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Günzburg

12.11.2018

Neue Gastronomie in der Günzburger Altstadt

Am Wätteplatz ist ab Dezember ein neuer Coffeeshop von der „Kultbohne“ aus Offingen geplant, die in Gundremmingen eine eigene Rösterei hat.
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Am Wätteplatz ist ab Dezember ein neuer Coffeeshop von der „Kultbohne“ aus Offingen geplant, die in Gundremmingen eine eigene Rösterei hat.
Bild: Bernhard Weizenegger

In der Innenstadt gibt es ein weiteres schwäbisches Gasthaus und bald einen Coffeeshop. Wer wo eröffnet und warum die Wahl auf Günzburg fiel.

Die Gastronomie in Günzburg wächst. Gleich zwei Neueröffnungen gibt es bald in der Altstadt. So erweitern Nicole Schröder und Günter Bolldorf das Angebot an heimischen Speisen, indem sie in bereits seit Jahren leer stehenden Räumen an der Hofgasse ab 15. November schwäbische Küche anbieten. Dann ist die offizielle Eröffnung, die Türen von „Zum Schlössle“ sind aber bereits geöffnet. Günter Bolldorf ist der Koch.

Er war bereits selbstständig in der Gastronomie und zuletzt angestellt – und wollte eigentlich nicht mehr in die Selbstständigkeit zurückkehren. Doch weil Lebensgefährtin Nicole Schröder, die im Einzelhandel gearbeitet hatte, sich selbstständig machen wollte, zieht er mit. Beim Spaziergang hatte der Mann aus Kirchheim/Teck und die Frau aus Bubesheim das bis dato leere Lokal gesehen, beim Verpächter angefragt und es gepachtet.

Bild: Bernhard Weizenegger

Gerade weil es in Günzburg kaum noch schwäbische Küche gebe, sind sie guter Dinge, schon bald viele Gäste begrüßen zu dürfen. Ein Schwerpunkt liegt auf Maultaschen. Lothar Schnittger ist bereits eingekehrt und er sagt: „Es schmeckt super, sie haben einen Fan gefunden.“ Und weil es zusätzlich zu den gut 80 Sitzplätzen und einem Nebenraum sechs Fremdenzimmer gibt, soll vielleicht auch Frühstück für jedermann angeboten werden.

Eine eigene Rösterei in Gundremmingen

Am Wätteplatz ist ab Dezember ein neuer Coffeeshop von der „Kultbohne“ aus Offingen geplant, die in Gundremmingen eine eigene Rösterei hat (lesen Sie hier mehr darüber). Bislang hat Richard Stetter, früher Pächter vom benachbarten „Zebrano“, mit Geschäftspartnern bereits derartige Kaffeeläden in Ulm und Memmingen, in Günzburg wird es den ersten eigenen geben. Der Kaffee ist auch bei Rewe oder Edeka zu haben, in Coffeeshops in Prag oder Madrid, auch im Kaufhaus KaDeWe in Berlin ist die Firma vertreten. Doch statt in der Hauptstadt selbst zu eröffnen, fiel die Wahl auf Günzburg, da Stetter und seine Familie eben in der Region leben und er gerade am Anfang häufig selbst hinterm Tresen stehen kann. Auch weitere Mitarbeiter des Unternehmens sollen eingesetzt werden, aber ein Barista, der sich nur um den Standort Wätteplatz kümmert, wird noch gesucht.

Das kleine Lokal im denkmalgeschützten Haus, das Stetter sehr gut gefällt, soll eine Art Showroom sein, in dem es nicht nur einen kleinen Ausschank mit wenigen Tischen gibt, sondern eben auch Kaffeepackungen und Zubehör für zu Hause. Mittelfristig soll es auch Mehrwegbecher zum Mitnehmen geben, und wenn es in Günzburg gut läuft, kann er sich Eröffnungen in Ulm und Augsburg vorstellen. Stetter, selbst Barista, bezieht die Bohnen, die er röstet, direkt von den Plantagen, sodass der Kaufpreis direkt an die Bauern gezahlt werde.

Bild: Bernhard Weizenegger

„Konkurrenz belebt das Geschäft“

Zufrieden mit der Entscheidung, in Günzburg ein Lokal zu eröffnen, sind bereits Gastronomen, die sich vor Kurzem oder Längerem dazu entschlossen haben. So hatte Radbrauerei-Chef Georg L. Bucher zweieinhalb Jahre nach einem neuen und passenden Pächter für die Brauerei-Gaststätte „Zum Rad“ am Markt gesucht (lesen Sie hier mehr über das Lokal). Er ist froh, wie sich das Lokal seit der Wiedereröffnung Ende Mai entwickelt. Das geht Enrico Banno, der das Restaurant mit Giuseppe Tumbarello führt, nicht anders. Die deutsch-mediterrane Küche, für die er schon im vorherigen Lokal in Burgau bekannt war, werde gut angenommen.

Über die Eröffnung an der Hofgasse freut er sich, schwäbische Küche gebe es in Günzburg zu wenig. Konkurrenz belebe das Geschäft – und Gastronomie die Stadt. Ebenfalls seit einem guten halben Jahr gibt es wieder das italienische Restaurant „Backstube“ an der Hofgasse, jetzt geführt von Serenella Cordella und Giovanni Palma. Auch sie sind zufrieden, wie das Geschäft bislang läuft. Ihr Bruder habe ein Restaurant in Jettingen-Scheppach, sagt Serenella Cordella, sie habe früher bereits in Dortmund und am Silbersee in Gaststätten gearbeitet.

