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Landkreis Günzburg

13.07.2020

Neue Libellenart im Kreis Günzburg entdeckt

Die Gabel-Azurjungfer ist an ihrer blauen Farbe und der schwarzen Zeichnung zu erkennen. Seit wenigen Jahren ist diese Libellenart auch in Deutschland heimisch. Im Landkreis Günzburg wurde sie jetzt erstmals gesichtet.
Bild: Rainer Timm

Plus Ein Biologe hat bei einer Art "Inventur" für verschiedene Tierarten eine Libelle gefunden, die noch nie im Landkreis Günzburg gesehen wurde.

Sie ist klein, sie ist blau, sie hat eine schwarze Zeichnung auf dem Rücken – und sieht für das ungeübte Auge wie eine ganz normale, wenn auch etwas klein geratene, Libelle aus. Doch als der Diplom-Biologe Ralf Schreiber aus Neu-Ulm das Tierchen vor wenigen Tagen bei einem Regenrückhaltebecken zwischen Deffingen und Leinheim entdeckte, zückte er sofort die Kamera. Denn in Schwaben ist diese Art erst an einem Ort gesehen worden.

Bei der Libellenart handelt es sich um die sogenannte Coenagrion scitulum, zu deutsch: Gabel-Azurjungfer. Und diese Libelle ist erst seit wenigen Jahren und nur sehr zögerlich dabei, in Deutschland heimisch zu werden. Grund für ihr Auftauchen ist die Klimaerwärmung, wie Schreiber erklärt. „Die Winter werden milder, die Sommer wärmer. Darum schwappt diese Libellenart aus dem Westen zu uns rüber.“

Libelle bei Naturschutzfachkartierung im Kreis Günzburg gefunden

Der Biologe ist aktuell für eine Naturschutzfachkartierung, eine Art Inventur für die verschiedenen Tierarten in der Region, mit einem Kollegen im Landkreis Günzburg unterwegs. Zu diesen Tierarten darf sich jetzt auch die Gabel-Azurjungfer zählen. Es war nicht nur die erste Sichtung dieser Libellenart im Landkreis, es war auch für Schreiber persönlich eine Premiere. In Schwaben war die Libelle bisher nur in der Nähe von Kempten gesichtet worden.

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Die Gattung der Azurjungfern ist in Deutschland grundsätzlich eher selten. Nur etwa fünf verschiedene Arten dieser Gattung kommen im Landkreis überhaupt vor. Und eine dieser Arten sieht der Gabel-Azurjungfer frappierend ähnlich: die Fledermaus-Azurjungfer. Lediglich durch die Zeichnung auf dem ersten Glied hinter dem Kopf unterscheiden sich die beiden Arten. Um diese Unterschiede bei den weniger als fünf Zentimeter großen Tierchen zu erkennen, muss Schreiber ein Fernglas benutzen.

Regenrückhaltebecken sind auch im Kreis Günzburg oft eine Bereicherung

Dass er die seltene Libellenart ausgerechnet in einem Regenrückhaltebecken gefunden hat, wundert Schreiber nicht. „Diese Becken werden mittlerweile sehr naturnah gestaltet – oft mit Flachufer und Wasserpflanzen statt mit reinem Beton.“ Früher seien in solchen Becken auch viel mehr Dreck und Giftstoffe gefunden worden. Mittlerweile könne man viele davon durchaus als Bereicherung für den Lebensraum für heimische Tierarten wie Libellen oder Frösche ansehen.

Grundsätzlich sind Weiher und Seen im Landkreis allerdings wenig besiedelt: „Anfangs bin ich schon erschrocken, weil sehr viele Gewässer in der Gegend relativ artenarm sind.“ Was den Biologen außerdem ärgert: Immer wieder findet er in Rückhaltebecken oder Waldweihern Goldfische vor, die von Menschen ausgesetzt wurden. „Das ist das Bescheuertste, was man machen kann.“ Zum einen sei das illegal, zum anderen sei es für die Artenvielfalt tödlich. Denn Goldfische fressen alles, was sich außer ihnen in den Weihern aufhält.

Dank mildem Winter keine Nahrungskonkurrenz

Wie es jetzt mit der Gabel-Azurjungfer weitergeht, ist noch nicht sicher. Da die Libelle sehr klein ist, frisst sie nur kleine Insekten wie Läuse. Die hat es diesen Frühling wegen des milden Winters, aber auch dank der vermehrt angesäten Blumenwiesen, zuhauf gegeben. Eine Nahrungskonkurrenz zwischen den verschiedenen Libellenarten gibt es also nicht.

Bis geklärt ist, wie viele Gabel-Azurjungfern in der Gegend leben, wird allerdings noch eine Weile vergehen. „An manchen Weihern fliegen um die 500 Libellen herum“, erzählt Biologe Ralf Schreiber. Und wegen ihrer Größe sind die Tiere dann nur schlecht auszumachen. Trotzdem: An dieser Libelle bleibt er dran.

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