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Landkreis Günzburg

16.03.2020

Neuer Landrat: Hans Reichharts Blick richtet sich nach vorne

Der alte und der neue Landrat. Hubert Hafner (links) und Hans Reichhart schauen sich am Sonntagabend die Wahlergebnisse an. Ganz Abschied nimmt Hafner aber nicht: Er wird dem künftigen Kreistag als Kreisrat angehören.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Warum eine Stichwahl trotz fünf Kandidaten nicht so wahrscheinlich war, wie manche angenommen hatten. Und was auf der Agenda des Neuen oben steht.

Manche wollen Lokomotivführer werden. Oder Feuerwehrmann. Oder Astronaut. Hans Reichhart wollte Landrat werden. Nicht als Acht- oder Neunjähriger. Es war dann doch ein wenig später. Aber er klang glaubhaft, als er das während eines kurzen Spaziergangs durch Günzburg erzählte. Und seine Stimme hatte dabei etwas Schwärmerisches.

Dann kam die Landespolitik in die Quere. Und auf einmal saß er mit einem Joachim Herrmann und einem Markus Söder am Kabinettstisch. Zunächst vom März 2018 an als Finanzstaatssekretär. Und nicht einmal ein Dreivierteljahr später wurde er – über die Liste nicht wieder in den Landtag gekommen – von Ministerpräsident Söder zum Bau- und Verkehrsminister Bayerns befördert.

Damit war der 37-Jährige aus Jettingen-Scheppach quasi aus dem Verkehr gezogen, was die Nachfolge Hubert Hafners anbelangt. Bis dahin galt es parteiintern als ausgemacht, dass der Vater von zwei Vorschulkindern zum politischen Erben des Landrats würde.

Neuer Landrat: Hans Reichharts Blick richtet sich nach vorne

Die Sache war gar nicht so sicher

Je näher der Wahltermin rückte, desto unruhiger wurden die Christsozialen. Erstarkte Grüne mit einem jungen Maximilian Deisenhofer, 33, der im Herbst 2018 in den Landtag eingezogen war, rechneten sich gewisse Chancen aus, den Landrat zu stellen. Gerd Mannes, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Bayern und ebenfalls im Maximilianeum, zeigte auch Flagge. Wer weiß: Vielleicht wäre den Grünen der Coup gelungen, wenn ihr Bewerber gegen einen anderen CSU-Kandidaten angetreten wäre. Und andere Namen waren im oder brachten sich ins Spiel: Monika Wiesmüller-Schwab, die stellvertretende Landrätin, Bezirksrätin Stephanie Denzler und der am Sonntag in dieser Deutlichkeit überraschend abgewählte Kammeltaler Bürgermeister Matthias Kiermasz trauten sich das Amt zu.

Als Reichhart schließlich bereit war, zu kandidieren, konnten die „Schattenkandidaten“ ihre Hoffnung begraben. Breite Unterstützung hatte sich Reichhart gesichert. Neben der CSU nominierte ihn die Junge Union (JU), dessen Landesvorsitzender er bis August 2019 fast sechs Jahre lang war. Die Freien Wähler schließlich streckten bei ihrer Nominierungsversammlung einmütig die Hände in die Höhe.

So kam es, dass drei der acht Parteien und Gruppierungen, die für den neuen Kreistag antraten, den einen Kandidaten unterstützten. Das ist eine Erklärung dafür, warum der Kommunalpolitiker (sechs Jahre lang CSU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, Marktgemeinderat in Jettingen-Scheppach) mit landespolitischer und Regierungserfahrung trotz vier Mitbewerbern ungefährdet am Sonntagabend zum Landrat gewählt wurde.

 

Rudolf Ristl läuft unter ferner liefen

Gerd Mannes hat mit seinem Ergebnis (10,1 Prozent der Stimmen) den eigenen Anspruch nicht erfüllt. Luise Bader lag im Bereich der Erwartungen, wobei 6,2 Prozent für einen Sozialdemokraten oder in diesem Fall für eine Sozialdemokratin vor wenigen Jahren noch als desaströs empfunden worden wäre. Rudolf Ristl, der Pirat, der für die Linke antrat, landete mit 1,4 Prozent unter ferner liefen.

Bleibt die Nummer zwei des Wahlabends – oder, wie es in der Ergebnisübersicht hieß, der „Erstunterlegene“: Max Deisenhofer. Selbst wenn der Grünenpolitiker in dieser Ergebnis-Konstellation die 30-Prozent-Marke geknackt hätte, hätte es für eine Stichwahl nicht gereicht. Deisenhofers Wahlkampf hat dennoch genutzt – nämlich seiner Partei. Die Grünen haben trotz größerer Konkurrenz mehr Kreistagsmandate erreicht als noch 2014.

Wie bereitet sich Reichhart nun auf seine neue Aufgabe vor? Er wird öfters mit seinem Vorgänger Hafner telefonieren und ist an einer wirklichen Übergabe interessiert. Die hatte Hafner 1996 nicht. Dem Vernehmen nach hielt dessen Vorgänger Georg Simnacher den damaligen Bürgermeister von Ichenhausen nicht unbedingt für eine Idealbesetzung in diesem Amt. Gewissermaßen im letztmöglichen Augenblick übergab Simnacher seinerzeit die Schlüssel des Landratsamtes an den Nachfolger.

Lücken in der Medizin sind schon in normalen Zeiten erkennbar

Digitalisierung will Reichhart für sein künftiges Haus vorantreiben. Und damit meint er nicht, dass einige Formulare online gestellt werden. „Die Bürger müssen eine echte Wahl haben. Alle Dienstleistungen sollten bis in zwei Jahren analog und digital angeboten werden.“

Außerdem treibt ihn die medizinische Versorgung der Menschen in der Region um. In „normalen“ Zeiten sind die Lücken bereits erkennbar. Und nun verschärfe sich die ganze Situation noch durch das neuartige Coronavirus und die damit verbundene Unsicherheit.

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