Kneipenchefin: OB soll mal auf ein Glas Bier vorbei kommen

Wie die „Backstube“ ist auch die Kneipe „Spatzennest“ in der Gasse Zum Kuhturm den Günzburgern seit Jahren ein Begriff, und ebenfalls seit diesem Jahr unter neuer Leitung. Sabine Schiller war selbst früher gerne dort und übernahm das Lokal vom Vorgänger, als dieser es aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Sie hatte zuvor ein paar Jahre lang eine Gaststätte in Blaubeuren und kehrte gerne in ihre Geburtsstadt zurück. Es sei sehr gut angelaufen, bloß im Sommer habe der Betrieb wegen der Hitze etwas nachgelassen.

Früher habe es alle zwei Meter eine Kneipe gegeben, doch wegen vieler Auflagen sei sie nun fast die einzige. „Wo sollen die Leute noch Karten spielen?“ Stattdessen gebe es mehr Kleider-, Friseur- und Dönerläden, ohne deren Inhaber kritisieren zu wollen. Wer in eine Kneipe gehen wolle, fahre nach Ulm oder Augsburg. Leider tue der Oberbürgermeister diesbezüglich nichts, er solle doch mal auf ein Bier zu ihr kommen, damit sie mit ihm darüber sprechen könne.

In Günzburg fehlt es im Bereich Einzelhandel

Im April hatte nicht weit entfernt an der Dominikus-Zimmermann-Straße Madeleine Le Claire den Hofladen „Herzdame“ eröffnet, wo es auch Kaffee, Kuchen, Mittagsgerichte, Veganes, Workshops und mehr gibt. Es habe sich ein guter Kundenstamm etabliert. „Ich habe lange überlegt, in Ulm zu eröffnen, mich aber für Günzburg entschieden. Das Ambiente der Stadt, der Charme passt einfach perfekt zu meinem Konzept.“ Es fehle jedenfalls nicht an Gastronomie, sondern am Einzelhandel, der die Menschen für einen Bummel anlockt. „Da hängt Günzburg stark hinterher.“

An der Ecke Augsburger Straße/Wilhelm-Lorenz-Weg gibt es das italienische Restaurant „Allegro“, in dem Alessio und Nicoletta Giordano vor knapp anderthalb Jahren auf ihren Vorgänger folgten, der ein anderes Restaurant übernahm. Nachdem es anfangs ruhig gewesen sei, laufe es nun besser, sagt Nicoletta Giordano. Ihr Mann habe ein Restaurant in Ingolstadt gehabt und das jetzige im Internet gesehen, woraufhin er sich direkt in die Räume verliebt habe. Der Name „Allegro“ bedeutet übrigens glücklich, und das seien sie jetzt in Günzburg.

Nicht neu in Günzburg ist Mario Schweiss, der die Bar und Event Location „Plan B“ betreibt, wozu auch die „Goldbar“ gehörte. Aus dieser hat er ein mexikanisches Restaurant, das „El-Mexikano“, gemacht, das vor gut einem Monat öffnete. Denn im Landkreis gebe es bislang kein mexikanisches Restaurant und das Ausgehverhalten habe sich sehr geändert. Dass es in Günzburg wieder eine Disco gibt (lesen Sie hier mehr dazu), findet er angesichts dessen mutig, aber gut. Im Sommer plant er eine Außenbestuhlung – und wenn er sich für Günzburg in Sachen Gastronomie etwas wünsche, dann wäre es eine Hausbrauerei à la „Barfüßer“ in Ulm.

Gastronomen sollen auf „Faire Produkte“ setzen

Wie vielfältig Günzburg gastronomisch aufgestellt ist, freut natürlich auch die Stadtverwaltung. Wirtschaftsbeauftragte Beate Agemar erklärt, gerade die heimische Küche sei zuletzt im Vergleich zur internationalen, etwa aus den Mittelmeerländern und dem asiatischen Raum, „etwas unterrepräsentiert“ gewesen. Das ändere sich mit der Eröffnung an der Hofgasse. Sie wünscht sich „eine verstärkte Beteiligung der Gastronomen mit fairen Produkten auf ihrer Speisekarte im Rahmen der ,Fairen Stadt Günzburg‘ und vielleicht noch weitere Mitglieder aus der Gastronomie in der Cityinitiative“. Die von dieser gestellte Citymanagerin Nikola Gamm war für eine Einschätzung nicht zu erreichen.

Auch die Wirtschaftsvereinigungs-Vorsitzende Eva Flemisch sieht die Entwicklung positiv – wenngleich sie sagt, dass es durchaus recht lange gedauert habe, bis das Lokal an der Hofgasse gefüllt werden konnte, wo das schwäbische Gasthaus öffnet. Es spreche für die Innenstadt, dass es viele Restaurants seit Jahrzehnten gebe und Neues komme. Es gebe viele Gastronomen, die sich an Aktionen wie dem Kultursommer beteiligen, aber leider gelte das nicht für jeden. Insgesamt sei Günzburg in Sachen Lokale sicherlich sehr gut aufgestellt, aber gerade für junge Leute fände sie es schön, wenn es mehr für sie gebe. Das große Zukunftsthema sei, ob es gelingt, dass die Gastronomie noch Personal findet – und alt eingesessene Lokale weitergeführt werden. "

Lesen Sie hier den Kommentar von Christian Kirstges zu diesem Thema.

Lesen Sie hier mehr zu dem Thema, ob die Gastronomie in Günzburg zu teuer ist.

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