wurde ausgeschrieben. Es gibt vier Bewerber/innen, die in der engeren Wahl sind. Eine Entscheidung fällt in Kürze.

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